14. Dezember 2018 / 16:44 Uhr

Vor 10 Jahren: „Mein Körper war nicht geschaffen für Profifußball“

Vor 10 Jahren: „Mein Körper war nicht geschaffen für Profifußball“

Knut Hagedorn
Märkische Allgemeine Zeitung
Vor zehn Jahren wurde Michael Schuldig durch Heiko Schumann (l.) zum besten Spieler geehrt – heute trainiert er den SV Friedrichsthal.
Vor zehn Jahren wurde Michael Schuldig durch Heiko Schumann (l.) zum besten Spieler geehrt – heute trainiert er den SV Friedrichsthal. © Robert Roeske/Sportbuzzer-Collage
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Fußballkreis Oberhavel/Barnim: Der Oranienburger Michael Schuldig galt einst als eines der größten Talente in Oberhavel, wurde aber von Verletzungen gestoppt und ist jetzt Trainer.

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Als der Oranienburger Michael Schuldig am zweiten Weihnachtsfeiertag 2008 beim Hennigsdorfer Trend-Möbel-Cup zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, gab es nicht wenige, die ihm eine steile Karriere voraussagten. Viele Verletzungen standen dieser jedoch im Wege und bereits 2014 musste der heute 29-Jährige seine Fußballschuhe an den sprichwörtlichen Nagel hängen.

Mit 18 wechselte Schuldig, der mit fünf Jahren beim Oranienburger FC Eintracht mit dem Fußball begonnen hatte, aus dem Nachwuchs in den Männerbereich der Eintracht. Viele sahen in Schuldig eine kommende Säule des Oranienburger Männerfußballs. 2009 gehörte der damals 20-Jährige bereits fest zur Brandenburgliga-Mannschaft – allerdings kamen anschließend nicht mehr viele Spiele dazu.

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„Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine weitere Ausbildung angefangen. Demnach fehlte einfach die Zeit. Zudem war mir recht früh klar, dass ich mit dem Fußball nicht meinen Lebensunterhalt verdienen werde, also war der berufliche Werdegang deutlich wichtiger“, sagt Schuldig rückblickend. „Natürlich hätte ich mir gewünscht, mich über einen langen Zeitraum höherklassig etablieren zu können, aber es gab halt Gründe, die dagegen sprachen. Zudem gibt es Körper, die sind für leistungsorientierten Fußball oder auch Profifußball geschaffen – meiner war es nicht. Vom Talent her hätte es klappen können“, so Schuldig weiter.

Am 1. November 2014 bestritt Schuldig gegen Preussen Eberswalde in der Brandenburgliga sein letztes Spiel. „Über Nacht wurde plötzlich mein Knie dick, was nicht mehr aufhörte. Das war es dann mit Fußball, zumal die folgende Operation aufgrund eines diagnostizierten Meniskusrisses nicht so verlief wie gewünscht“, blickt der zweifache Familienvater zurück. Als gescheitertes Talent sieht er sich aber nicht. „Es gibt immer mal wieder Leute, die sagen, ich hätte sportlich mehr erreichen können. Aber ich bin mit mir im Reinen und zufrieden so wie es lief. Ich habe zwei tolle Kinder und eine bezaubernde Frau, ich denke, das ist am wichtigsten.“

Wer den Kreisstadt-Club aus Oberhavel trainierte, saß meist fest im Sattel. Sieben Übungsleiter haben sich in den vergangenen 15 Jahren beim Oranienburger FC Eintracht versucht. Einer war sogar zweimal da. In der Saison 2018/2019 wird es einen neuen OFC-Trainer geben, denn Hans Oertwig bestreitet seine letzte Saison in Oranienburg. Der Sportbuzzer hat alle Oranienburger Trainer seit 2002 im Überblick.

Frank Rohde (September 2002 bis Juni 2003): Der Ex-Bundesligaprofi (Hamburger SV, Hertha BSC) war bis dato Sportlicher Leiter beim OFC. Er löste zu Beginn seiner ersten Oranienburger Amtszeit Gerd Pröger ab, der vorher mit kurzer Unterbrechung seit 1997 amtierte, nun aber nach sieben Niederlagen in Folge gehen musste. Rohde, ehemaliger DDR-Nationalspieler, sammelte vorher Erfahrungen als Trainer bei den Reinickendorfer Füchsen und dem FC Sachsen Leipzig. Im Juni 2003 legt er sein Amt nieder und wechselt zum Chemnitzer FC. Zur Galerie
Frank Rohde (September 2002 bis Juni 2003): Der Ex-Bundesligaprofi (Hamburger SV, Hertha BSC) war bis dato Sportlicher Leiter beim OFC. Er löste zu Beginn seiner ersten Oranienburger Amtszeit Gerd Pröger ab, der vorher mit kurzer Unterbrechung seit 1997 amtierte, nun aber nach sieben Niederlagen in Folge gehen musste. Rohde, ehemaliger DDR-Nationalspieler, sammelte vorher Erfahrungen als Trainer bei den Reinickendorfer Füchsen und dem FC Sachsen Leipzig. Im Juni 2003 legt er sein Amt nieder und wechselt zum Chemnitzer FC. ©

An einen Vereinswechsel dachte Michael Schuldig in seiner aktiven Zeit nie. „Es gab immer mal wieder Anfragen anderer Vereine und auch konkrete Angebote, ich habe es aber schlussendlich nie übers Herz gebracht, den OFC zu verlassen, das ist schon meine fußballerische Heimat.“ Gerne erinnert er sich an seine ersten Gehversuche bei der Eintracht. „Als ich mit fünf Jahren zum ersten Training ging, bin ich danach heulend aus der Halle gestiefelt. Aber meine Mutter hat mich dann wieder zum nächsten Training gebracht und dann blieb ich 20 Jahre.“

Inzwischen ist Schuldig seit Sommer 2017 Trainer beim Fußball-Kreisoberligisten SV Friedrichsthal. Für ihn war der Wechsel auf die Bank ein logischer Schritt. „Ich habe schon immer mit dem Trainerwesen geliebäugelt und auch beim OFC diese Tätigkeit ausgeübt. Ich sehe mich auch längerfristig als Trainer.“ Mit Frank Rohde, Hans Oertwig und Gerd Pröger hatte Michael Schuldig als Spieler selbst auch gute Lehrmeister. Allerdings will der Oranienburger auch in naher Zukunft mal eine Auszeit einlegen. „Ich werde mich bestimmt mal für ein Jahr rausnehmen. Wann, das weiß ich aber heute noch nicht. Der Trainerjob ist extrem kräftezehrend und die körperliche und seelische Belastung sehr hoch. Da sollte man sich auch mal Zeit nehmen, um Kraft zu tanken.“