23. November 2020 / 22:01 Uhr

U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz erklärt: "Aus diesem Grund unterhalten sich Jogi und ich nicht mehr"

U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz erklärt: "Aus diesem Grund unterhalten sich Jogi und ich nicht mehr"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joachim Löw and Stefan Kuntz reden nicht mehr allzu häufig über Abstellungen von jungen Spieler zur A-Nationalmannschaft.
Joachim Löw and Stefan Kuntz reden nicht mehr allzu häufig über Abstellungen von jungen Spieler zur A-Nationalmannschaft. © imago images/Insidefoto
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Der deutsche Nachwuchs befindet sich laut U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz in einer Krise. Zu wenige Talente kommen nach - und zu wenige sind für die A-Nationalmannschaft interessant. Gespräche mit Bundestrainer Joachim Löw würde es deshalb kaum noch geben.

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2017 war ein überaus erfolgreiches Jahr für den deutschen Fußball: So gewann die A-Nationalmannschaft des DFB das letztmalig ausgetragene WM-Vorbereitungsturnier, den "Confederations Cup" in Russland - und fast gleichzeitig sicherte sich auch die U21-Nationalmannschaft einen wichtigen Titel: Die von U21-Nationalcoach Stefan Kuntz trainierten Junioren entschieden das Finale der U21-EM gegen Spanien für sich und wurden Europameister. Ob es bald wieder zu einem solchen Erfolg kommt? Kuntz ist skeptisch, wie er im Podcast Kicker meets DAZN durchblicken ließ. Wenn man beispielsweise die Einsatzzeiten der für die U21 spielberechtigten Profis in Europas Topligen vergleiche, dann sei der DFB aktuell "komplett im Hintertreffen", analysierte Kuntz. "Wir sind so was von abgeschlagen."

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Ein weiteres Indiz, dass die Talente-Lage in Deutschland derzeit alles andere als gut ist, sieht Kuntz in der ausbleibenden Kommunikation mit dem Bundestrainer der A-Nationalmannschaft, Joachim Löw. "Als ich 2017 zur Europameisterschaft der U 21 gefahren bin, habe ich mich mit Jogi Löw abstimmen müssen, und letztlich sind zehn oder zwölf Spieler, die noch U21 hätten spielen können, zum Confed Cup gefahren oder waren verletzt", sagte der ehemalige Top-Stürmer. Vor der U21-EM 2019 habe sich Kuntz mit Löw nur noch über die Abstellungen von Lukas Klostermann und Jonathan Tah unterhalten müssen - und nun? "Jetzt aktuell ist es gar nicht mehr der Fall. Aus diesem Grund unterhalten sich der Jogi und ich nicht mehr, weil die Masse an Toptalenten nicht da ist", zeigte sich Kuntz, der mit seiner Mannschaft die Qualifikation für die U21-EM 2021 im letzten Gruppenspiel perfekt gemacht hat, besorgt.

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Am Sonntag hatte Ex-Nationalspieler Benedikt Höwedes Kuntz als möglichen Nachfolger von Löw, dessen Job als Nationalcoach nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien mehr denn je in Gefahr ist, ins Gespräch gebracht: "Ich würde mir wünschen und glaube, dass es Stefan Kuntz machen wird", sagte der Weltmeister von 2014 bei Sky. "Er kennt die ganzen jungen Spieler, die gerade hochrutschen, ist Teil des DFB, weiß um die Strukturen und hält super Ansprachen vor der Mannschaft."

Mit dem aktuell in der Kritik stehenden Löw tausche sich Kuntz laut eigener Aussage nicht aus: "Der Jogi ist seit 14 Jahren Bundestrainer und hat in jedem Turnier Halbfinale oder Finale (außer bei der WM 2018; d. Red.) erreicht. Angenommen also es wäre so: Was soll ich denn sagen? 'Ich hatte das auch schon mal, damals habe ich so und so reagiert'?", fragte der U21-Verantwortliche. Löw und er würden sich "kollegial" verstehen, "aber ich denke, dass Jogi schon ein paar Leute um sich herum hat, mit denen er da ernsthaft im Austausch ist und die ihm näher stehen als ich zum Beispiel".