28. Mai 2020 / 20:43 Uhr

Spielausschussleiter Ulf Kuchel hält Erweiterung der Staffelanzahl für denkbar

Spielausschussleiter Ulf Kuchel hält Erweiterung der Staffelanzahl für denkbar

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Ulf Kuchel (l.), ist Spielausschussleiter des Landesfußballverbandes und Staffelleiter der NOFV-Oberliga Nord.
Ulf Kuchel (l.), ist Spielausschussleiter des Landesfußballverbandes und Staffelleiter der NOFV-Oberliga Nord. © Johannes Weber
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Nach den Entscheidung des Landesfußballverbandes geht der Blick vieler Teams schon in Richtung neuer Spielzeit. Ob es Veränderungen in der Ligastruktur geben wird, hängt davon ab, wie viele Mannschaften für die jeweiligen Spielklassen melden.

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Wichtige Beschlüsse hat der Landesfußballverband am Mittwoch verkündet. Keine Meister, ausschließlich Staffelsieger und die Abstiegsregelung für die vorzeitig beendete Saison 2019 außer Kraft gesetzt - das gilt für alle Alters- und Spielklassen. Als Spielausschussleiter des Landesfußballverbandes (LFV) war Ulf Kuchel wesentlich am Prozess der Entscheidungsfindung beteiligt. Im Interview mit dem SPORTBUZZER erklärt er, wie das Prozedere von Beginn an verlief, und äußert sich auch zu möglichen Lösungen für die neue Spielzeit.

War die Zeit in der Coronakrise die Intensivste in ihrer bisherigen Funktionärstätigkeit?
Ulf Kuchel: Nein, nicht wirklich. Neben meinem Amt als LFV-Spielausschussleiter bin ich ja auch noch für den NOFV als Staffelleiter der Oberliga Nord zuständig. Wenn dann der Spielbetrieb aktiv läuft, ist wesentlich mehr los, gerade wenn die Vereine jede Woche mit ihren Anliegen an mich herantreten. Vielen Kollegen von mir ging es da zuletzt nicht anders als den Vereinen. Wenn der Fußballbetrieb ausgesetzt ist, dann wird es etwas ruhiger. Etwas intensiver wird es als Funktionär, wenn man in die finale Phase von Entscheidungsfindungen kommt.

Wie läuft so ein Prozess von Anfang bis zur endgültigen Entscheidung ab?
Zunächst hatten wir den Auftrag, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Diese setzte sich aus meiner Person sowie zwei weiteren Mitgliedern des Spielausschuss des LFV, den sechs Spielausschuss-Vorsitzenden der Kreisfußballverbände, jeweils einem Vertreter des LFV-Jugendausschusses und des gebildeten Krisenstabs sowie Jörg Dräger (Vizepräsident Recht und Satzung beim LFV, d. Red.) zusammen. Gemeinsam haben wir Szenarien erarbeitet, die schon länger in unseren Köpfen herumkreisten. Als Ende April dann feststand, dass sich 81 Prozent der Vereine in unserer Umfrage für ein vorzeitiges Ende der Saison ausgesprochen haben, wurde über die möglichen Szenarien verstärkter nachgedacht und diskutiert.

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Wie ging es dann weiter?
Wir haben dann ein Arbeitspapier entworfen und es in die Diskussionsgrundlage gebracht. Am 15. Mai hatten wir dann eine Telefonkonferenz mit allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe. Dort könnte sich jeder zu den möglichen Szenarien äußern. Die Vorschläge und Anregungen wurden danach eingearbeitet. Am vergangenen Wochenende wurde die Empfehlung der AG-Spielbetrieb dann dem erweiterten Vorstand zur Kenntnis gegeben.

In der Arbeitsgruppe waren zwölf Personen vertreten. Da gab es sicherlich die eine oder andere Meinungsverschiedenheit. Wie verlief die Zusammenarbeit?
Es war ein sehr guter Prozess. Natürlich gab es in der Arbeitsgrupppe auch mal unterschiedliche Meinungen, aber sie alle waren zielführend. Am Ende haben wir über die einzelnen Szenarien abgestimmt und sind zu dem präsentierten Ergebnis gekommen. Trotz sich ständig ändernder äußerer Umstände haben wir im Verband immer eine gesunde Ruhe ausgestrahlt. Ich finde, dass wir als Arbeitsgruppe zusammen mit dem Krisenstab, gute Lösungen gefunden haben.

