25. Mai 2020 / 16:06 Uhr

Altona-Sportchef Richard Golz: "Große Chance, dass Amateure gestärkt aus der Krise kommen"

Altona-Sportchef Richard Golz: "Große Chance, dass Amateure gestärkt aus der Krise kommen"

Jan Jüttner
Richard Golz spricht im #GABFAF-Interview über sein Engagement bei Altona 93 und die Bedeutung des Amateurfußballs. 
Richard Golz spricht im #GABFAF-Interview über sein Engagement bei Altona 93 und die Bedeutung des Amateurfußballs.  © imago/Montage
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Richard Golz spielte einst als Torwart für den Hamburger SV, den SC Freiburg und Hannover 96. Seit kurzem ist der 51-Jährige neuer Sportchef des Hamburger Regionalligisten Altona 93. Mit #GABFAF sprach Golz über den Grund für sein Engagement, seine Ziele mit dem vom Abstieg gefährdeten Klub und die Bedeutung des Amateurfußballs.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Herr Golz, wie genau kam es zu ihrem Engagement beim Regionalliga-Klub Altona 93?

Das ist eine etwas längere Geschichte. Mein letztes Profispiel habe ich in Diensten von Hannover 96 gemacht für die zweite Mannschaft. Da haben wir bei Altona 93 gespielt und ich habe mir früh im Spiel einen Muskelbündelriss zugezogen, der letztendlich auch für mein Karriereende gesorgt hat. Ich habe also bei Altona meine letzten Minuten der aktiven Karriere verbracht. Es war, wenn man so will, ein Abschied an der Basis. Das hat mich scheinbar nicht mehr losgelassen, sodass ich mich Jahre später mit Altona beschäftigt habe, als ich für ein Thema meiner Masterarbeit gesucht habe. Ich habe dann ein Konzept entworfen, wie man sich als Verein neu aufstellen könnte und eine Analyse des Vereins gemacht. Dadurch habe ich viele Kontakte im Verein geknüpft. Für Hamburger Verhältnisse ist die Stimmung dort wirklich toll. Ich bin der Meinung, dass man den Verein ganzheitlich weiterentwickeln muss. Dann habe ich gedacht: Jetzt ist der passende Zeitpunkt, um mich bei Altona einzubringen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Altona 93?

Ich gehe davon aus, dass es aufgrund der Corona-Krise keine Absteiger aus der Regionalliga Nord geben wird. Für die nächste Zeit wollen wir uns sportlich in der Regionalliga etablieren. Der Verein muss sich auf allen Ebenen weiterentwickeln. Wir haben vor allem im Bereich Sponsoring noch viel Potenzial. Wir wollen ein Verein sein, bei dem Hamburger Jungs kicken. Auch aus der eigenen Jugend sollen noch mehr Spieler kommen. Wir haben hier in Hamburg zwei Nachwuchsleistungszentren, auch aus denen wollen wir die Jungs holen, die es vielleicht nicht gleich im ersten Schritt bei den Profis schaffen. Diesen Talenten wollen wir die Chance geben, sich bei uns auf einem hohen Niveau weiterzuentwickeln. In Hamburg gibt es einen großen Fundus aus talentierten Spielern, das wollen wir nutzen.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
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Der Regionalligist TUS Haltern will das "Athletic Bilbao" Deutschlands werden und zu einem großen Teil nur Spieler aus der Region einsetzen. Wie beurteilen Sie diese Herangehensweise?

Der Trend geht hin zu mehr Regionalität, nicht nur im Sport. Die Menschen machen in Zeiten der Globalisierung einen Schritt zurück. Natürlich bringt es mehr Identifikation mit dem Klub, wenn die Spieler aus dem Umland kommen und den Verein kennen. Das Potenzial ist da, man muss nur mit den Leuten arbeiten. Es kommt natürlich auf die Ansprüche des Klubs an. Wenn man nur mit regionalen Spielern und Talenten arbeitet und um den Aufstieg in die 3. Liga spielen will, könnte es vielleicht eine Nummer zu groß sein.

Wie beurteilen Sie, dass jeder Landesverband selbst darüber entscheiden kann, wie es mit der Saison weitergeht?

Eine vergleichbare Situation hat es so noch nicht gegeben. Alle Verantwortlichen stehen vor der Aufgabe eine gute Lösung zu finden, die aber so gar nicht möglich ist. Es ist extrem kompliziert, ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Es ist für uns als Regionalligist aber extrem schwierig zu planen, wenn man nicht weiß wie es weitergeht. Wenn die endgültige Entscheidung Ende Juni getroffen wird, ist es nicht möglich eine vernünftige Kaderplanung zu machen.

Werden die finanziellen Folgen der Corona-Krise den Unterschied zwischen Profi- und Amateurfußball noch deutlicher machen?

Der Profifußball kann auch ohne Zuschauer überleben, das wird beim Amateurfußball schwer. Das Interesse für den Amateurfußball wird aber sicher größer werden, weil die Fans vielleicht auch der Meinung sind, dass es im Profifußball zuletzt eine Nummer zu überdreht war. Dann wird man lieber den Verein um die Ecke unterstützen. Ich sehe eine große Chance für die Amateurvereine, aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen.

Wie wichtig ist der Amateurfußball, explizit die Regionalliga, für den Profifußball?

Regionalliga ist hier und da auch schon fast Profifußball. Der Amateurfußball aber ist die Basis für den Profifußball. Das ist auch meine Motivation, weshalb ich mich bei Altona engagiere. Als Personalberater kann ich auch über diese Tätigkeit Synergien herstellen, mein berufliches Netzwerk einsetzen und vielleicht den einen oder anderen Sponsor akquirieren.

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Welche Spiele verfolgen Sie noch live im Stadion?

Mein Sohn spielt bei Rot-Weiss Essen. Da habe ich zuletzt viele Spiele in der Regionalliga West gesehen. Ich war fast jedes Wochenende im Westen unterwegs, als die Spiele noch stattgefunden haben.

Gerade in der Regionalliga West sind beispielsweise mit Alemannia Aachen Teams vertreten, die früher in der Bundesliga spielten, aber einfach nicht mehr richtig auf die Beine kommen.

Oftmals ist es ja selbst verschuldet. Aachen ist im Zuge des Neubaus ihres Stadions offensichtlich in finanzielle Schieflage geraten. Tradition ist etwas Tolles, aber man muss es jeden Tag bestätigen und über eine längere Zeit mehr richtige Entscheidungen als falsche treffen. Dadurch hat es eben viele Traditionsvereine getroffen. Dann kommen andere Teams hoch, die überwiegend die richtigen Entscheidungen treffen.