08. April 2021 / 16:20 Uhr

Vom Regionalliga-Drama zum Bundesliga-Traum: Wie Ex-VfLer Stach in Fürth den Durchbruch schaffte

Vom Regionalliga-Drama zum Bundesliga-Traum: Wie Ex-VfLer Stach in Fürth den Durchbruch schaffte

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Angekommen: Ex-VfLer Stach ist nicht nur Stammspieler in Fürth, sondern hat es auch zur U21-EM geschafft.
Angekommen: Ex-VfLer Stach ist nicht nur Stammspieler in Fürth, sondern hat es auch zur U21-EM geschafft. © Marton Monus/dpa / Boris Baschin
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Vor einem Jahr war die Enttäuschung bei Anton Stach noch groß, als er mit dem VfL Wolfsburg II knapp den Meistertitel in der Regionalliga und damit den Aufstieg in die 3. Liga verpasste. Doch mittlerweile klopft er mit Greuther Fürth an der Tür zur Bundesliga und ist U21-Nationalspieler geworden.

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Vor einem Jahr hatte er sich mit der U23 des VfL Wolfsburg noch über den verpassten Meistertitel in der Fußball-Regionalliga (die Saison wurde abgebrochen) geärgert - abgehakt. Inzwischen kämpft Anton Stach mit Zweitligist SpVgg Greuther Fürth um den Aufstieg ins deutsche Oberhaus und darf sich U21-Nationalspieler nennen. Was in den vergangenen Monaten im Leben des 22-Jährigen passiert ist, habe er "immer noch nicht realisiert". Doch eines ist für ihn klar: Mit dem Sprung in den Profi-Bereich ist sein Traum in Erfüllung gegangen.

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Dabei hatte es Stach in seiner Anfangszeit bei den Kleeblättern schwer, in den ersten zehn Liga-Partien wurde der Abräumer siebenmal eingewechselt. "Ich habe im Training immer alles gegeben und auf die Chance gewartet", erzählt Stach. Und diese Chance kam. Beim 3:0-Sieg beim SV Sandhausen stand der gebürtige Buchholzer zum ersten Mal als Profi in der Startelf. "Ich habe die Möglichkeit ganz gut genutzt und konnte in den Spielen danach an die Leistung anknüpfen", erinnert sich Stach, der von 2018 bis 2020 für die zweite Mannschaft des VfL aufgelaufen war, aber in beiden Spielzeiten jeweils "nur" 20 Einsätze bekam.

Viele Ex-VfLer in Fürth

Dennoch wagte er im Sommer den Schritt zu den Franken. Bei der Entscheidung und der Eingewöhnung geholfen hat ihm auch die Tatsache, dass die Fürther mit Paul Seguin, Marvin Stefaniak (jetzt Dynamo Dresden) und Paul Jaeckel (wechselt zu Union Berlin) drei Ex-VfLer im Kader hatten. "Das ist echt ein lustiger Zufall, dass so viele Spieler aus Wolfsburg nach Fürth gegangen sind", sagt Stach schmunzelnd. Aber es "hat auf jeden Fall geholfen, um mich zu integrieren". Bei Jaeckel beispielsweise holte er sich Tipps bei der Wohnungssuche. "Aber auch die anderen Jungs haben mich super aufgenommen, wir haben eine tolle Truppe."

Inzwischen ist er angekommen bei der Spielvereinigung, ist unumstrittener Stammspieler - und das i-Tüpfelchen gab's vor ein paar Wochen. "Ich war beim Training und habe danach auf mein Handy geschaut", erinnert sich Stach. "Ich hatte eine Nachricht von einer unbekannten Nummer drauf, in der ich gefragt wurde, wann ich denn mal Zeit hätte zu telefonieren. Und dazu liebe Grüße, Stefan Kuntz." Der U21-Bundestrainer wollte mit dem Ex-Wolfsburger über eine mögliche EM-Nominierung sprechen. "Ich wusste natürlich, wer das ist, und habe mir gedacht, was ist nun passiert", sagt Stach und lacht. "Er hat mich gefragt, wie ich mich sehe und wo meine Stärken liegen. Und er meinte, dass sie mich auf jeden Fall auf dem Schirm haben."

Papa Stach kommentierte Länderspiel-Debüt im TV

Doch es blieb nicht beim "Auf-dem-Schirm-haben". Beim 1:2 gegen Bochum wurde er vom DFB genau beäugt - im richtigen Spiel. Denn das einzige Fürther Tor schoss Stach. Er empfahl sich für die U21, durfte letztlich mit zur EM und feierte beim 1:1 gegen die Niederlande sein Debüt. "Ich habe mich mega gefreut. In dem Moment habe ich mir nicht so viele Gedanken gemacht. Aber die Nationalhymne vor dem Spiel zu singen, war ein sehr spezieller Moment, an den ich mich immer erinnern werde", sagt Stach stolz und hofft nun, auch bei der Endrunde vom 31. Mai bis 6. Juni (es geht gegen Dänemark weiter) dabei zu sein.

Das Niederlande-Spiel war für ihn auch noch aus einem anderen Grund besonders. Papa und TV-Reporter Matthias Stach kommentierte das Spiel seines Sohnes live. "Ich habe das Video mehrmals geschickt bekommen. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich daran denke", verrät der Profi. Sein Vater sagte nämlich bei der Einwechslung seines Sprösslings im Live-Kommentar mit einem Schmunzeln: "Ich könnte jetzt sagen: 'Blamier' mich nicht, Junge.' Mach' ich aber nicht."

Kontakt zum VfL nicht abgerissen

Anton Stach will wieder zur U21 - aber er will auch mit dem Verein etwas Großes erreichen. Punktgleich mit dem Hamburger SV (Platz zwei) sind die Fürther derzeit Dritter, der Aufstieg ist in Reichweite. "Das hat uns vor der Saison wohl keiner zugetraut, aber wenn man so weit ist und oben mithält, möchte man dort auch bleiben", sagt Stach, dessen Kontakt zum VfL nie abgerissen ist. Zwar hat er es aus zeitlichen Gründen und wegen Corona bisher noch nicht geschafft, mal wieder nach Wolfsburg zu kommen ("Ich schaffe es manchmal kaum, meine Familie zu sehen"), aber mit Julian Klamt, Michele Rizzi oder Tim Siersleben schreibt er regelmäßig. Und wenn es irgendwann passt, "will ich gern mal wieder nach Wolfsburg fahren" - vielleicht ja dann als Bundesliga-Profi und U21-Europameister.