11. Dezember 2019 / 11:55 Uhr

Opas Bergfest: Der „King“ wieder bei Holstein Kiel - Nur ein Traum?

Opas Bergfest: Der „King“ wieder bei Holstein Kiel - Nur ein Traum?

Andreas Geidel
Opas Bergfest heute mit dem Thema Relegation.
Opas "Bergfest" heute mit dem Thema Relegation. © Andrè Haase
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Eine Rückkehr ins Nest der Störche auf Leihbasis wären weder für Schindler noch für Karazor ein Rückschritt

Nach der unglücklichen 2:4-Heimniederlage gegen Osnabrück ist für den Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel vor dem Hinrunden-Finale beim 1. FC Nürnberg (Sonntag, 13.30 Uhr). Dem fränkischen Erstliga-Absteiger steht auch eine sportliche Etage tiefer das Wasser bis zum Halse: Relegationsplatz 16! Mehr als die 32 Gegentreffer hat kein Team der Liga kassiert.

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Diese Zahl zeigt, wo der Schuh beim Club aktuell am heftigsten drückt. Und auch die 22 selbst erzielten Tore sind nach 16 Spieltagen wahrlich kein Ruhmesblatt. Vor allem die Tendenz dürfte den Franken Sorgen bereiten. In den vergangenen zehn Partien (jener Zeitraum, in dem Ole Werner den Störchen als Cheftrainer vorsteht) erreichten die mit deutlich höher gesteckten Zielen gestarteten Nürnberger einen Magerschnitt von nur 1,3 Treffern pro Partie. Zum Vergleich: die Holstein-Profis trafen im gleichen Zeitraum zweimal pro Spiel.

Jens Keller soll den 1. FC Nürnberg als Nachfolger des am 5. November entlassenen Damir Canadi in gesicherte Gefilde führen. Bislang ohne Erfolg – drei Spiele, ein Punkt! Ist der Name des neuen Coaches sportliches Programm beim Club?

Nein, zur Häme besteht aus Kieler Sicht kein Grund. Ganze sechs Zähler trennen die Nordlichter als Tabellen-Zehnter vom fränkischen Fußball-Stolz. Allerdings sind die Schultern der Kieler speziell auswärts extrem breit – vier Siege in fünf Spielen unter Ole Werner!

Zahlenspielereien, die am Sonntag schnell zur Makulatur verkommen könnten. Dann nämlich, wenn die spielerisch zuletzt durchweg ansprechend auftretenden Störche ähnlich fahrlässig vor dem gegnerischen Tor agieren wie gegen Osnabrück. Oder lag's am vergangenen Sonnabend gar an der Laufleistung? Sieben Kilometer mehr spulten die Niedersachsen im Holstein-Stadion an. Ein unterdurchschnittlicher Wert für die KSV Holstein, die mit 116 Kilometern pro Partie auf Platz fünf der Zweitliga-Lauftabelle rangiert. Und überhaupt: Unter Ex-Coach Markus Anfang gelang in der Aufstiegssaison 2017/18 fast der Durchmarsch in Liga eins. Mit einem Laufschnitt von nur 112,7 km pro Spiel (Platz 16). Geringfügig besser in dieser Saison: Aufsteiger Fortuna Düsseldorf als 15. des Lauf-Rankings. Anfangs Maxime lautete damals: Nur wer schlaue Wege zum richtigen Zeitpunkt macht, läuft richtig!

Auch in Köln arbeitete Anfang mit diesem Credo als Leitplanke. Die Geschichte ist bekannt. Trotz fast besiegelten Bundesliga-Aufstiegs musste Anfang seinen Hut nehmen. Was allerdings weniger an der Kilometerzahl gelegen haben dürfte. Und auch sein Nachfolger Achim Beierlorzer ist schon wieder weg bei den Geißböcken. Was aber passiert unter dem aktuellen Fußballlehrer Martin Gisdol? Da rannten die Kölner zuletzt beim 0:2 an der Alten Försterei vier Kilometer weniger als Gastgeber Union Berlin.


