09. April 2020 / 20:38 Uhr

VfB Lübeck in der Warteschleife

VfB Lübeck in der Warteschleife

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
Trainer Rolf Landerl hofft, dass sein erstellter Trainingsplan für die Behörde akzeptabel ist.
Trainer Rolf Landerl hofft, dass sein erstellter Trainingsplan für die Behörde akzeptabel ist. © Agentur 54°
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Noch kein Go vom Amt zum Re-Start des Teamtrainings – Drei Grün-Weiße sitzen im Ausland fest – Keine Gespräche trotz 17 auslaufender Verträge - Runtastic: Ahmet Arslan fitter als ein Turnschuh

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Der Fußball hängt in der Warteschleife – von der Bundesliga bis zur C-Klasse. Und mittendrin die Regionalliga und der VfB Lübeck. Es geht um die tägliche Arbeit, das Training. Es geht um Verträge. Es geht um sportliche Perspektiven. Die Grün-Weißen bemühen sich um Optimismus in schwierigen Zeiten – und bleiben am Ball.

Landerl hat einen Plan, aber das Amt zögert noch

Wie angekündigt hat Vorstand Florian Möller am Mittwoch einen Antrag eingereicht, gemäß der geänderten Landesverordnung für Berufssportler wieder in ein „kontaktarmes“ Mannschaftstraining einsteigen zu dürfen – natürlich unter Beachtung sämtlicher gültigen Hygieneregeln. Als zuständige Behörde wurde in der Verordnung das städtische Gesundheitsamt genannt – der VfB hat den Antrag aber vorsichtshalber auch gleich an die Landesbehörde nach Kiel weitergeleitet. Der VfB bittet um einen „schnellstmöglichen positiven Bescheid“ – Trainer Rolf Landerl hat einen entsprechenden Trainingsplan vorgelegt, der sofort umgesetzt werden könnte.

Matovina von einer Quarantäne in die nächste?

Noch aber halten sich die Spieler individuell fit – und nicht jeder könnte auch umgehend auf der Lohmühle auftauchen. Co-Trainer Luis Diogo Campos zum Beispiel ist in seine Heimat nach Porto zu seiner Familie gereist. Dort hängt er fest, wie er gestern Sportdirektor Rocco Leeser mitteilte – Ausreise unmöglich. Neuzugang Zeki Erkilinc, der Holländer, der sich in der Heimat bei seiner Familie aufhält, könnte zwar versuchen, nach Lübeck zurückzukehren, müsste dann aber für 14 Tage in häusliche Quarantäne, da die Niederlande vom Robert-Koch-Institut als „Risikogebiet“ definiert worden sind. Verzwickt könnte die Sache bei Kresimir Matovina sein. Er war zu Beginn des kompletten Fußballverbots zu seiner Familie nach Kroatien gereist, musste sich dort bei der Ankunft für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben – und fürchtet nun, dass er bei einer Rückkehr nach Lübeck die gleiche Prozedur in der Hansestadt erneut durchlaufen müsste.

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Deichmann kickt mit Deichmann, Arslan läuft allen davon

Die Kollegen, die vor Ort geblieben sind, bemühen sich derweil seit Wochen individuell um ihre Fitness. Vergleichsweise gut hat es da noch Yannick Deichmann getroffen, der im elterlichen Garten kleine Einheiten mit Ball mit seinem Bruder Leon absolvieren kann, der sein Geld bei Regionalliga-Konkurrent VfB Oldenburg verdient. Und mancher beweist einen ganz besonderen Ehrgeiz dieser Tage. Die Aktivitäten von Spielmacher und Goalgetter Ahmet Arslan zum Beispiel sind über die Fitness-App „Runtastic“ einsehbar. Demnach läuft der 26-Jährige täglich seine rund acht Kilometer lange Runde – und er wird immer besser, hat seine Durchschnittszeit pro Kilometer von anfangs 4:30 Minuten auf höchst respektable 4:12 Minuten gedrückt.

Scorerrangliste: VfB Lübeck (2019/2020). Stand: 07. März 2020

Ahmet Arslan: 16 Tore, 3 Vorlagen. Zur Galerie
Ahmet Arslan: 16 Tore, 3 Vorlagen. ©

17 VfB-Profis melden sich beim Arbeitsamt

Dabei bewegt er sich in unsicheren Zeiten. Denn sein Vertrag beim VfB läuft wie der von 16 (!) weiteren grün-weißen Kollegen aus. Alle Verhandlungen sind derzeit auf Eis gelegt, weil niemand weiß, ob und wann die Saison fortgesetzt wird. So waren die VfB-Profis mit Ende Juni ablaufenden Kontrakten jetzt gezwungen, sich fristgerecht beim Arbeitsamt zu melden, wegen einer möglichen Arbeitslosigkeit ab Juli. Zudem ist der Verein mit allen Angestellten auch immer noch in Gesprächen, ob möglicherweise doch noch Kurzarbeit angemeldet werden muss. Leeser: „Das tut uns sehr leid, die Situation ist für die Jungs und für uns alle absolut nicht angenehm.“