23. Oktober 2021 / 08:28 Uhr

Rückkehr des kanadischen Eiskämpfers: Ian Farrell zurück auf dem Leipziger Eis

Rückkehr des kanadischen Eiskämpfers: Ian Farrell zurück auf dem Leipziger Eis

Leon Heyde
Leipziger Volkszeitung
Ian Farrell (Icefighters #24)
Seit dieser Saison steht Ian Farrell wieder für die IceFighters Leipzig auf dem Eis. © Christian Modla
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Nach über einem Jahr Corona-Unterbrechung ist IceFighters-Topscorer Ian Farrell seit Saisonbeginn zurück in der Messestadt. 2016 kam der Kanadier auf unkonventionellem Weg zu den IceFighters und spielte sich in die Herzen der Fans.

Leipzig. „No incoming service“, der Versuch, Ian Farrell telefonisch zu erreichen, endet auf einer englischsprachigen Mailbox. Auf dem Handydisplay erscheint eine auswärtige Nummer. Ontario, Kanada. Doch der Eindruck trügt: Der 28-Jährige aus Bradford verweilt inzwischen nicht mehr in seiner Heimat zwischen Lake Huron und Lake Ontario, zwei der Großen Seen in Nordamerika. Seit einigen Wochen befindet sich Farrell wieder in Leipzig, die Erleichterung bei den IceFighters ist dementsprechend groß. Seit 2016 spielt der Deutsch-Kanadier in der Messestadt. Dass er in der aktuellen Saison im Kohlrabizirkus auf dem Eis steht, war lange unklar.

Seit Beginn der Pandemie wart Farrell nicht mehr in Leipzig gesehen, die vergangenen anderthalb Jahre saß er auf der gegenüberliegenden Seite des großen Teichs aus. Trainer, Fans und Mitspieler mussten lange zittern, erst kurz vor Saisonbeginn kam die erlösende Nachricht: Die Nummer 24 der Eiskämpfer ist gelandet. „Das war eine harte Zeit. Eigentlich wollte ich bereits zur letzten Saison nach Leipzig kommen, durch die Pandemie hat es für mich allerdings keinen Sinn ergeben, Kanada zu verlassen“, verrät Farrell, der zuletzt für die kanadische Regierung arbeitete. „Ich hatte einen tollen Job, in den ich jetzt nicht zurück kann. Also musste ich meine Optionen im Sommer abwägen und eine Entscheidung über meine Zukunft treffen.“ Alles andere als leicht sei dieser Prozess gewesen, inzwischen überwiege allerdings die Vorfreude auf die nächsten Jahre in seiner zweiten Heimat.

Fünf Treffer, zwei Vorlagen

Dass beim Weltenbummler erst gar kein Heimweh aufkommt, könnte auch am starken Saisonstart seines Teams liegen. Platz fünf in der Oberliga Nord, mit nur neun Gegentoren die stärkste Defensive der Liga – was ist das Erfolgsgeheimnis? „Wir arbeiten diese Saison defensiv einfach unglaublich gut, jeder Spieler macht seinen Job und das Trainerteam ist sehr engagiert.“ Mit fünf Treffern und zwei Vorlagen ist Farrell Topscorer seines Teams, sein Hauptaugenmerk liegt dennoch woanders: „Defensive first! Klar, Tore sind wichtiger, aber im Spiel denke ich in erster Linie ans Verteidigen.“ Die Statistik spricht für Farrell. Fragt man ihn, wie zufrieden er mit seiner bisherigen Saisonleistung ist, kann er seinen Sportsgeist nicht abschütteln. „Als Eishockeyspieler ist man nie total zufrieden, man kann dem Team immer noch mehr geben“, erzählt Farrell, um im nächsten Satz seine Teamkollegen zu loben. „Meiner Meinung haben wir das stärkste Torhüterduo der Liga. Wir wissen alle, dass beide uns in der Not den Arsch retten.“

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Die Niederlage gegen die Tilburg Trappers am vergangenen Freitag bildet dabei die berühmte Ausnahme von der Regel. 1:2 hieß es nach Overtime. Ein schmerzhaftes Ergebnis, in dem Farrell allerdings vor allem Bestätigung findet. Gegen ein Topteam auf Augenhöhe mitgespielt zu haben und am Ende einen Punkt mitzunehmen, sei wertvoll für das Selbstvertrauen der Leipziger gewesen. Das von IceFighters-Coach Sven Gerike ausgerufene Ziel, die ersten vier Plätze der Liga anzugreifen, hält Farrell für realistisch. Insbesondere wenn Kapitän Florian Eichelkraut und Angreifer Hannes Albrecht nach Verletzung zurückkehren.

Über Facebook beworben

Die vierte Saison in Leipzig könnte demnach die erfolgreichste für Farrell werden. 2016 wandte er sich auf unkonventionelle Art an das Team. Auf Facebook schrieb der damals 23-Jährige den IceFighters, hoffte auf einen Vertrag. Für Coach Gerike war Farrell ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, mehrere Jahre in Kanadas Nachwuchsliga weckten allerdings Interesse, plötzlich ging es schnell. „Nach wenigen Tagen hat Sven mich angerufen und wir hatten ein sehr gutes Gespräch“, erinnert sich Farrell. „Ich hatte damals noch nicht mal meine Staatsbürgerschaft. Die ganze deutsche Bürokratie, das war pures Chaos.“ Und die erste Vorbereitung auf den bevorstehenden Kulturschock.

Farrells Großeltern leben in Lübeck, weshalb er die Staatsbürgerschaft unkompliziert beantragen konnte. Das Land sah er bei Vertragsunterschrift dennoch zum ersten Mal. „Das war eine riesige Umstellung. Ich kannte die Sprache nicht und auch die Art, wie Eishockey gespielt wird, ist ganz anders“, berichtet Farrell. „In Kanada wird viel körperbetonter gespielt. Dafür scheint mir das Spiel in Deutschland schneller zu sein. Dass Europäer, insbesondere Skandinavier und Russen, hervorragend auf den Kufen unterwegs sind, ist ein Klischee in Kanada, das sich immer wieder bestätigt.“ Auch Farrell musste sein Spiel daher umstellen: weniger direkte Duelle mit dem Gegenspieler, mehr Sprints in die freien Räume.


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Auf die erlernten Qualitäten kam es auch am Abend an. Die IceFighters waren zu Gast bei Ligaprimus Hannover Scorpions (nach Drucklegung dieser Ausgabe). Die starke Leistung gegen Tilburg sollte dabei im Duell der besten Defensive mit der erfolgreichsten Offensive der Liga den nötigen Aufwind geben. Ian Farrell zeigte sich vorab angriffslustig: „Wir wissen, dass es schwer wird. Aber wir werden es ihnen ebenfalls so schwer wie möglich machen.“