06. Dezember 2019 / 11:44 Uhr

Nach Wirbel um Titelseite: AS Rom und AC Mailand sperren Journalisten von "Corriere dello Sport" aus

Nach Wirbel um Titelseite: AS Rom und AC Mailand sperren Journalisten von "Corriere dello Sport" aus

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Zeitung Corriere dello Sport hatte die beiden Serie A-Spieler Romelu Lukaku (l) und Chris Smalling (r) diskriminiert.
Die Zeitung "Corriere dello Sport" hatte die beiden Serie A-Spieler Romelu Lukaku (l) und Chris Smalling (r) diskriminiert. © imago images/Uk Sports Pics Ltd/LaPresse/Montage/Twitter/OfficialASRoma
Anzeige

Die italienische Tageszeitung "Corriere dello Sport" hatte mit ihrer Titelseite international für Schlagzeilen gesorgt. Als Konsequenz wollen die Roma und der AC Mailand den Vertretern des Mediums bis Jahresende den Zutritt zu ihren Vereinsgeländen verweigern.

Anzeige

Die beiden dunkelhäutigen Profis Romelu Lukaku und Chris Smalling links und rechts, zwischen ihnen in Versalien die Schlagzeile "Black Friday": Mit einer rassistisch anmutenden Titelseite hat die italienische Tageszeitung Corriere dello Sport am Donnerstag für Empörung gesorgt. Vor dem Spitzenspiel der Serie A zwischen Tabellenführer Inter Mailand und dem AS Rom an diesem Freitag haben nun die Roma und Inters Stadtrivale AC Mailand auf den Vorfall reagiert. In einem gemeinsamen Tweet erklärten sie, dass Medienvertretern der Zeitung bis zum Ende des Kalenderjahres der Zutritt zu den Vereinsgeländen verwehrt wird. Inter hat sich bisher nicht zu den Vorfällen geäußert.

Mehr vom SPORTBUZZER

"Wir glauben, dass Spieler, Vereine, Anhänger und Medien im Kampf gegen Rassismus im Fußball einig sein müssen, und wir alle haben die Verantwortung, die von uns gewählten Worte und die von uns übermittelten Botschaften sehr präzise zu formulieren", schrieb der AC Mailand.

Lukaku selbst äußerte sich per Twitter und schrieb von der "dümmsten Überschrift, die ich in meiner Karriere gesehen habe. Ihr Typen befeuert das Negative und das Thema Rassismus." Smalling twitterte, das Titelblatt der italienischen Zeitung sei "falsch und höchst taktlos". Zuvor hatte bereits der Berater von Lukaku geäußert. "Als Italiener schäme ich mich, so eine Überschrift zu lesen", sagte Federico Pastorello bei Sky Sports.

Deutsche Legionäre in Italien: Diese Spieler waren in der Serie A aktiv

Carsten Jancker, Miroslav Klose und Lothar Matthäus spielten Fußball in Italien. Welche deutschen Profis noch? Zur Galerie
Carsten Jancker, Miroslav Klose und Lothar Matthäus spielten Fußball in Italien. Welche deutschen Profis noch? ©

Chefredakteur mit bemerkenswertem Statement

Als Reaktion auf den Aufschrei vor allem im Internet veröffentlichte der Chefredakteur des Corriere dello Sport ein bemerkenswertes Statement. Der Ausdruck "Black Friday" sei "eine Lobpreisung auf das Anderssein, der Stolz des Andersseins, der großartige Reichtum des Andersseins", schrieb Ivan Zazzaroni. Eine "unschuldige Überschrift" werde "von jenen vergiftet, die Gift in sich haben". Der Begriff "Black Friday" stammt aus den USA und kennzeichnet den Startschuss für die Weihnachtseinkäufe.

Der italienische Fußball hat seit Jahren ein Rassismus-Problem, immer wieder kommt es zu Vorfällen und Sprechchören auf den Tribünen. Neben dem Belgier Lukaku ist der frühere italienische Nationalspieler Mario Balotelli (Brescia Calcio) häufige Zielscheibe der Attacken.

In diesem Zusammenhang machte Serie-A-Direktor Luigi De Siervo in dieser Woche Schlagzeilen. Die Zeitung La Repubblica veröffentlichte einen Audio-Mitschnitt, auf dem De Siervo während einer Besprechung vorschlug, die Mikrofone im Stadion abzuschalten, damit die Affenlaute nicht im Fernsehen zu hören wären.