05. Dezember 2019 / 17:37 Uhr

Rassimus-Empörung: Klubs und Lukaku-Berater reagieren auf Titelseite von "Corriere dello Sport"

Rassimus-Empörung: Klubs und Lukaku-Berater reagieren auf Titelseite von "Corriere dello Sport"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Unverständnis bei Romelu Lukaku und Chris Smalling: Die beiden Fußballprofis von Inter Mailand und der AS Rom wurden von der <i>Corriere dello Sport</i> waren mit einer geschmacklosen Überschrift auf der Titelseite zu sehen.
Unverständnis bei Romelu Lukaku und Chris Smalling: Die beiden Fußballprofis von Inter Mailand und der AS Rom wurden von der Corriere dello Sport waren mit einer geschmacklosen Überschrift auf der Titelseite zu sehen. © 2019 Getty Images/Twitter
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Der italienische Fußball hat ein massives Rassismus-Problem. Nun sorgte die Titelseite der Zeitung "Corriere dello Sport" mit Beteiligung von Romelu Lukaku und Chris Smalling für Aufsehen. Die Vereine sind empört - das Blatt verteidigt sich mit einer bemerkenswerten Erklärung.

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Die beiden dunkelhäutigen Fußballer Romelu Lukaku und Chris Smalling links und rechts, zwischen ihnen in Versalien die Schlagzeile „Black Friday“: Mit einer rassistisch anmutenden Titelseite hat die italienische Tageszeitung Corriere dello Sport am Donnerstag für Empörung gesorgt. Vor dem Spitzenspiel der Serie A zwischen Tabellenführer Inter Mailand und dem AS Rom an diesem Freitag kämpft der italienische Fußball mit altbekannten Problemen.

Inter und Rom beziehen auf Twitter Stellung

Die beiden betroffenen Vereine reagierten empört und nahmen auf Twitter entschieden Stellung zu dem Thema. "Fußball ist Leidenschaft, Kultur und Brüderlichkeit. Wir sind und bleiben gegen jede Form von Diskriminierung", hieß es auf dem Kanal von Inter. Die Roma griff das Problem mit einem humorvollen Tweet auf.

Auch aus dem Lager der Spieler gab es deutliche Kritik für den Fehltritt der "Corriere dello Sport" vom Donnerstag. „Als Italiener schäme ich mich, so eine Überschrift zu lesen“, sagte Lukakus Manager Federico Pastorello bei Sky Sports. Auch die Antirassismus-Organisation Fare kritisierte das Titelbild heftig. „Die Medien nähren den Rassismus jeden Tag“, schrieb Fare auf Twitter.

Mehr zu Rassismus in Italien

Die Zeitung hob zwar hervor, dass Inter-Stürmer Lukaku und Roma-Verteidiger Smalling vor ihren Wechseln nach Italien im Sommer gemeinsam bei Manchester United gespielt haben, sich sehr schätzten und sich immer entschieden gegen Rassismus im Fußball engagiert hätten. Dennoch war der Aufschrei groß. „Diese Oberflächlichkeit und Ignoranz gegenüber Rassismus sind absolut nicht mehr hinnehmbar“, schrieb Inter-Stadtrivale AC Mailand bei Twitter. Auch der AC Florenz schaltete sich ein. "Nein zu Rassismus, der Kampf geht weiter", schrieb der Klub und verwies auf ihren Profi Kevin-Prince Boateng. Der ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt setzt sich seit langem gegen Fremdenfeindlichkeit ein.

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Als Reaktion auf den Aufschrei veröffentlichte der Chefredakteur des Corriere dello Sport ein bemerkenswertes Statement. Der Ausdruck „Black Friday“ sei „eine Lobpreisung auf das Anderssein, der Stolz des Andersseins, der großartige Reichtum des Andersseins“, schrieb Ivan Zazzaroni. Eine „unschuldige Überschrift“ werde „von jenen vergiftet, die Gift in sich haben“. Der Begriff „Black Friday“ („Schwarzer Freitag“) stammt aus den USA und kennzeichnet den Startschuss für die Weihnachtseinkäufe.

Balotelli, Lukaku und Co. mehrfach rassistisch beleidigt

Der italienische Fußball hat seit Jahren ein großes Rassismus-Problem, immer wieder kommt es zu Vorfällen und Sprechchören auf den Tribünen. Neben dem Belgier Lukaku ist der frühere italienische Nationalspieler Mario Balotelli (Brescia Calcio) häufige Zielscheibe der Attacken.

In diesem Zusammenhang machte Serie-A-Direktor Luigi De Siervo in dieser Woche Schlagzeilen. Die Zeitung La Repubblica veröffentlichte einen Audio-Mitschnitt, auf dem De Siervo während einer Besprechung vorschlug, die Mikrofone im Stadion abzuschalten, damit die Affenlaute wenigstens nicht im Fernsehen zu hören wären.