14. Juli 2020 / 00:58 Uhr

Wolfsburg-Kapitän Guilavogui: "Wir sollten uns in Deutschland nicht beschweren"

Wolfsburg-Kapitän Guilavogui: "Wir sollten uns in Deutschland nicht beschweren"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Josuha Guilavogui
Kapitän des VfL Wolfsburg: Josuha Guilavogui.
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Josuha Guilavogui - die vergangene Saison in der Fußball-Bundesliga war für den Kapitän des VfL Wolfsburg ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt. Lange ging es für den Franzosen bergauf, aber dann kam die Rückrunde...

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Eigentlich wollte Josuha Guilavogui für ein paar Tage nach Guinea fliegen, um die Kinder, die in seinem Waisenhaus leben, zu besuchen. Aber wegen Corona ist das nicht möglich, was ihn wiederum traurig macht. Im großen SPORTBUZZER-Interview spricht der Kapitän des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg über die vergangene Saison, seine Rolle – und darüber, was in der neuen Runde beim VfL besser werden muss.

Sie wollten in Ihrem Urlaub auch ein paar Tage nach Guinea fliegen, um die Kinder zu besuchen, die in Ihrem Waisenhaus leben…

...ja, aber das geht wegen der Corona-Pandemie leider nicht. Es ist einfach zu gefährlich. Es gibt auch gerade keinen passenden Flug, man wäre fast zwei Tage unterwegs.

Wie können Sie trotzdem helfen?

Ich habe über einen Kontakt in Indonesien über 5000 Masken bestellt. Nicht nur für die Kinder in unserem Waisenhaus, ich habe immer gesagt, dass ich auch anderen Menschen vor Ort helfen möchte.

Wie halten Sie in Zeiten von Corona Kontakt zu den Kindern und Mitarbeitern in Ihrem Waisenhaus?

Über Videotelefonie. Aber zu oft machen wir das nicht, denn die Kinder können noch nicht ganz nachvollziehen, warum ich beispielsweise jetzt nicht kommen kann. Es tut mir weh, dass ich sie in diesem Sommer nicht besuchen kann. Der persönliche Kontakt fehlt einfach. Das macht mich traurig, andererseits weiß ich aber auch, dass die Kinder in guten Händen sind.

VfL-Kapitän Guilavogui besucht Waisenkinder in Guinea

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VfL-Kapitän Guilavogui besucht Waisenkinder in Guinea ©

"Die Hinrunde war gut für mich, die Rückrunde schlecht"

Zurzeit machen Sie ein paar Tage Urlaub mit Ihrer Familie, haben Sie auch schon Zeit gefunden, die vergangene Saison Revue passieren zu lassen?

Ja, das habe ich gemacht. Und ich muss sagen, ich bin persönlich nicht ganz zufrieden damit. Die Hinrunde war gut für mich, die Rückrunde durch meine Verletzung schlecht.

Wie lange haben Sie sich über die nicht gute Rückrunde geärgert?

Als ich noch jünger war, hätte ich das jetzt noch im Kopf. Aber mittlerweile weiß ich, wie Fußball ist, es gibt immer ein Auf und ein Ab. Ich hatte gehofft, dass ich nach meiner Knieverletzung ein bisschen mehr spielen darf, aber der Trainer hat so entschieden und das respektiere ich natürlich auch. Ich werde nach dem Urlaub voll motiviert zurückkommen und angreifen.

Zuletzt waren Sie nicht mehr erste Wahl, der Trainer hat auf Maximilian Arnold und Xaver Schlager im Mittelfeld auf der Doppel-Sechs gesetzt.

Wir haben einen guten Konkurrenzkampf. Und jeder von uns möchte natürlich spielen. Ich bin zwar der Kapitän der Mannschaft, aber ich muss mir meinen Platz genauso erkämpfen wie jeder andere bei uns. Und das werde ich machen.