Das sind die Fußballtabellen in MV nach Quotientenregelung auf Landesebene (Berechnung im Sportbuzzer: Anzahl der Punkte, geteilt durch Anzahl der Spiele, multipliziert mit 100):

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Verbandsliga MV ©

Aufgrund der ausgesetzten Abstiegsregelung haben einige Vereine Angst vor aufgeblähten Staffeln in den beiden Landesligen und vier Landesklassen. Was sagen Sie den Bedenkenträgern?
Bis zum 15. Juni läuft das Meldefenster und erst dann wissen wir, wer vom freiwilligen Abstieg Gebrauch gemacht hat. Daraus ergibt sich, welches Konzept wir für die neue Saison entwickeln können. Dass es eine befürchtete Staffelstärke von 18 Teams geben soll, glaube ich persönlich nicht, dass wir das machen werden. Verbindlich kann man ja auch noch nicht sagen, wann die kommende Spielzeit losgeht. Der 1. September ist momentan nur das gegenwärtig mögliches Datum. Aufgrund politischer Bestimmungen kann sich der Starttermin noch in alle Richtungen verschieben.

Die SG Ludwigslust/Grabow hatte den Vorschlag gemacht, als Übergangslösung zu drei Landesliga- und sechs Landesklasse-Staffeln für die Saison 2020/21 zurückzukehren. Was halten Sie davon?
Nicht nur die SG Ludwigslust/Grabow, sondern auch andere Vereine haben ihre Vorschläge eingereicht. Ich finde es gut, wenn sich die Klubs einbringen wollen. In unsere Entscheidungsfindung haben wir die Vorschläge von Vereinen einfließen lassen. Zur Anregung der SG Ludwigslust/Grabow meine ich, dass es dahingehend Überlegungen geben kann. Es ist denkbar, dass zum Beispiel aus zwei Landesliga-Staffeln drei oder aus vier Landesklasse-Staffeln fünf gemacht werden.

Das sind die Fußballtabellen in MV nach Quotientenregelung auf Kreisebene (Berechnung im Sportbuzzer: Anzahl der Punkte, geteilt durch Anzahl der Spiele, multipliziert mit 100):

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Kreisoberliga Mecklenburgische Seenplatte Staffel I ©

Die Aufspaltung der Ligen würde dann ja auch zu vermehrten Abstieg in der kommenden Saison führen...
81 Prozent der Vereine haben in der Verbandsumfrage für ein vorzeitiges Saison-Aus gestimmt und somit bewusst auch für eine nichtnormale Spielzeit 2020/21, die uns vor der Tür steht. Sollte es eine Strukturveränderung der Ligen kurzzeitig geben, wollen wir dann aber wieder zurück zu unserem jetzigen Modell. Das heißt: eine Verbandsliga, zwei Landesligen und vier Landesklasse-Staffeln, und dann auch jeweils mit 14 Mannschaften in den Staffeln der beiden unteren Landesspielklassen.

Was machen Sie, wenn der mögliche Starttermin 1. September nicht zu halten ist?
Auch dazu gibt es Gedanken, die ich allerdings nicht groß öffentlich nennen will. Unabhängig vom Starttermin wären wir aber bereit, jederzeit eine Lösung zu präsentieren. Wie diese aussehen wird, hängt davon ab, mit wie vielen Mannschaften und Staffeln in den einzelnen Ligen wir in die Spielzeit gehen.

Zum Landespokal: Wann soll es dort eine Entscheidung geben? Orientiert sich der LFV da am DFB?
Hier kann ich nicht viel zu sagen. Wir sind extrem von der Politik der Landesregierung abhängig. Klar ist, solange die Abstandsregel von 1,5 Metern besteht, werden wir nicht spielen können. Da wird es für den Amateurfußball keine Ausnahmen wie im Profifußball geben.

Als Staffelleiter NOFV-Oberliga Nord haben sie eine weitere große Verantwortung. Wann wird es hier zum Ausgang der Liga etwas Konkretes geben?
Es ist entscheidend, was in der 3. Liga und den Regionalligen passiert. Am 05. Juni wird es beim NOFV eine Entscheidung auf der Präsidumssitzung geben.