17. Oktober 2021 / 14:13 Uhr

Premier League Inside: Wie Englands Fußball am Beispiel Newcastle beim Eigentümer-Test scheitert

Premier League Inside: Wie Englands Fußball am Beispiel Newcastle beim Eigentümer-Test scheitert

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Übernahme von Newcastle United durch Saudi-Arabien sorgt in England weiterhin für Wirbel.
Die Übernahme von Newcastle United durch Saudi-Arabien sorgt in England weiterhin für Wirbel. © IMAGO/PA Images
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Die Fans von Newcastle United feiern die Übernahme durch Saudi-Arabien und liefern damit verstörende Bilder. Versagt hat allerdings die Premier League, die immer wieder fragwürdige Klub-Eigner durchwinkt, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Der englische Fußball wird erschüttert in diesen Tagen, und zwar durch die Übernahme Newcastle Uniteds durch eine Investorengruppe, hinter der zu 80 Prozent der Staatsfonds Saudi-Arabiens steckt. Zwar beteuern alle Seiten, dass dieser Fonds eigenständig handele und nicht mit dem Staat gleichzusetzen sei, doch das ist nur schwer zu glauben. Die allgemeine Deutung ist, dass sich nach Manchester City (Abu Dhabi) neuerdings ein weiterer Klub aus der Premier League in der Hand eines reichen Öl-Staats befindet, dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.

Newcastles Fan-Gemeinde stört das nicht. Nach 14 trostlosen Jahren unter dem Sportartikel-Magnaten Mike Ashley feiert sie die Übernahme durch die Saudis in der Hoffnung auf glamouröse Transfers und Champions-League-Nächte im Flutlicht des St. James’ Park. Und so verstörend die Bilder von euphorischen Anhängern in Scheich-Kostüm und mit der Flagge Saudi-Arabiens sind – nicht die Fans haben es zu verantworten, dass sich Newcastle United neuerdings praktisch in Besitz eines zweifelhaften Regimes befindet. Diese Verantwortung fällt der Liga zu.

Die Premier League und die für die unteren Spielklassen zuständige EFL sind theoretisch in der Lage, die Übernahme von Vereinen durch Eigner mit unlauteren Motiven zu verhindern, und zwar mit dem so genannten Eigentümer-und-Direktoren-Test. Der ist allerdings zu lasch und konnte in der Vergangenheit ebenso wenig verhindern, dass Wigan Athletic und die Bolton Wanderers von unseriösen Geschäftsleuten in die Insolvenz geführt oder der FC Bury praktisch aus der Vereinslandschaft gelöscht wurden. In der Premier League durfte Scheich Mansour Manchester City ebenso übernehmen wie nun der Staatsfonds Saudi-Arabiens Newcastle United.

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Die Ligen – das sind die Vereine selbst. Wenn sie sich strengere Regeln auferlegen wollten, könnten sie das tun, doch offenbar wollen sie das nicht. Große Hoffnungen hat die Öffentlichkeit deshalb in eine so genannte Fan-geführte Untersuchung des britischen Fußballs unter Vorsitz der einstigen Sport-Ministerin Tracey Crouch. Eines ihrer Untersuchungsergebnisse ist offenbar, dass der Fußball auf der Insel eine unabhängige Regulierungsstelle braucht. Diese könnte dann auch darüber wachen, wer einen Verein kaufen darf – und wer nicht.