Der Franzose Josuha Guilavogui begann seine fußballerische Laufbahn in Toulon, wechselte 2005 in die Jugenabteilung des AS Saint-Étienne und wurde ab 2008, mit 18 Jahren, an die Profimannschaft des französischen Erstligisten herangeführt. Unter Trainer Alain Perrin kam er 2009 zwar zu seinem Debüt in der Ligue A, wurde danach allerdings nur noch selten in den Kader berufen. Zur Galerie
Der Franzose Josuha Guilavogui begann seine fußballerische Laufbahn in Toulon, wechselte 2005 in die Jugenabteilung des AS Saint-Étienne und wurde ab 2008, mit 18 Jahren, an die Profimannschaft des französischen Erstligisten herangeführt. Unter Trainer Alain Perrin kam er 2009 zwar zu seinem Debüt in der Ligue A, wurde danach allerdings nur noch selten in den Kader berufen. ©

"Wir werden eine englische Saison haben"

Im September wartet mit Europa-League-Quali, Pokal und Bundesliga-Start ein Mammut-Monat auf Ihre Kollegen und Sie – haben Sie Respekt vor so vielen Spielen innerhalb kürzester Zeit?

Wir werden eine englische Saison haben. Die Spieler aus der Premier League haben ja keine Winterpause, sondern spielen durch. Für uns wird das vielleicht ein bisschen komisch sein, das mal so oder so ähnlich zu erleben. Aber wir sollten uns in Deutschland nicht beschweren. Wir durften trotz Corona früher als die anderen Ligen wieder anfangen zu spielen, haben jetzt drei Wochen Urlaub und können uns nun ein bisschen erholen.

Reicht das, um durch diese harten Wochen zu kommen?

Ich persönlich freue mich auf die vielen Spiele, weil ich drei Monate lang wegen meiner Verletzung nicht habe spielen können. Gleichzeitig verstehe ich aber auch die Spieler, die sagen, dass das sehr anstrengend sein wird. Aber unser Kader ist breit aufgestellt. Wir werden das schaffen.

Mit 49 Punkten ist der VfL Siebter geworden…

...vor einem Jahr waren wir Sechster und waren punktgleich mit dem Tabellenfünften. Für mich ist es kein Rückschritt, wenn ich an unsere vergangene Saison denke, denn in der Bundesliga geht es ganz schnell nach oben, aber ganz schnell auch nach unten. Wir haben das selbst erlebt, waren zweimal in Folge in der Relegation und sind dann in die Gruppenphase der Europa League eingezogen. Und jetzt sind wir Siebter geworden und können die Gruppenphase über die Quali erreichen.

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"Wir müssen in der neuen Saison mehr Tore schießen"

Was muss das Ziel für die neue Saison sein?

Der Abstand als Sechster oder Siebter zum Tabellenfünften war ziemlich groß. Wenn es uns gelingt, wieder in diesen Bereich zu kommen und den Abstand zwischen diesen Plätzen kleiner werden zu lassen, wäre das gut. Wir sollten versuchen, unser Level zu halten oder eben noch besser zu werden. Wie gesagt: In der Bundesliga geht es schnell. Schauen Sie sich Eintracht Frankfurt an. Sie waren im vorletzten Jahr sehr gut unterwegs, sowohl in der Liga als auch in der Europa League. Aber in dieser Saison hatten Sie zwischenzeitlich Probleme.

Was glauben Sie, wer werden die härtesten Konkurrenten im Kampf um diese internationalen Plätze sein?

Frankfurt war am Ende nur knapp hinter uns, Hertha BSC war auch nicht so weit weg, Freiburg war nah an uns dran, Hoffenheim vor uns. Dann vielleicht auch wieder die Bremer, die keiner so weit unten erwartet hatte und die im Jahr davor nur knapp die Europa League verpasst hatten.

Werder ist ein gutes Stichwort im Zusammenhang mit den VfL-Heimspielen. Da hat der VfL nur 19 Punkte geholt – vor allem gegen Klubs von unten konnte nicht gewonnen werden.

Ich finde, unser Spiel gegen den Ball ist besser geworden, aber wir müssen in der neuen Saison mehr Tore schießen. Vor allem zu Hause. In der Rückrunde haben wir in der Liga nur ein Heimspiel gewonnen – das war gegen Mainz. Das ist zu wenig, ganz klar. Gegen Paderborn, Bremen, Augsburg, Düsseldorf oder Freiburg haben wir entweder verloren oder Unentschieden gespielt. Das sind am Ende die Punkte, die uns in diesem Jahr gefehlt haben, um den Abstand zu Platz fünf kleiner halten zu können.