09. März 2020 / 18:41 Uhr

Radprofi Christoph Pfingsten: Quarantäne in Abu Dhabi, Training in Brandenburg

Radprofi Christoph Pfingsten: Quarantäne in Abu Dhabi, Training in Brandenburg

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Christoph Pfingsten vom Team Jumbo-Visma bei der UAE Tour, die wegen des Coronavirus abgebrochen wurde.
Christoph Pfingsten vom Team Jumbo-Visma bei der UAE Tour, die wegen des Coronavirus abgebrochen wurde. © dpa
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Sein Team Jumbo-Visma hat wegen des Coronavirus auf die Teilnahme an der Fernfahrt Paris - Nizza verzichtet. Der Teltower Christoph Pfingsten hat dafür volles Verständnis, denn der neuartige Virus hat ihn und sein Team schon einmal ausgebremst.

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Radprofi Christoph Pfingsten muss derzeit zu Hause allein auf Brandenburgs Straßen trainieren, statt bei der WorldTour-Rundfahrt Paris – Nizza im großen Peloton zu rollen. Gleich sieben Teams haben als Vorsichtsmaßnahme wegen des sich ausbreitenden Coronavirus die 78. Fernfahrt, die seit Montag auch unter Ausschluss der Zuschauer fortgesetzt wird, abgesagt, darunter Pfingstens neuer Profirennstall Jumbo-Visma aus den Niederlanden.

„Ich akzeptiere diese Entscheidung voll und ganz“, sagt der Teltower. „Im Moment gibt es wichtigere Dinge, als Radrennen zu fahren. Die Gesundheit geht vor. Und wir als Radprofis sind nun mal in aller Welt unterwegs, wären also im Falle eines Falles potenzielle Überträger des Virus überall hin. Dann müssen wir eben mal eine Zeit lang aussetzen.“

Tagelang im Hotel eingesperrt

Pfingsten war selbst einer der Betroffenen, der mit den Folgen der sich ausbreitenden Epidemie klarkommen musste. Er war mit seinem Team bei der UAE-Tour in den Vereinigten Arabischen Emiraten, als die einwöchige Rundfahrt nach fünf Etappen Ende Februar plötzlich abgebrochen wurde. „Wir wurden mitten in der Nacht auf dem Hotelzimmer informiert“, erzählt Pfingsten. Zwei italienische Mitglieder eines Teams sollen laut dem italienischen Veranstalter positiv auf das neuartige Virus getestet worden sein. Daraufhin musste sich der ganze Tour-Tross, etwa 600 Leute, einem Test unterziehen. „Der Abstrich, der in der Nase vorgenommen wurde, fiel bei mir negativ aus“, sagt Pfingsten, der nach acht Stunden Gewissheit hatte. Nach drei Tagen im Hotelzimmer in der 7. Etage – die 4. Etage, wo die Verdachtsfälle aufgetreten waren, wurde komplett isoliert –, konnte seine Mannschaft wieder nach Hause fliegen. Im Nachhinein wurde aber bei sechs Personen eine Covid-19-Erkrankung festgestellt. Einige Teams waren auch noch bis zum Wochenende in Abu Dhabi unter Quarantäne, darunter das Team Cofidis aus Frankreich. „Wir werden gegen unseren Willen festgehalten. Wenn wir jemanden aus dem Hotel auf dem Flur treffen, rennt er weg. Wir werden wie Pestopfer behandelt“, teilte Cofidis-Teamchef Thierry Vittu mit.

Hoffen auf Besserung im April

Top-Veranstaltungen wie Strade Bianche, Tirreno – Adriatico und auch Mailand – Sanremo wurden in Italien bereits abgesagt. Den ersten Frühjahrs-Klassiker, die Primavera nach Sanremo, hatte auch Pfingsten im Rennprogramm, der hofft, dass das Rennen im Oktober nachgeholt wird. Der 32-Jährige setzt nun auf Rennen in Belgien und Holland. Später im April hat Allrounder Pfingsten, der sich zuletzt das Hotelzimmer mit Teamkollege Tony Martin teilte und bereits mit Erfolg den Sprintzug für seinen Kapitän Dylan Groenewegen angefahren ist, die Klassiker wie Paris – Roubaix oder Flandern-Rundfahrt im Blick. Er sagt: „Natürlich meide ich im Moment größere Menschenansammlungen.“ So trainiert er weiter allein auf Brandenburgs Straßen.