05. Januar 2021 / 07:17 Uhr

RB Leipzigs Kampl über Coach Nagelsmann: "Schon in der Gegenwart ein Ausnahmetrainer"

RB Leipzigs Kampl über Coach Nagelsmann: "Schon in der Gegenwart ein Ausnahmetrainer"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Kevin Kampl gehört zu den Oldies in den Reihen von RB Leipzig.
Kevin Kampl gehört zu den "Oldies" in den Reihen von RB Leipzig. © Getty Images
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Englische Wochen liebt er. Keeper Peter Gulacsi und Trainer Julian Nagelsmann lobt er in den höchsten Tönen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Kevin Kampl aber nicht nur darüber, sondern klärt unter anderem auch die Frage, wie es denn mit einem Karriereende bei RB Leipzig aussieht.

Leipzig. Er ist mit zarten 30 der älteste Feldspieler der Roten Bullen, bringt nur 70 Kilo auf die Waage, hat aber seit 2017 Gewicht in der Mannschaft. Der sehnige Techniker und Läufer Kevin Kampl (112 Pflichtspiele, sechs Tore, 16 Vorlagen, 14 gelbe Karten, kein Platzverweis) hat mit dem SPORTBUZZER über den 1:0-Sieg im Stuttgarter Schlamm, englische Wochen, ausbaufähige Abschlussquote und den Hit gegen Borussia Dortmund am Sonnabend, 18.30 Uhr, in der Red-Bull-Arena gesprochen.

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SPORTBUZZER: War der Rasen in Stuttgart so schlecht wie er aussah?

Kevin Kampl: Er war wirklich nicht in allerbestem Zustand. Man musste bei vielen Pässen aufpassen, dass der Ball nicht verspringt.


Das Auslassen von Groß-Chancen gehört seit geraumer Zeit zum RB-Spiel wie die Balljagd. Kann man Eiseskälte vorm Tor üben?

Emils Elfer hätte der Dosenöffner sein können, Kobel hat ihn aber stark gehalten. Wir hätten nach einer Stunde 3:0 führen können. An der Abschlussquote kann man arbeiten, müssen wir arbeiten. Ich hatte gegen Köln auch zwei Chancen, die ich machen muss. Positiv ist, dass wir uns viele Chancen erspielen und alle mit Herz gegen den Ball arbeiten, so dass hinten wenig anbrennt. Aber klar würde ein beruhigender Vorsprung auch mal gut tun.

Kurz vorm Ende musste Peter Gulacsi das 1:0 retten. Ist ihnen da das Herz in die Hose gerutscht?

Dafür war keine Zeit, es ging alles blitzschnell, Pete regelt das fantastisch! Wenn er sich groß macht, wird das Tor ziemlich klein. Er macht das im Eins gegen Eins überragend, wird immer besser, gehört für mich zu den Besten in Europa. Wir kennen uns schon ewig (auch aus Salzburg; Red.), verstehen uns super. Pete ist eine Granate - menschlich und sportlich. Er ist ein Teamplayer, seine Ansprache ist immer positiv, nie beleidigend. Wir sind froh, dass er bei uns im Kasten steht.

Julian Nagelsmann ist nur drei Jahre älter als Sie. Was fällt Ihnen dazu ein?

Julian ist zwar jung, hat aber schon viel Erfahrung als Trainer, beschäftigt sich extrem mit dem Fußball, blickt über den Tellerrand. Bei ihm weiß jeder, was er zu tun hat. Auch nach Änderungen der Taktik. Er ist schon in der Gegenwart ein Ausnahmetrainer und hat eine große Zukunft vor sich.

DURCHKLICKEN: Kevin Kampl bei RB Leipzig

Kevin Kampl spielt bei RB Leipzig im zentralen Mittelfeld. Zur Galerie
Kevin Kampl spielt bei RB Leipzig im zentralen Mittelfeld. ©

Wie gefallen Ihnen Englische Wochen?

In Corona-Zeiten ist der Terminkalender noch enger als sonst getaktet, gibt es kaum Zeit zum Durchpusten. Aber wir sind sehr froh, dass wir unseren Beruf ausüben können, das ist leider nicht allen vergönnt. Ich persönlich liebe es, alle drei Tage zu spielen, fühle mich fit wie mit Mitte 20.

Am Sonnabend kommt der BVB. Mit einem Sieg würde RB auf neun Punkte wegziehen.

Der BVB ist ein direkter Konkurrent, wir wollen sie auf Distanz halten, den Vorsprung möglichst ausbauen. Ich bin mir sicher, dass wir unsere Chancen bekommen werden. Dortmund hatte eine kleine Durststrecke, hat jetzt Wolfsburg geschlagen. Sie verfügen nach wie vor über brutale Qualität.

Beim BVB mussten Sie 2015 unter Jürgen Klopp als Rechtsaußen ran…

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Ich war nie Rechtsaußen und werde auch keiner mehr.

Mehr zu RB Leipzig

Der RB-Kader ist verletzungsbedingt ausgedünnt, die Neuzugänge sind auf Formsuche. Normale Härte im Profi-Geschäft?

Ja. Neue Spieler brauchen gerade bei unserer Art des Fußballs ihre Zeit, bis sie sich im Training und auf dem Platz wohl fühlen und Top-Leistungen abrufen können. Und Verletzungen gehören zum Profi-Fußball leider dazu.

Konrad Laimer fehlt seit einem halben Jahr. Bauen Sie Ihren Kollegen gesondert auf?

Nein, das will und braucht Konny nicht. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Irgendwann willst du nur noch deine Ruhe haben und am Comeback arbeiten. Konny hat noch viele gute Jahre vor sich. Dass er uns als Typ und Kicker fehlt, steht außer Frage. Er war extrem wichtig und wird das auch wieder sein.

Wie blicken Sie auf 2020 und wie soll sich 2021 gestalten?

Wir sind Dritter in der Liga geworden, haben Atletico im Viertelfinale der Champions League geschlagen und uns in einer Gruppe mit Manchester und Paris durchgesetzt, stehen nicht umsonst wieder weit oben in der Bundesliga. 2020 war rein sportlich gesehen überragend für uns, so soll es 2021 weiter gehen. Wobei über allem selbstverständlich die Gesundheit und das Überwinden der Pandemie steht. Das wünsche ich uns allen.

Ist RB Leipzig Ihre letzte Profi-Station?

Ich habe gerade erst meinen Vertrag bis 2023 verlängert, bin mir sicher, dass noch vier, fünf Top-Jahre in mir sind. Gerne in Leipzig.