14. Oktober 2020 / 07:03 Uhr

RB Leipzigs Ex-Profi Rani Khedira: "Wir wollen wieder einen großen Gegner ärgern"

RB Leipzigs Ex-Profi Rani Khedira: "Wir wollen wieder einen großen Gegner ärgern"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Rani Khedira spricht im Interview über seine Ansprüche mit dem FC Augsburg.
Rani Khedira spricht im Interview über seine Ansprüche mit dem FC Augsburg. © imago images/Montage
Anzeige

Rani Khedira hat sich beim FC Augsburg einen Namen gemacht - und er weiß, wie man gegen die Roten Bullen in die Reichweite von Punkten kommt. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 26-Jährige über die kommende Partie gegen RB Leipzig, den Sieg gegen den BVB und seine sportliche Zukunft.

Anzeige

Rani Khedira, hochsympathischer schwäbisch-tunesischer Fußballer, räumte von 2014 bis 2017 im Mittelfeld der Roten Bullen ab, erlebte den Bundesliga-Aufstieg hautnah mit, absolvierte sein letztes von 57 Pflichtspielen für RB am 13. Mai 2017 beim legendären 4:5 gegen die Bayern. Danach wechselte Khedira zum FC Augsburg, wurde zu einem „"richtigen Bundesligaspieler". Khedira, 26, der zu einem im In- und Ausland gefragten Profi geworden ist, spricht im SPORTBUZZER-Interview über seinen 2021 auslaufenden Vertrag, den 2:0-Sensationssieg gegen den BVB, Kumpel Marcel Sabitzer, 26, und Coach Heiko Herrlich, 48, der nach einem Krankenhausaufenthalt beim Augsburger Heimspiel gegen RB Leipzig (Sonnabend, 15.30 Uhr) wieder auf der FCA-Bank Platz nehmen wird.

Anzeige

SPORTBUZZER: Das Wichtigste vorneweg: Heiko Herrlich ist zurück auf dem Trainingsplatz. Erleichtert?

Rani Khedira (26): Ja, die Gesundheit steht über allem. Der Coach macht einen guten und fitten Eindruck, wird Samstag auf der Bank sitzen.

DURCHKLICKEN: Rani Khedira bei RB Leipzig

2014 Juni: Khedira im Training (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2014 Juni: Khedira im Training (@GEPA Pictures) ©

Ihr habt Dortmund 2:0 geschlagen, seid Zweiter. Knackt Ihr auch Leipzig?

RB ist aktuell Erster. Und zur weiteren Einordnung: Von zehn Spielen können wir gegen Dortmund vielleicht ein bis zwei gewinnen. Wir hatten einen sehr guten Tag, waren bissig, gut in den Zweikämpfen, haben die Räume eng gemacht, waren eiskalt vorm Tor, haben selbst nur zwei, drei gute Chancen zugelassen. An Tagen wie diesen kann man dann auch einen der Großen schlagen.

Biss, Eiseskälte und so weiter. Diese Zutaten lesen sich wie das passende Rezept gegen die Roten Bullen.

Ohne einen Plan, großen Teamgeist, einer gewissen Härte und Matchglück geht es nicht. Wenn man den BVB oder RB spielen lässt, spielen sie dich schwindelig.

Also Raum und Zeit beschneiden, Spaß nehmen.

So ungefähr. Julian Nagelsmann ist ein verdammt guter Trainer, lässt einen tollen und anspruchsvollen Fußball spielen. Mit Mut, Technik, Spielverlagerungen, Seitenwechsel, One-Touch-Fußball, Dribblings - und das alles im höchsten Tempo.

Julians Nagelsmänner machen vergiftete Angebote, blinken zuweilen rechts und biegen links ab.

Ja, auch das. Wir dürfen die Zonen, in die sie wollen, nicht aufmachen. Wir wollen wieder dahin kommen, dass die Mannschaften ungern nach Augsburg fahren. Es war in der letzten Saison zu einfach, bei uns zu punkten.

