15. Februar 2020 / 20:31 Uhr

VfB Lübeck mit Licht und Schatten

VfB Lübeck mit Licht und Schatten

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Der VfB Lübeck um Ryan Malone und Co. hat sich gegen den FC St. Pauli II nach ungefähr einer Stunde zu weit in die Defensive drängen lassen.
Der VfB Lübeck um Ryan Malone und Co. hat sich gegen den FC St. Pauli II nach ungefähr einer Stunde zu weit in die Defensive drängen lassen. © Agentur 54°
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Nach guter erster Hälfte wurde der FC St. Pauli II trotz Unterzahl stark gemacht - Neuzugänge Elsamed Ramaj und Morten Rüdiger zeigen positive Ansätze.

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Um 22 Uhr war der Mannschaftsbus wieder an der Lohmühle angekommen. Im Gepäck hatte der VfB Lübeck drei Punkte. Mit dem verdienten 2:1-Auswärtssieg beim FC St. Pauli II in Norderstedt feierten die Grün-Weißen einen erfolgreichen Rückrundenauftakt und können als ärgster Verfolger von Spitzenreiter VfB Wolfsburg II (beide Teams trennen nur einen Punkt) weiter vom Aufstieg in die 3. Liga träumen.

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VfB Lübeck geht in den letzten 30 Minuten die Souveränität ab

Bevor Trainer Rolf Landerl seine Burschen in den trainingsfreien Sonntag schicke, wurde das Nachholspiel am Samstag in der Vormittagseinheit aufgearbeitet und analysiert. Schon an der Ochsenzoller Straße waren sich alle Beteiligten einig, dass die erste Stunde richtig gut war und dass man die restlichen 30 Minuten souveräner gestalten hätte müssen. Landerl hob in erster Linie das Ergebnis und „eine über weite Strecken konzentrierte Leistung“ hervor. Das sei das wichtigste gewesen. „Das erste Spiel nach der Winterpause ist immer ein bisschen speziell“, betonte der Österreicher.

FC St. Pauli II kam in Unterzahl zurück

Nach der souveränen 2:0-Halbzeitführung durch Treffer von Powermann Yannick Deichmann und Kapitän Daniel Halke haben sich die Gäste im zweiten Durchgang zu weit fallen gelassen. Die Zweikämpfe wurden nicht mehr konsequent angenommen. Auch das Spiel nach vorne stockte. Möglicherweise waren sich Halke & Co. zu sicher ob der komfortablen Führung und der Tatsache, dass sie in der letzten Viertelstunde in Überzahl durch den Platzverweis für St. Pauli II spielten. Gegen einen anderen Gegner hätte sich das vielleicht gerächt. „Ich mache da kein großes Tamtam. Wir haben uns zurückgezogen und waren zu passiv. Das war eine Kettenreaktion“, resümierte Landerl. „Wir haben nicht mehr den letzten Schritt gemacht.“ Das Überzahlspiel und die Konter (die bis zur Pause noch perfekt klappten) wurden nicht gut ausgespielt. Machen die Lübecker vorzeitig das 3:0, ist dagegen Ruhe im Schacht.

Kein Vorwurf an Keeper Lukas Raeder

Somit wurden die Kiezkicker unnötig am Leben gelassen. Das späte Gegentor durch den Ur-VfBer Cemal Sezer in der Nachspielzeit sei total unnötig gewesen, monierte Landerl. Das sei ein Geschenk gewesen. Sezer traf mit einem frechen Freistoß von der linken Außenlinie – der Ball sprang direkt vom Innenpfosten ins Tor. Bei der späteren Videoanalyse konnte man sehen, dass VfB-Torwart Lukas Raeder die Hände wegzog. Einen Vorwurf wollte Landerl seiner Nummer eins aber nicht machen. „Lukas war sich sicher, dass der Ball vorbeigeht“, sagte der Coach und verwies stattdessen darauf, dass Raeder kurz zuvor stark im Eins gegen Eins gegen Christian Stark gerettet hatte. Raeder zeigte in der Tat eine ansonsten eine fehlerfreie Leistung.

Rolf Landerl ist bei Hansa Rostock-Leihgabe Elsamed Ramaj optimistisch

Zufrieden zeigte sich Landerl mit den beiden Debütanten. Während Stürmer Elsamed Ramaj in der Startformation stand und 60 Minuten sein Potential andeutete, durfte Rückkehrer Morten Rüdiger in den letzten 12 Minuten ran. „Er hat einen Rieseneinsatz mit einem unglaublichen Laufpensum gezeigt“, lobte der Trainer die Leihgabe aus Rostock. „Elsamed tut der Mannschaft gut. Was das Spiel nach vorne betrifft, muss er sich noch an unsere Automatiken gewöhnen. Das ist aber nur eine Frage der Zeit.“ Ramaj machte später Platz für Fabio Parduhn. „Er hat eine gute Vorbereitung gehabt. Wir wollten einen neuen Impuls geben und unser Angriffsspiel beleben“, erklärte Landerl. Über Rüdiger (kam für Patrick Hobsch) sagte er: „Morten hat einen großen Einsatz gezeigt, seine Rolle gut angenommen und muss sich reinbeißen. Von Woche zu Woche.“

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Morten Rüdiger wohnt momentan bei seinen Eltern in Eichholz

Der 24-Jährige ging auf die linke Mittelfeldseite und Ahmet Arslan dafür ins Sturmzentrum neben Parduhn. Rüdiger selbst war zufrieden mit seinem Einstand. „Endlich mal wieder Fußball gespielt. Es war schön, dass VfB-Trikot wieder zu tragen“, strahlte er nach dem Spiel. „Ich habe alles reingehauen, um den Sieg fürs Team nach Hause zu fahren.“ Nachdem der Wechsel von RW Erfurt zurück in die Hansestadt recht schnell ging, wohnt der Linksaußen übergangsweise zu Hause bei seinen Eltern in Lübeck-Eichholz. Noch hat er eine Wohnung in Erfurt, wo auch noch Freundin Vanessa (Die Physiotherapeutin macht zurzeit eine Fortbildung, Manuelle Therapie) lebt. Spätestens im Sommer soll sie aber nach Lübeck nachkommen.

Fällt Abwehrspieler Tim Weißmann doch länger aus?

Florian Riedel nimmt es hier mit Marc Hornschuh und Seungwon Lee auf. Zur Galerie
Florian Riedel nimmt es hier mit Marc Hornschuh und Seungwon Lee auf. ©

Mortens Blick richtet sich unterdessen auf das erste Heimspiel in 2020 am kommenden Sonnabend (22. Februar) gegen Holstein Kiel II. „Auf dieses Spiel freue ich mich richtig drauf. Das waren früher schon geile und heiße Duelle. Die Hütte wird brennen. Dafür spielt man Fußball“, sagte er. Für Tim Weißmann dürfte das Landesderby zu früh kommen. Der Stammverteidiger ist zurzeit das einzige Sorgenkind des VfB, nachdem er sich im Trainingslager in Spanien am Knie verletzt hatte. „Wir waren erst davon ausgegangen, dass er nur paar Tage aussetzen muss. Zumal er auch schon wieder trainieren konnte“, berichtet Landerl. Doch eine MRT-Untersuchung hat einen Bluterguss im Knie festgestellt. „Whity“ trägt eine Schiene. „Wir hoffen, dass er so schnell wie möglich wieder einsatzbereit ist“, so der Coach und will am Montag (trainiert wird um 15 Uhr) entscheiden, ob es Sinn macht, ihn für das brisante Holstein-Derby aufzubauen.