22. März 2018 / 17:06 Uhr

Ligafrust bei Dauerfrost: Brandenburger Fußballvereine leiden unter Winterwetter

Ligafrust bei Dauerfrost: Brandenburger Fußballvereine leiden unter Winterwetter

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Hannes Krämer (l.) und Stephan Ellfeldt haben ihre eigene Meinung zu den zahlreichen Spielausfällen.
Hannes Krämer (l.) und Stephan Ellfeldt haben ihre eigene Meinung zu den zahlreichen Spielausfällen. © dpa, MAZ
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Clubs beklagen den unflexiblen Rahmenterminplan des Landesverbands.

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Hannes Krämer ist derzeit nicht zu beneiden. Das letzte Spiel, das der Trainer der Falkenthaler Füchse in der Landesklasse Nord mit seinem Team bestritten hat, datiert vom 15. Dezember 2017. Seit dem offiziellen Ende der Winterpause, dem 24. Februar,  gab es nur noch Absagen, insgesamt fünfmal mussten die Spiele der Füchse wegen der Unbespielbarkeit der Plätze verschoben werden. Den nächsten Versuch starten sie am Sonnabend (15 Uhr) beim Tabellenführer SV 1908 Grün-Weiss Ahrensfelde. „Sie haben einen Rasenplatz und einen Kunstrasenplatz. Uns wäre es auch ganz lieb, wenn das Spiel stattfinden kann, damit wir langsam wieder reinkommen. Uns fehlt der Wettbewerb“, sagt Krämer.

So wie den Falkenthaler Füchsen geht es derzeit zahlreichen Fußballern in Brandenburg. Wegen des anhaltend schlechten Wetters werden vielerorts die Plätze gesperrt, um deren Beschädigung zu verhindern. Alleine in den acht Herrenstaffeln im Fußballkreis Havelland seien es „deutlich mehr als 100 Spiele“, die abgesagt werden mussten, sagt Hartmut Domagalla, Vorsitzender des Spielausschusses. „Noch kriegen wir alle Spiele unter. Wenn dieses Wochenende auch ausfällt, würde es noch gehen, danach wird es kritisch“, sagt Domagalla.

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Kritisch sehen die Fußballer, dass die Mannschaften einige Wochen einlegen müssen, in denen sie zweimal spielen. „Das Wort Wettbewerbsverzerrung trifft den Nagel auf den Kopf. Das ist keine normale Spielserie, alles was jetzt noch kommt ist nur Stückwerk. Wir haben unter der Woche nie die gleiche Mannschaft, wie wir sie am Wochenende zur Verfügung hätten. Dadurch bekommen wir natürlich auch keinen Rhythmus rein“, sagt Stephan Ellfeldt.

Er trainiert Union Neuruppin in der Landesklasse West. Mit seiner Mannschaft hat er erst 13 Spiele absolviert – gegnerische Teams teilweise schon 19. „Die Belastung ist für meine Spieler unfassbar hoch, das ist im Amateursport nicht gut. Warum müssen wir auch so früh beginnen zu spielen? Wir könnten doch bis zum Anfang der Sommerferien kicken. Bis dahin arbeiten die Familienväter eh und stünden dann auch als Spieler zur Verfügung. Der Verband sollte den Rahmenplan etwas lockern. Wir werden die Saison schon irgendwie über die Bühne bekommen, mit einer normalen Spielzeit hat dies aber nichts zu tun“, beschwert sich Ellfeldt. Auch Hannes Krämer sagt: „Wenn wir im Winter zwei Wochen später beginnen und bis zum 30. Juni spielen können, dann müsste man schon einmal zwei Spiele weniger nachholen.“

Beim Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) stößt dieser Vorschlag allerdings auf wenig Gegenliebe. Der Rahmenterminplan sieht den 16. Juni als letzten Spieltag vor. „Da brauchen wir nicht diskutieren, das Saisonende ist nicht umsonst Mitte Juni gewählt. Am 30. Juni endet die Wechselfrist, man muss den Spielern auch Zeit geben sich abzumelden, es gibt ja auch ein paar Formalien, die eingehalten werden müssen“, sagt Mirko Wittig, der Vorsitzende des Spielausschusses beim FLB.

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Er erkennt die schwierigen Witterungsbedingungen an. „Wir hatten den letzten großen Winter in der Saison 2012/13, da wurden stellenweise die ersten Spiele erst Anfang April ausgetragen“, erzählt Wittig. Allerdings würden seiner Meinung nach einige Spiele auch zu leichtfertig abgesagt. „Alles, was südlich von Berlin ist, dafür habe ich Verständnis, da hat es viel geschneit. Im Nordosten von Brandenburg, wie beispielsweise im Barnim, hatte es gar keinen Schnee. Da war der Platz nur hart. Das Argument der Verletzungsgefahr zieht da nicht, ich kann mir eine Verletzung auch auf weichem Platz zuziehen“, sagt Wittig.

Hartmut Domagala bringt da noch einen weiteren Vorschlag ein. „Manchmal sucht man zu wenig das Gespräch mit dem Nachbarn“, sagt der Spielausschussvorsitzende aus dem Havelland. „In der 2. Kreisklasse ist es doch fast egal, wo man spielt. Mir tut es in der Seele weh, wenn ein Wochenende lang ein Kunstrasenplatz leer steht“, erklärt Domagala, zugleich auch Vereinspräsident von Fortuna Babelsberg. Das funktioniere aber nur auf Kreisebene und auch nicht bei allen Spielen, gibt er zu.

Die Vereine auf Landesebene müssen dafür an Ostern, Pfingsten und dem 1. Mai spielen. „Und es ist kein Ende in Sicht, nächste Woche soll es wieder minus sechs Grad haben“, befürchtet Krämer.

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