01. Dezember 2021 / 19:30 Uhr

Von Neuntausend auf Null: SC DHfK empfängt Balingen im Geister-Heimspiel

Von Neuntausend auf Null: SC DHfK empfängt Balingen im Geister-Heimspiel

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
DHfK-Trainer André Haber
DHfK-Trainer André Haber muss mit seinem Team gegen Balingen wieder vor leeren Rängen spielen. © Christian Modla
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Mindestens eins, wahrscheinlich gleich drei Geisterspiele stehen dem SC DHfK Leipzig im Dezember bevor. Erst am Wochenende hatte der Handball-Bundesligist vor 9000 Fans beim THW Kiel gespielt, gegen Balingen werden die Ränge leer sein. Eine große Belastung für die Spieler und die Vereinskasse.

Leipzig. Welten liegen zwischen dem stimmungsvollen Hexenkessel, den die Handballer des SC DHfK am Sonntag beim Auswärtsspiel in Kiel erleben durfte und der gähnenden Leere, die am Donnerstag in der Arena Leipzig herrschen wird. Kein einziger Zuschauer ist aufgrund der aktuellen Corona-Lage beim Heimspiel gegen den HBW Balingen-Weilstetten (19.05 Uhr/Sky) zugelassen – abgesehen von den wenigen Aufbauhelfern und einigen Mitarbeitern der DHfK-Geschäftsstelle, die wieder als Trommler im Einsatz sein dürfen.

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„Schwierig wird natürlich, dass wir nicht auf die aktive Unterstützung unserer Zuschauer bauen können. Dennoch ist das ganze Team heiß auf Donnerstag und geht mit dem unbedingten Willen in die Partie, den Sieg zu holen“, schätzte Cheftrainer André Haber die Lage vorab ein. In mehreren Videositzungen habe man sich detailliert auf den Gegner vorbereitet und gleichzeitig an den Handball-Basics gearbeitet, um die Fehleranzahl auf der Platte endlich in den Griff zu bekommen.

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Neben der physischen Vorbereitung rückte vor dem Geisterspiel aber auch die mentale Einstellung in den Fokus des Leipziger Bundesligisten. Nach Monaten mit Zuschauer im Rücken und einem Auswärtskracher in Kiel vor über 9000 Fans wird die Stille in der Halle hart für die Profis. „Das einzig Gute ist, dass wir die Situation bereits kennen – aber die Fallhöhe ist groß“, beschreibt es der 35-jährige Coach und führt aus: „Noch am Sonntag waren wir vor so vielen Zuschauern in einer der geilsten Hallen der Welt – und jetzt sind wir zwar wieder in einer geilen Halle, die wird aber leer sein.“ Es werde sicherlich ein paar Minuten komisch für alle Beteiligten sein, die Spieler sich aber hoffentlich schnell daran gewöhnen.


Hilfsprogramme greifen noch nicht

Auch für DHfK-Manager Karsten Günther sind die erneuten Geisterspiele nun bittere Realität. Bislang ist nur die Partie gegen Balingen offiziell davon betroffen, der Geschäftsführer rechnet aber bereits damit, dass im gesamten Dezember keine Fans in die Arena dürfen. „Es ist eine etwas surreale Situation. Ich dachte nicht, dass dieser Zustand wieder eintreten würde – vielleicht habe ich es auch nur gehofft“, so Günther offen und sichtlich bedrückt. Denn neben dem Erlebnis mit den Fans und der großartigen Atmosphäre werden dem Bundesligisten auch Einnahmen wegbrechen, eine sechsstellige Summe.

„Das ist eine echte Belastung für alle Vereine in Sachsen, die zuschauerfinanziert sind. Es gibt zwar Hilfsprogramme vom Bund, diese greifen aber aktuell nicht, da es sich zunächst um ein Phänomen in Sachsen handelt“, erklärt der Manager weiter. Die Vereine der Initiative TeamSport Sachsen befänden sich nun in Rücksprache mit dem Freistaat Sachen, ob und wie eine Lösung auf Landesebene gefunden werden könne.

Eine Lösung für die offene Position auf Linksaußen an der Seite von Lukas Binder wurde hingegen bereits gefunden. Ab Sommer 2022 wird Tim Matthes von den Füchsen Berlin für die Sachsen auf der Platte stehen. Der 22-Jährige, der beim Hauptstadtclub bereits Erfahrungen in der European League sammelt durfte, erhielt einen Vertrag bis 2024.