31. Januar 2020 / 15:00 Uhr

Paderborns "Roy" Pröger: Mit einem Präger-Trikot fing alles an

Paderborns "Roy" Pröger: Mit einem Präger-Trikot fing alles an

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ö und Ä: Paderborns Kai Pröger und Ex-Wolfsburg-Stürmer Roy Präger.
Ö und Ä: Paderborns Kai Pröger und Ex-Wolfsburg-Stürmer Roy Präger.
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Der VfL Wolfsburg spielt am Sonntag beim SC Paderborn 07. Der Gastgeber hat einen Spieler dabei, der eine besondere Beziehung zu Wolfsburgs erstem Bundesliga-Star hat.

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Manche Fußball-Leidenschaften beginnen mit einem geschenkten Lederball, einer Fernsehübertragung oder einer Bolzplatzerfahrung. Bei Kai Pröger, Rechtsaußen des Fußball-Bundesligisten SC Paderborn 07, begann sie mit einem „Ö“. Und das hat mit einem Fußballer zu tun, der Wolfsburgs erster Bundesliga-Star war.

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Pröger, Präger; Kai, Roy: Man kommt eigentlich leicht drauf. „Mein Vater“, so erzählt Kai Pröger, „hatte einen Textildruck-Betrieb. Und er hat auf einem Deutschland-Trikot mit dem Namen ,Präger’ hinten drauf einfach für mich das ,Ä’ durch ein ,Ö’ ersetzt. Mit dem Ding bin ich dann immer durch die Gegend gerannt. Dieses Trikot und der Name ,Roy Präger’, der ja wirklich so ähnlich klingt wie meiner, waren meine allerersten Berührungspunkte mit dem Fußball.“ 20 Jahre ist das her.

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Koen Casteels: In der ersten Halbzeit selten gefordert, bei den Gegentoren ohne Chance, toller Reflex bei der Riesen-Chance von Lukebakio. Note: 3 ©

Richtiger Wolfsburg- oder gar Präger-Fan wurde Kai Pröger nicht, als damals im friesländischen Schortens seine Reise in die Fußball-Welt begann („Werder Bremen war irgendwie näher“). Das lag auch daran, dass Klein-Kai nur begrenzt in der Lage war, Fernseh-Fußball zu genießen. „Wenn ich fünf Minuten geguckt habe, konnte ich nicht mehr still sitzen und musste selbst raus zum Kicken.“ Dass Präger Wolfsburgs erster Bundesliga-Star war, 1999 zum Kader der A2-Nationalmannschaft gehörte und nach drei HSV-Jahren wieder zum VfL zurückkam, weiß der Mann mit dem „Ö“ heute natürlich. „Aber eher aus Erzählungen. Und man kann ja im Internet alles nachgucken, das habe ich natürlich gemacht.“

Für ihn gab es ja auch Wichtigeres. Etwa die eigene Karriere, die für heutige Bundesliga-Kicker eher untypisch war. Beim Heidmühler FC blieb Pröger quasi unentdeckt, kickte dort mit 19 noch in der Bezirksliga, ehe die Sache Saison für Saison in Schwung kam: VfB Oldenburg II, dann in die Erste, dann zur Reserve von Mainz 05, nach Berlin zum BFC Dynamo in die Regionalliga und nach der Zwischenstation Rot-Weiss Essen schließlich im Januar 2019 mit 26 Jahren in die 2. Liga zum SC Paderborn 07.

12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg

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Zum Durchklicken: 12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg ©

Dass sein Name so klingt wie der von Roy Präger, holte ihn unterwegs immer mal wieder ein. In Mainz etwa, wo ein paar Mitspieler anfingen, ihn „Roy“ zu rufen. Oder wenn sich ein TV-Reporter mal versprach. „Und als ich in Paderborn war“, erzählt Pröger, „und Trainer Steffen Baumgart beim ersten Testspiel bei der Aufstellung den Magneten mit meinem Bild drauf an die Taktiktafel drückte, sagte er die ganze Zeit ,Roy’ statt ,Kai’. Hinterher hat er darüber gelacht, als er merkte, der Roy heißt ja eigentlich Kai. Aber er ist dabei geblieben.“