Nicht nur, aber eben auch für das Bundesliga-Schlusslicht vom Rhein gilt: du musst einfach ein Tor mehr schießen als der Gegner. Lediglich zwölf Buden stehen nach 14 Spieltagen auf dem Konto der Kölner. Liga-Minuswert!

Abhilfe könnte der Ex-Storch Kingsley Schindler schaffen. Doch der einstige Kieler Flügel-King gerät unter Gisdol offenkundig ins Abseits. Nach elf Einsätzen (neunmal Startelf) musste der 26-Jährige im Heimspiel gegen Augsburg (1:1) 90 Minuten lang auf der Bank schmoren. Und am vergangenen Sonntag in Berlin zählte Schindler nicht einmal mehr zum Kader. Laut Kölner Medien eine Quittung für schlechte Trainingsleistungen.

Am Rhein weht derzeit ein rauer Wind. Sportchef Horst Heldt hat eine harte Welle angekündigt, Rausschmisse in der Winterpause inklusive. Ob er auch Schindler im Visier hat?

Der gebürtige Hamburger benötigt Vertrauen, um Höchstleistungen zu bieten. Wie die meiste Zeit während seiner drei Jahre in Kiel. Mag sein, dass es an der Förde im Schnitt einige Grade kühler ist als am Rhein. Dagegen steht die Wärme, die die familiäre Idylle im Nest der Störche erzeugt.

Laszlo Benes (Bundesliga-Spitzenreiter Mönchengladbach) und Masaya Okugawa (Champions League mit RB Salzburg) sind in diesem Ambiente als Leihspieler Flügel gewachsen. Nur zwei Beispiele, die belegen, dass Holstein Kiel eine gute Adresse für aufstrebende Akteure mit kleiner Leistungsdelle ist. Schindler besitzt in Köln einen Kontrakt bis 2023. Wäre in diesem Zeitrahmen – wenn denn wirtschaftlich darstellbar - nicht eine Winter-Leihe zurück nach Kiel bis zum Sommer für alle Beteiligten sinnvoll? Kein Rückschritt, sondern eine stimulierende Maßnahme im vertrauten Kieler Kreis?

Gleiches gilt für Mittelfeld-Akteur Atakan Karazor. Der 23-Jährige ist beim Kieler Liga-Konkurrenten VfB Stuttgart unter Zieh-Vater Tim Walter ins zweite Glied gerutscht, kam in den jüngsten drei Spielen nicht mehr zum Einsatz. Auch Karazor besitzt einen Vertrag bis 2023 und hat deshalb keine übertriebene Eile, seine ambitionierten sportlichen Ziele mit einem Zwischenstopp an der Förde zu erreichen.

Janni Serra, Jae-Sung Lee, „Emma“ Iyoha plus Kingsley Schindler in vorderster Front? Jonas Meffert, Alexander Mühling, Salih Özcan, Aleksandar Ignjovski plus Atakan Karazor im Mittelfeld? Personelle Träume, die erlaubt sein müssen. Ganz unabhängig von statistischen Daten.

Opas Holstein-Talk bei Fritten-Andy - Heute zu Gast: Dr. Bernd Brexendorf

Infos zum Gewinnspiel:

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. Zur Galerie
Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. ©

Vielen Dank für die zahlreichen Einsendungen im Rahmen des Gewinnspiels in der vergangenen Woche. Gefragt wurde nach einem Tipp für das Heimspiel der Kieler Störche gegen den VfL Osnabrück. Getroffen hat das richtige Ergebnis von 2:4 niemand. Die von der Holstein Kiel Marketing zur Verfügung gestellten zweimal zwei Sitzplatzkarten für das Hallenmasters in der Kieler Sparkassen-Arena am 10. Januar 2020 werden deshalb per Losverfahren an den Mann/die Frau gebracht. Die Gewinner werden zeitnah von uns via Facebook informiert.