25. Juni 2021 / 21:35 Uhr

EM: Alle sechs Wolfsburger im Achtelfinale - aber spielt nur einer?

EM: Alle sechs Wolfsburger im Achtelfinale - aber spielt nur einer?

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wolfsburger im EM-Achtelfinale: Brekalo, Weghorst, Mbabu, Mehmedi, Schlager und Pervan (v. l.).
Wolfsburger im EM-Achtelfinale: Brekalo, Weghorst, Mbabu, Mehmedi, Schlager und Pervan (v. l.). © AP / Imagi Images
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Sechs Profis des VfL Wolfsburg sind mit ihren Nationalmannschaften bei der EM im Einsatz - und alle Spieler des Fußball-Bundesligisten haben mit ihren Teams den Sprung ins Achtelfinale geschafft. Einen Stammplatz hat nur einer von ihnen.

Wout Weghorst, Josip Brekalo, Xaver Schlager, Pervao Pervan, Kevin Mbabu und Admir Mehmedi – sechs VfL-Profis sind derzeit mit ihren Nationalmannschaften bei der Europameisterschaft im Einsatz und haben die Vorrunde mit ihren Teams überstanden. Das Sextett steht im EM-Achtelfinale. Und da warten zum Teil unangenehme Aufgaben auf die Spieler des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten.

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Mit sechs EM-Fahrern stellt der VfL zusammen mit Eintracht Frankfurt ligaweit die viertmeisten Turnier-Teilnehmer. Nur Bayern München, RB Leipzig und Borussia Dortmund haben mehr Akteure dabei. Von den insgesamt 93 Profis aus der Bundesliga und der 2. Liga sind noch 79 nach der Vorrunden im Turnier.

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Direkte Duelle zwischen den Wolfsburgern gibt es im Achtelfinale nicht – es könnten also alle sechs auch im Viertelfinale stehen. Was man beim VfL mit gemischten Gefühlen sieht. „Natürlich wünschen wir uns sportlichen Erfolg für unsere Spieler“, so Manager Jörg Schmadtke. Allerdings fehlt jeder Profi, der bei der EM weit kommt, länger in der Saisonvorbereitung. „Und das ist dann wieder weniger gut.“ Immerhin: Spätestens im Viertelfinale ist für mindestens einen VfLer Schluss – denn dort würde die Schweiz auf Kroatien treffen.


Österreich
Das VfL-Duo Xaver Schlager und Pavao Pervan hat mit dem Team Österreichs Historisches geschafft: Zum ersten Mal seit 1954 (Niederlage im WM-Halbfinale gegen Deutschland) bestreitet die ÖFB-Auswahl wieder ein K.o.-Spiel bei einem großen Turnier. Achtelfinal-Gegner am Samstag (21 Uhr) in London ist Italien. Schlager und Co. sind krasser Außenseiter, aber der Mittelfeldmann des VfL Wolfsburg gibt sich gewohnt kämpferisch: „Das ist noch nicht das Ende. Wir sind jetzt im Turnier in einer K.o.-Phase.“

Schlager hat als einziger VfLer seinen Stammplatz sicher, stand in der Vorrunde immer in der Startelf, wurde lediglich beim 0:2 gegen die Niederlande kurz vor Schluss ausgewechselt. Gegen Nordmazedonien (3:1) und die Ukraine (1:0) spielte er jeweils durch, überzeugte als gewohnt laufstarker Balljäger - egal, ob das Leipzig-Duo Konrad Laimer und Marcel Sabitzer oder der Hoffenheimer Florian Grillitsch an seiner Seite agierte.

Pavao Pervan saß dagegen bisher nur auf der Bank - den lange offenen Kampf um den Platz im Tor hat Daniel Bachmann vom FC Watford für sich entschieden. Doch auch auf der Bank strahlt der Routinier Optimismus aus - selbst wenn die Azurri als ein übermächtiger Gegner erscheinen. „Wir haben eine gute Truppe und können auch so einen Gegner überraschen“, so der Keeper. „Wir sind heiß auf mehr - wir wollen, dass unsere Geschichte bei der EM weitergeht!“

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Niederlande
Erste EM-Nominierung mit 28 Jahren, Startelf-Einsatz beim Auftakt-Match: VfL-Stürmer Wout Weghorst erlebt in diesen Tagen Großartiges. Nun findet sich der Wolfsburger im Achtelfinale gegen Tschechien (Sonntag, 18 Uhr) wieder.