Als Pröger mit dem SC Paderborn 07 im vergangenen Sommer aufstieg, griff Sky den vom Trainer und ehemaligem Wolfsburger Präger-Mannschaftskollegen Baumgart vergebenen Spitznamen auf, organisierte eine Videobotschaft vom Wolfsburger Original-Roy für den Paderborner Kai. „Hinterher“, so Pröger, „hatten wir noch ein bisschen Kontakt über WhatsApp, er hat mir alles Gute gewünscht und wir haben darüber geflachst, ob ich mal so viele Bundesliga-Tore schieße wie er. Er hat gemeint, er werde das beobachten.“ Zwei sind es bisher, 22 bräuchte er noch, um Präger einzuholen. Wird eng. „Ich bin eher der Vorbereiter.“ Immerhin: Die Spielposition (Rechtsaußen) beider ist ähnlich, und im Laufe der Saison hat sich Pröger schnell zum Stammspieler beim SCP entwickelt, ist auch für das Duell am Sonntag (18 Uhr) erste Wahl im Paderborner Team.

„Er ist ja auch ein guter Junge“, sagt Roy Präger, für den die Präger-Pröger-Geschichte selbst „eine ziemlich coole Sache“ ist. Offenbar, so der heute 48-Jährige, „haben wir damals in den ersten Wolfsburger Jahren ein bisschen Eindruck hinterlassen. Und: „Ich freue mich für Kai, dass er so seinen Weg gemacht - und natürlich auch für meinen alten Mitspieler Steffen Baumgart, der da einen echt guten Job macht und dem man anmerkt, dass er mit Leidenschaft dabei ist - so, wie es sein soll.“

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Kai Pröger: „Verstecken müssen wir uns nicht“

Herr Pröger, mit einem Roy-Präger-Trikot fing es an, jetzt sind Sie selbst Stammspieler in der Bundesliga...

Ja, dass es einmal so weit kommen würde, hat damals wirklich niemand gedacht.

Zumal Ihr Karriere-Weg ungewöhnlich war, sie haben ja mit 19 noch in der Bezirksliga gekickt.

Ich empfinde das selbst auch als besondere Geschichte. Ich habe von ganz unten ziemlich viele Ligen mitgenommen. Andere hatten vielleicht mehr Talent und haben dann Fußball-Internate durchlaufen, während ich mir vieles hart erkämpfen musste. Bei uns in der Ecke gab es auch nicht viele Möglichkeiten, gefördert zu werden. Deswegen ist das eine Riesensache für mich - und auch für die Gegend, aus der ich komme. Sebastian Polter und ich sind ja die Einzigen aus der Region, die das so geschafft haben.

Sie haben mit 27 Ihr erstes Erstliga-Spiel gemacht - haben Sie davon immer geträumt?

Nein, irgendwann nicht mehr. Dass es dann doch geklappt hat, ist umso schöner - und deswegen fällt es mir leicht, in jedem Training und jedem Spiel voll motiviert bis ans Limit zu gehen. Ich genieße das.

Gibt es das Präger-Pröger-Trikot von damals noch?

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Ja, meine Eltern hatten es sogar bei unserer Aufstiegsfeier dabei und haben es dort hochgehalten.

Im Hinspiel saßen Sie noch auf der Bank, am Sonntag sind Sie wahrscheinlich dabei – und Ihr Team kann nach dem wichtigen Sieg in Freiburg mit breiter Brust auflaufen. Was für ein Spiel erwarten Sie gegen Wolfsburg?

Das wird komplett anders als in Freiburg, aber nachdem wir zuletzt einige Punkte gesammelt haben, wissen wir, dass unser Spiel funktionieren kann. Wir sind keine Mannschaft, die den Gegner auseinander spielen kann. Wir müssen über den Kampf kommen, alles reinwerfen, dann können wir vielen Gegnern Probleme bereiten. Ob es dann für einen Sieg oder einen Punkt reicht, wird man an dem jeweiligen Tag sehen. Verstecken müssen wir uns mit unserem Fußball jedenfalls nicht.