Was geben Sie Ihren Stürmern vorm Duell gegen RB-Maschine Dayot Upamecano mit auf den Weg?

Ein Sprintduell macht gegen Upa wenig Sinn. Man muss ihn schon richtig ausspielen, um vorbei zu kommen. Upa ist für mich jetzt schon Weltklasse, wird demnächst womöglich bei einem Club wie Barcelona oder Real spielen.

Timo Werner ist zum FC Chelsea gewechselt. Wie intensiv ist Euer Kontakt noch?

Anzeige

Wir waren Zimmerkollegen beim VfB Stuttgart und bei RB, kennen uns in- und auswendig, schreiben uns und telefonieren ab und zu.

Mehr zu RB Leipzig

Wer war der Chef im Zimmer, wer der Hüter der Fernbedienung?

Es gab keinen Chef. Ich bin jedenfalls immer vor Timo eingeschlafen.

Zu Ihrer RB-Combo gehörten auch Diego Demme und Marcel Sabitzer. Alle Khedira-Kumpel wandeln auf der Überholspur, sind großartige Fußballer geworden. Freut Sie das?

Natürlich freut mich das. Timo spielt in der Premier League, Diego hat sich in Neapel einen Traum erfüllt, Sabi hat sich extrem gut entwickelt, ist Kapitän.

Und verletzt ist er auch. Was hat Ihnen Sabitzer in Sachen Gesundheit und Muskelfaserriss erzählt?

Er will lieber heute als morgen kicken, aber Augsburg kommt für ihn noch zu früh.

Sie haben sich in Augsburg in 102 Pflichtspielen als Defensiv-Allrounder einen Namen gemacht, können immer, spielen und liefern immer. Ihr Vertrag läuft 2021 aus. Steht dann ein ablösefreier Wechsel ins Haus?

Momentan steht nichts im Haus. Mein Vertrag läuft noch acht Monate, die gegenseitige Wertschätzung ist da, eine weitere Zusammenarbeit möglich. Leipzig war eine gute und lehrreiche Zeit, der Wechsel nach Augsburg richtig. Hier bin zu einem richtigen Bundesligaspieler geworden, habe zwei Schritte nach vorne gemacht. Dafür bin und bleibe ich dem FCA dankbar.

Ihr Bruder Sami wurde im Ausland zu einem Weltmann, Herr Khedira.

Das stimmt, Herr Schäfer. Er ist gereift, spricht mehrere Sprachen. Und, ja, das Ausland kann auch bei mir irgendwann Thema werden.

DURCHKLICKEN: Das Gastspiel von RB Leipzig in Augsburg im Juni 2020

RB Leipzig sichert sich durch einen 2:1-Erfolg beim Fc Augsburg Tabellenplatz Drei. Timo Werner erzielte in seinem letzten Spiel beide Treffer. Zur Galerie
RB Leipzig sichert sich durch einen 2:1-Erfolg beim Fc Augsburg Tabellenplatz Drei. Timo Werner erzielte in seinem letzten Spiel beide Treffer. ©

Hoffenheim hat die Bayern geschlagen, Hertha kratzte an einem Unentschieden. Sind die Bayern verwundbar?

Wenn die Bayern topfit sind, nein. Das Pensum der Bayern ist aber brutal, die Nationalspieler spielen gefühlt alle zwei Tage. Und wenn dann das eine oder andere Prozent fehlt, kann man an ausgesuchten Tagen auch gegen diese Super-Mannschaft in die Nähe von Punkten kommen.

Ralf Rangnick hat Sie 2017 nach Leipzig geholt. Wo sehen Sie ihn perspektivisch?

Im Ausland, England würde passen. Er hat sich einen Namen gemacht, würde jedem Verein gut zu Gesicht stehen.

Ab wann wäre der Sonnabend ein gelungener für Sie?

Wir wollen wieder einen großen Gegner ärgern. Ein Sieg wäre perfekt.