09. März 2020 / 14:05 Uhr

Stabile Dreiecksbeziehung in der 96-Defensive: Hübers, Elez und Anton blühen auf

Stabile Dreiecksbeziehung in der 96-Defensive: Hübers, Elez und Anton blühen auf

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Rückkehrer Timo Hübers, Aufbauspieler Josip Elez und Balldieb Waldemar Anton sind das Dreieck, was die Defensive von Hannover 96 belebt. Kenan Kocak ist auf bestem Wege, die Roten zum Klassenerhalt zu führen.
Rückkehrer Timo Hübers, Aufbauspieler Josip Elez und Balldieb Waldemar Anton sind das Dreieck, was die Defensive von Hannover 96 belebt. Kenan Kocak ist auf bestem Wege, die Roten zum Klassenerhalt zu führen. © imago/Zink/Petrow/Montage Behrens
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Ein Dreieck, das Stabilität bringt: Die Defensive um das Innenverteidiger-Duo Timo Hübers und Josip Elez harmoniert mit Sechser Waldemar Anton. Das Trio bringt verschiedene Stärken mit, die Hannover 96 mehr Zählbares bescheren. Dank des korrigierten Punkteschnitts ist 96-Profichef Martin Kind davon überzeugt, dass die Mannschaft nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben wird. 

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Schwierig zu sagen, welchen Fakt man nach dem 3:0 in Nürnberg am deutlichsten markieren sollte bei Hannover 96. Auf den ersten Blick bietet sich natürlich der gewaltige Schritt in der Tabelle an. Martin Kind versicherte gestern sogar: „Wir werden mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben.“ Zu dieser These kam Kind nicht allein wegen des deutlichen Resultats in Nürnberg. Er sieht vielmehr die offensichtliche positive Entwicklung, die diese 96-Mannschaft unter Trainer Kenan Kocak nahm. Es hat etwas gedauert, aber nun ist vieles zusammengewachsen.

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Ron-Robert Zieler - Durchschnittsnote: 2,5. Zur Galerie
Ron-Robert Zieler - Durchschnittsnote: 2,5. ©

Maina blüht - und freut sich für Zieler

Der Punkteschnitt unter Kocak (1,5) verweist auf eine ordentliche Mittelfeldmannschaft der 2. Liga, nicht mehr auf einen Abstiegskandidaten. Einzelne Spieler blühen regelrecht auf unter ihm, wie Linton Maina. Es verrät einiges, wenn Maina nach seinem eigenen Glanztag an einen Spieler dachte, der zuletzt eher im Schatten der Kritik stand. „Ich freue mich für Ron“, sagt Maina ungefragt an die Adresse des Torhüters Zieler. „Wir haben zu null gespielt – für ihn.“

Der fehlerfreie Zieler bekam tatsächlich wenig zu tun, was wiederum an der Arbeit des neuen Defensivdreiecks liegt, das vor dem Torwart aufräumt: Josip Elez, Timo Hübers und Waldemar Anton.

Raumdeuter Anton und Aufbauspieler Elez

Anton tobt sich im Mittelfeld vor den beiden Innenverteidigern aus, seit Wochen mit raumgreifenden Momenten im eigenen Ballbesitz und übergriffigem Zupacken bei der Balleroberung. Elez entpuppt sich parallel dazu als jener ballsichere Aufbauspieler, den sich 96 bei seiner Verpflichtung vor zwei Jahren erhofft hatte.

Kocak fand Elez in Nürnberg „gut, aber er kann es noch besser“. Kopfbälle, Sprintduelle – das sind nach wie vor keine Stärken des Kroaten, wie das Spiel gegen Kiel zeigte. Elez ist noch die wackeligste Kante in der defensiven Dreiecksbeziehung.

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Hübers Plan geht auf

Hübers stabilisiert die Defensive hingegen wie ein mehrere Millionen Euro schwerer Neuzugang. Das 1:0 köpfte er in Nürnberg selbst, sein erstes Profitor übrigens. Dazu hält der 23-Jährige die Abwehr zusammen. Der Lindener habe vorher „lange genug Zeit gehabt, mir in der Reha einen Plan zu schmieden“, sagte er und lachte. „Aber dass es so gut läuft, das hätte ich mir auch nicht erträumt.“

Anerkennung für das Eigengewächs

„Puh!“, Kenan Kocak atmete respektvoll aus, als er auf Hübers’ Leistung angesprochen wurde. „Er hat ja ein paarmal schon gut gespielt, nun sein erstes Tor als Profi, das freut mich einfach für ihn, auch nach der langen Verletzung.“ Der Treffer nach einem Eckstoß von Dominik Kaiser „ist auch sehr gut für die Mannschaft“, erklärte Kocak, „das gibt uns das Selbstvertrauen, und wir wissen, das können wir.“ Wissen, was man kann, vertrauen in das, was ein Cheftrainer vorgibt – das sind die positiven Effekte, wenn etwas gelingt.

Kocak baute im Mittelfeld, Angriff und in der Hierarchie um, mit Dominik Kaiser als neuem Anführer mit Kapitänsbinde. Der Trainer will „flexibel“ bleiben in der Systematik, aber streng in seinen Prinzipien. Spieler wie Marvin Ducksch oder Florent Muslija bekamen zu spüren, was blüht, wenn jemand die Regeln bricht.

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In den letzten Minuten klingelt es in dieser Saison auffällig oft bei Hannover 96 - meist im eigenen Kasten. ©

Kocak muss Maina triezen

Jeder Trainer bringt seine eigene Spezialität mit. Bei Mirko Slomka war es in erfolgreichen Zeiten stets die Ausstrahlung gewesen, die er aber in dieser Saison von seiner Mannschaft nicht mehr reflektiert bekam. Und was hat Kocak mit der einst so blassen Mannschaft gemacht? „Er lässt uns viel laufen“, sagt Maina amüsiert. Kocak macht gerade den frechen Maina gerne zum Coaching-Opfer. „Dem Linton muss man sagen, dass er immer wieder mitmachen muss, immer wieder“, verrät Kocak.

Maina helfen die Ansagen des Trainers ganz offensichtlich: „Er hat uns gezeigt, worauf es ankommt in der Liga, 90 Prozent reichen nicht, es müssen 100 sein in jedem Zweikampf.“ Zu 100-prozentiger Sicherheit lässt sich streng genommen noch nicht sagen, dass 96 die Klasse halten wird. Aber nach Lage der Dinge wird Kocak diese Mission relativ sehr bald erfüllt haben.

Sportredaktion Hannover