Beim Vorrunden-3:2 gegen die Ukraine traf Weghorst zum 2:0, das bisher einzige VfL-Tor dieser EM. Kurz vor Schluss wurde er ausgewechselt. Beim 2:0 gegen Österreich spielte Weghorst dann knapp eine Stunde, beim 3:0 gegen Nordmazedonien kam er nur von der Bank.

Die Konkurrenzsituation für den VfLer hat sich geändert. Luuk de Jong (FC Sevilla), der als Weghorst-Rivale für den Platz in der Sturmmitte galt, musste wegen einer Knieverletzung abreisen. Dafür rückte Donyell Malen (Eindhoven) in den Blickpunkt, zeigte sich im für Oranje ungewohnten 3-5-2-System als gute Ergänzung für Offensivstar Memphis Depay (wechselt von Lyon zum FC Barcelona). Bondscoach Frank de Boer jedenfalls lobte: „Es besteht eine gute Verbindung zwischen den beiden.“ Heißt: Weghorst wird wohl mit der Joker-Rolle leben müssen.

Kroatien
Für den Sprung ins Achtelfinale war ein Umbau nötig. Beim 3:1-Sieg der Kroaten in Glasgow gegen Schottland saßen mit Ante Rebic, Andrej Kramaric, Josip Brekalo und Sime Vrsaljko gleich vier Spieler auf der Bank des Vizeweltmeisters, die viele Fans lieber in der ersten Elf gesehen hätten. Doch das Ergebnis gab Trainer Zlatko Dalic Recht. Und VfL-Dribbler Brekalo gehört nun zu den Spielern, deren Stammplatz-Aussichten eher zweifelhaft sind.

Beim 0:1 gegen England wurde Brekalo nach 70 Minuten eingewechselt, beim 1:1 gegen Tschechien musste er zur Pause raus, in Schottland blieb er auf der Bank. Eine enttäuschende Bilanz für den 23-Jährigen, der sich bei der EM auch ins Schaufenster für interessierte Klubs stellen wollte.

Am Montag (18 Uhr) steht nun in Kopenhagen das Achtelfinale gegen Spanien an, und es spricht wenig für Brekalos Startelf-Rückkehr. Am Ex-VfLer Ivan Perisic ist ohnehin kein Vorbeikommen, für die zweite Position auf den Offensivflügeln hat sich Nikola Vlasic (ZSKA Moskau) mit dem Führungstreffer gegen die Schotten nachhaltig empfohlen.

Schweiz
Die schweizerische Nationalmannschaft hat es wieder geschafft: Zum zweiten Mal in Folge stehen die Eidgenossen in einem EM-Achtelfinale – zuvor war bei drei Turnier-Teilnahmen jeweils in der Vorrunde Schluss gewesen. Doch die nächste Aufgabe wird für die VfLer Kevin Mbabu, Admir Mehmedi und Co. alles andere als leicht, am Montag (21 Uhr) wartet Weltmeister Frankreich.

Für die beiden Wolfsburger lief das Turnier bisher unterschiedlich gut. Beim Auftakt-1:1 gegen Wales hatte Mbabu in der Startelf der Schweiz gestanden, machte einen guten Job, wie auch Schmadtke befand: „Kevin war sehr aktiv. Er hatte auf seiner Seite viele Aktionen. Er hat es in meinen Augen gut gemacht.“ Doch in der Folge blieb der Rechtsverteidiger eher blass. Beim 0:3 gegen Italien hatte Mbabu einige Probleme auf seiner Seite, musste nach einer Stunde runter. Beim 3:1 gegen die Türkei, das das Weiterkommen sicherte, bekam Silvan Widmer (FC Basel) den Vorzug vor Mbabu. Der VfLer kam in der Nachspielzeit rein.

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Deutlich enttäuschender Verlief die EM bisher für Mehmedi. In den ersten beiden Partien war er nur Zuschauer, gegen die Türken durfte der Spielmacher lediglich vier Minuten ran. Dass der 30-Jährige gegen Frankreich mehr Einsatzzeit bekommt, ist eher unwahrscheinlich. Besser sieht’s bei Mbabu aus, der mit seiner Schnelligkeit Kylian Mbappé und Co. Paroli bieten kann.