21. April 2021 / 12:27 Uhr

Selbsterfahrung: Frieder Uflacker läuft die kurze Radstrecke der Tour d’Energie

Selbsterfahrung: Frieder Uflacker läuft die kurze Radstrecke der Tour d’Energie

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Für den Gaußturm am Hohen Hagen hat Frieder Uflacker kaum einen Blick.
Für den Gaußturm am Hohen Hagen hat Frieder Uflacker kaum einen Blick. © R/privat
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Radfahren kann er, Lauferfahrung hat er auch. Dennoch war es für Frieder Uflacker eine große Herausforderung, die kurze Strecke der Tour d’Energie statt auf dem Fahrrad laufend zu bewältigen. Ein Erfahrungsbericht.

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Frieder Uflacker kennt die kurze Strecke der Tour d’Energie aus dem Effeff. Der Start in Göttingen, weiter über Rosdorf, Mengershausen, Bördel und Dransfeld, hoch zum Hohen Hagen, ehe es über Jühnde, Volkerode und Rosdorf zurück nach Göttingen geht. „Dutzende Male“, wie er sagt, hat er die rund 45 Kilometer bereits mit dem Rad absolviert. Doch nun hat der Göttinger Ausdauersportler die Strecke noch einmal neu kennengelernt. Denn er ist sie gelaufen.

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Diese „Schnapsidee“, wie Uflacker selbst sie bezeichnet, kam ihm, als er die Strecke bei der Vorbereitung auf die diesjährige Tour d’Energie mit dem Rad abfuhr, um die genaue Distanz zu messen. Die Strecke zu laufen sei „eine Erfahrung, die außerhalb der bisherigen Box liegt“, habe er sich gedacht. Ich habe die Herausforderung nicht gesucht, sondern die Herausforderung hat mich gefunden“, sagt der 44-Jährige lachend. Erst im vergangenen Jahr lief er seinen ersten Marathon. „Es ist für mich also kein Selbstläufer gewesen“, betont Uflacker, der als Personal Coach in Göttingen tätig ist.

Die etwas andere Vorbereitung auf den Frühjahrsklassiker
Die etwas andere Vorbereitung auf den Frühjahrsklassiker ©

Bewusst habe er darauf verzichtet, sich mit längeren Läufen auf diese Herausforderung vorzubereiten. „Ich muss mir nicht vorher schon im Kopf beweisen, dass ich das schaffe.“ Stattdessen schnallte sich Uflacker in den vergangenen Monaten häufig Skier an die Füße, um im Harz Skilanglauf oder Skiskating zu betreiben – das war Ausdauertraining genug. „Mein Herz-Kreislauf-System und mein Stoffwechsel waren also schon sehr gut trainiert.“

Dennoch sei er so nervös wie vor einer Prüfung gewesen, als der Tag gekommen war. Mit einem Video auf YouTube hat Uflacker seine Herausforderung dokumentiert. „Ich bin mehr als nur ein bisschen aufgeregt, ob das das Ganze funktioniert“, sagt er da, ehe er losläuft – und läuft und läuft und läuft.

Unendliche Weite...
Unendliche Weite... ©

Seine Frau, das ist zu sehen, begleitet ihn auf dem Fahrrad als mobiler Strecken- und Verpflegungsposten. Bei Kilometer 36 gibt Uflacker die Parole für den Rest der Strecke aus: „Jetzt heißt es, im Rhythmus zu bleiben.“ Schließlich ist er zurück auf dem Parkplatz am Jahnstadion: 44,15 Kilometer in 3:40:39 zeigt seine Pulsuhr an. „Ob ich das noch mal mache? Ich sage mal vorsichtig: vielleicht.“

Rund zwei Tage später, berichtet Uflacker, habe er den Lauf noch in den Beinen gehabt. „Am Tag selbst war ich noch bei meiner Mutter zum Kaffee eingeladen. Da bin ich, nach Aussage meiner Frau, wie ein Opa die Treppe runtergegangen.“ Darin habe im Vorfeld auch der „Unsicherheitsfaktor“ gelegen, erklärt der Ausdauersportler, „wie sich der Lauf mit meinen Muskeln, meinem Bandapparat und meinen Gelenken verträgt, vor allem beim Bergablaufen.“ Insgesamt hat Uflacker die „Schnapsidee“ aber gut weggesteckt.

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Hat er die Strecke, die er schon so oft gefahren ist, beim Laufen denn anders erlebt? „Ich dachte, dass ich durch das Laufen und die Entschleunigung nicht nur jeden Leitpfosten, sondern auch jeden Grashalm danach beim Namen kenne, dem war aber nicht so“, berichtet Uflacker. „Ich war erstaunt, dass ich von der nahen Umgebung wenig mitbekommen habe. Ich glaube, das war der Tatsache geschuldet, dass ich mich durchgehend auf meine Laufbewegung konzentriert habe.“

Ein Video von Uflackers Laufprojekt gibt es hier zu sehen.

Lange wird es jedenfalls nicht dauern, bis Uflacker den Asphalt, die Leitpfosten und Grashalme am Rande des Rundkurses wieder genau unter die Lupe nehmen kann. Am Freitag beginnt die Tour d’Energie 2021, an der er auf jeden Fall teilnehmen wird – dann wieder auf dem Rad. „Ein Ticket ist gelöst, übrigens auch für die 45 Kilometer-Runde.“ Erneut habe er sich etwas Besonderes überlegt, wolle aber noch „geheimnisvoll bleiben“, sagt der 44-Jährige. Man darf also gespannt sein auf die nächste Herausforderung oder „Schnapsidee“ von Frieder Uflacker.

Anmeldungen noch bis zum 9. Mai möglich

Die Tour d’Energie wird aufgrund der Pandemie auch in diesem Jahr nicht in gewohnter Weise stattfinden können. Im Gegensatz zum Vorjahr, als das Event komplett abgesagt wurde, hat die Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF) aber ein alternatives Konzept präsentiert: Radsportlerinnen und Radsportler werden mit einem Transponder ausgestattet und können so ihr individuelles Rennen gegen die Uhr fahren. Der Startschuss zur Tour d’Energie 2021 fällt am Freitag, 23. April. Das Event endet am Sonntag, 16. Mai.

Bislang haben sich mehr als 700 Radsportlerinnen und Radsportler angemeldet, wie die GoeSF auf Anfrage mitteilt. „Wir hatten mit 500 Anmeldungen gerechnet“, sagte Johannes Frey, Mitglied des Organisations-Teams. „Wir sind also happy“, so Frey, der diese Teilnehmerzahl als „großartiges Signal“ bezeichnete. Anmeldungen zur Tour sind noch bis zum 9. Mai möglich. Die Teilnahme ist bis einschließlich 16. Mai und mit einer Anmeldung bis zu zehn Mal möglich. Der Start kann montags bis freitags ab 7 Uhr und sonnabends und sonntags ab 8 Uhr erfolgen. Die Zielankunft ist an allen Tagen bis 20 Uhr möglich.

Parallel zur Tour d'Energie wird auch der Göttinger Frühjahrsvolkslauf stattfinden - ebenfalls als individuelles Rennen gegen die Uhr. Die Anmeldung zu beiden Events ist online unter www.tourdenergie.de beziehungsweise www.goettinger-fruehjahrs-volkslauf.de möglich.