08. Mai 2020 / 20:32 Uhr

So reagieren die Fußballer auf das Saison-Aus in MV

So reagieren die Fußballer auf das Saison-Aus in MV

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Per Ecke zum Derbyhelden: Ben Sidney Buchholz zeigte, wie es geht (Symbolbild)
Das vorzeitige Ende der laufenden Saison ist beschlossen. Jetzt kommt es drauf an, wie über Auf- und Abstieg entschieden wird. © imago/Philipp Szyza (Symbolbild)
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Die Entscheidung des Landesfußballverbandes, die Spielzeit abzubrechen, hatten die Klubs im Land erwartet. Alles blickt nun auf den 27. Mai

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Rostock. Lange haben die Vereine in MV auf ein klares Zeichen vom Landesfußballverband (LFV) gewartet. Am Donnerstagabend war es dann amtlich. Zusammen mit den sechs Kreisfußballverbänden (KFV) hat der LFV auf einer erweiterten Vorstandssitzung entschieden, die Saison in allen Altersklassen nicht fortzuführen. Mit dem 30. Juni wird die aktuelle Spielzeit, die aufgrund der Coronakrise unterbrochen ist, ohne weitere Partien enden. Ein Entschluss, den die meisten Klubs nicht anders erwartet hatten.

„Einen richtigen Plan B hätte es auch nicht gegeben"

„Es war klar, dass die Saison abgebrochen wird. Einen richtigen Plan B hätte es auch nicht gegeben, darüber war ich mir mit Vertretern anderer Vereine auch einig“, sagt Trainer Roman Maaßen vom FC Insel Usedom. Sein Team hatte als Tabellendritter in der Landesklasse II schon zehn Punkte Rückstand auf Ligakrösus TSV Friedland. Dennoch hofften die FCU-Kicker, mit zwei Siegen in zwei noch ausstehenden Nachholspielen näher an die Spitze heranzurücken und im Aufstiegsrennen eventuell noch ein Wörtchen mitzureden.

Ungeachtet von Rechenspielchen nahm Trainer Heinz Dahms vom Konkurrenten aus Friedland das vorzeitige Saisonende mit gemischten Gefühlen auf. „Schade, aber verständlich. Wir wollten unseren ersten Platz bis zum Ende sportlich verteidigen.“

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Dass die Entscheidung keine große Überraschung mehr war, lag am klaren Votum der Vereine in der LFV-Umfrage. 81 Prozent von ihnen hatten sich dafür ausgesprochen, die Spielzeit auslaufen zu lassen und nicht im September fortzusetzen, wie es die zweite Option vorsah. Die Umfrage-Beteiligung lag bei 72 Prozent. LFV-Präsident Joachim Masuch hob hervor, dass „im Sinne des deutlichen Votums der Vereine“ entschieden wurde.

Tag der Entscheidung am 27. Mai

Noch nicht klar ist, wie die Frage von Auf- und Abstieg in den einzelnen Spielklassen geklärt wird. Darüber soll am 27. Mai entschieden werden. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des LFV-Spielausschussvorsitzenden Ulf Kuchel wird mehrere Szenarien erarbeiten. Eine komplette Annullierung dieser Saison wird es laut Landesverband nicht geben.

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Malchows Torjäger Tobias Täge bei einer Trinkpause. Zur Galerie
Malchows Torjäger Tobias Täge bei einer Trinkpause. ©

Dass die Option, die Resultate der Spielzeit 2019/20 für nichtig zu erklären, ausgeschlossen wird, kritisiert Dennis Ulbricht. Der Coach vom Landesklasse-Klub SV Barth meint: „Bislang konnte mir keiner plausibel sagen, warum eine Annullierung nicht Sinn machen könnte.“

Eine Katastrophe hätte eine Annullierung für den FC Schönberg bedeutet. Die Nordwestmecklenburger führen mit 14 Punkten Vorsprung unangefochten die Tabelle der Landesliga West an. Vereinschef Wilfried Rohloff spricht sich dafür aus, dass es jeweils Auf- und Absteiger in den Spielklassen geben soll: „Vielleicht passiert es ja, dass sich die Abstiegsfrage von selbst regelt. Immerhin gab es in den vergangenen Jahren immer wieder mal Teams, die noch zurückzogen haben.“

FSV Malchin bleibt gelassen

Der 65-Jährige betont ebenso wie Trainer Markus Budniak vom FSV Malchin, dass es „keine gerechte Lösung“ für alle Vereine gibt. „Wir werden sehr entspannt zur endgültigen Entscheidungsfindung blicken“, erzählt Budniak trotz des spannenden Titelrennens seines Teams in der Landesliga Ost. Gleich mehrere Mannschaften sitzen den Malchinern, die ganz vorn liegen, dicht im Nacken.

Ebenfalls packend ist die Situation für Ligakonkurrent FSV Blau-Weiß Greifswald. Die Boddenstädter liegen auf dem ersten Abstiegsplatz. Für Coach Andreas Reiter wäre es die einfachste Lösung, die Hinserie zu werten. „Alle Teams hätten die gleiche Anzahl an Spielen. So oder so: Wir müssen die Entscheidung akzeptieren, wie sie kommt“, sagt Reiter. Er hatte mit den Greifswaldern am Hinrundenende noch auf einem Nichtabstiegsplatz gestanden.

Chancen auf den Klassenverbleib hatte auch der FSV Testorf Upahl in der Landesklasse IV. Die Elf von Trainer Sven Begunk hatte vier Zähler Rückstand zum rettenden Ufer und wollte sich in den verbleibenden zwölf Partien noch aus der Abstiegszone herauskämpfen. FSV-Chef Heiko Damrau ist dafür, dass es Aufsteiger geben soll. Bei der Abstiegsfrage meint er, wird es schwierig werden, eine gerechte Entscheidung zu fällen. „Es natürlich sehr unglücklich, dass diese Umstände im Jahr einer Spielklassenreform mit mehr Absteigern als gewöhnlich eintreten", so Damrau.

Frühester Starttermin am 1. September

Wie er blicken nun viele Vereine gespannt auf den 27. Mai. Für einige Teams heißt es, trotz der noch ungewissen Ligazugehörigkeit auch die kommende Spielzeit zu planen. Da Großveranstaltungen bundesweit bis 31. August verboten sind, könnte die Saison 2020/21 frühestens am 1. September losgehen. Aufgrund gesundheitlicher und politischer Verfügungen könnte sich der Start allerdings auch noch weiter nach hinten verschieben.