09. August 2020 / 23:40 Uhr

Ferrari-Teamchef Binotto reagiert auf Vettel-Kritik: Ex-Weltmeister "macht schwierige Zeit durch"

Ferrari-Teamchef Binotto reagiert auf Vettel-Kritik: Ex-Weltmeister "macht schwierige Zeit durch"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ferrari-Boss Mattia Binotto hat sich über die von seinem Piloten Sebastian Vettel geäußerte Kritik geäußert.
Ferrari-Boss Mattia Binotto hat sich über die von seinem Piloten Sebastian Vettel geäußerte Kritik geäußert. © Getty
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Nach dem neuerlich schwachen Abschieden von Sebastian Vettel liegen die Nerven bei Ferrari zunehmend blank. Die Verbalattacke seines 33-jährigen Piloten wollte Teamchef Mattia Binotto nicht auf sich sitzen lassen. Er kündigte Veränderungen an, damit Vettel ins Vorderfeld zurückkehren kann.

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Nach dem nächsten Fiasko motzte Sebastian Vettel unverhohlen Richtung Ferrari. Ein Dreher in der ersten Kurve, den er selbst verschuldet hatte, und eine verpatzte Reifenstrategie zerstörten das Rennen des viermaligen Formel-1-Weltmeisters. "Wir haben darüber heute Morgen gesprochen. Ich hänge hier fest. Ihr wisst, dass Ihr es verbockt habt", schimpfte der 33-Jährige, nachdem er als Folge seines ersten Boxenstopps im Mittelfeld-Verkehr wieder auf die Strecke zurückkehrte. Nach diesem Stopp sei das Rennen "dann Quark" gewesen, sagte Vettel später. Er wurde beim Sieg von Red-Bull-Pilot Max Verstappen Zwölfter.

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Einen Bruch zwischen Vettel und dem Team sieht Rennstall-Leiter Mattia Binotto nach dem Silverstone-Wirbel allerdings nicht. "Ich glaube nicht, dass Sebastian das Vertrauen in unser Team verloren hat", sagte der 50-Jährige gegenüber Sky. Der viermalige Weltmeister mache "gerade eine schwierige Zeit durch" und habe zuletzt "kein Vertrauen" in sein Auto gehabt. Das hatte Vettel bereits in der vergangenen Woche so zu Protokoll gegeben, als es nach dem Rennen, das Vettel auf dem zehnten Platz beendet hatte, zu einem merkwürdigen Funk-Wechsel zwischen ihm und Binotto gekommen war, in der Vettel den Teamchef eine halbe Minute lang anschwieg. Der Deutsche verlässt den Rennstall am Jahresende nach fünf Jahren.

Für das anstehende Rennen am kommenden Wochenende im spanischen Barcelona gelobte Binotto Besserung. Man werde "alles tun", um Vettel wieder nach vorn zu bringen - zumindest in Sphären, in denen sein Teamkollege Charles Leclerc fährt, der in Silverstone erneut auf einen unter den gegebenen Umständen starken vierten Platz fuhr. Als Möglichkeit nannte Binotto Veränderungen am Auto: "Wenn ein Chassiswechsel Seb Vertrauen schenken kann, dann werden wir es tun."

Sebastian Vettel: Seine Karriere in Bildern

Sebastian Vettel ist einer der größten Fahrer in der Geschichte der Formel 1. Vier Mal wurde der Deutsche, dessen Potenzial früh auch sein Idol Michael Schumacher entdeckte, in seiner Karriere Weltmeister. Er gewann mehr als 50 Rennen und wurde selbst zu einem gefeierten Weltstar, der aber stets bescheiden blieb. Der <b>SPORT</b>BUZZER wirft einen Blick auf Vettels Karriere. Zur Galerie
Sebastian Vettel ist einer der größten Fahrer in der Geschichte der Formel 1. Vier Mal wurde der Deutsche, dessen Potenzial früh auch sein Idol Michael Schumacher entdeckte, in seiner Karriere Weltmeister. Er gewann mehr als 50 Rennen und wurde selbst zu einem gefeierten Weltstar, der aber stets bescheiden blieb. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf Vettels Karriere. ©

Binotto sieht Vettel in der Mitschuld: "Rennen wurde beim Start beeinträchtigt"

Der Teamchef sah Vettel indes nach dessen Dreher in der ersten Kurve in der Mitschuld am schlechten Abschieden in Silverstone. "Sein Rennen wurde beim Start beeinträchtigt. Ich glaube, das war der Knackpunkt, nicht die gewählte Strategie", sagte der in Lausanne geborene Italo-Schweizer, der vor anderthalb Jahren den glücklosen Maurizio Arrivabene ersetzt hatte und seither Chef des Scuderia-Teams ist.

Dass man Vettel zu einem falschen Zeitpunkt in die Box geholt habe, wollte Binotto auch nicht unterschreiben. "Vielleicht haben wir die ideale Entscheidung ein paar Runden vorgezogen, weshalb er eine Position an Räikkönen verloren hat, von der wir aber wussten, dass er sie ohne Zeitverlust wiederkriegen würde." Der Vettel-Stopp habe im Gegenteil vor allem Leclerc geholfen, der zu diesem Zeitpunkt auf seinen Teamkollegen auffuhr. Die Entscheidung habe "Charles ein Comeback ermöglicht", resümierte Binotto.