02. März 2020 / 17:47 Uhr

Oberhavel verurteilt Hopp-Schmähplakate in Stadien

Oberhavel verurteilt Hopp-Schmähplakate in Stadien

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Unions Fans auf der Waldseite zeigten während des Spiels gegen den VfL Wolfsburg ein Banner mit dem Schriftzug Hurensohn und das Abbild von Dietmar Hopp, Mäzen des TSG 1899 Hoffenheim, im Fadenkreuz.
Unions Fans auf der Waldseite zeigten während des Spiels gegen den VfL Wolfsburg ein Banner mit dem Schriftzug "Hurensohn" und das Abbild von Dietmar Hopp, Mäzen des TSG 1899 Hoffenheim, im Fadenkreuz. © Andreas Gora/dpa
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Bei den Fußballvereinen aus Oberhavel wurde nach den Aktionen am Wochenende gegen den Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp rege diskutiert und analysiert.

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Bundesweit wurde am vergangenen Wochenende in der 1. Fußball-Bundesliga gegen den Deutschen Fußball-Bund protestiert. Außerdem nahmen zahlreiche Fangruppierungen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp via Plakat ins Fadenkreuz. Schmähgesänge und -plakate stehen an der Tagesordnung, die Stadien verrohen – bilden sie doch gleichzeitig ein Abbild der Gesellschaft. Aber auch in tieferen Ligen wird protestiert. Am Rande des Oberliga-Spiels in der Nordoststaffel des Nordostdeutschen Fußballverbandes zwischen der TSG Neustrelitz und Blau-Weiß 90 Berlin hielten Anhänger des Gastgebers ein Plakat mit der Aufschrift „Ex und Hopp“ in die Höhe. Eine Stadiondurchsage erklang mit der Bitte, dies zu unterlassen.

Ronny Erdmann: "Das ist nicht angemessen"

Die höchstklassigen Fußballteams in Oberhavel spielen in der Brandenburgliga, freuen sich dennoch Wochenende für Wochenende über konstruktive Unterstützung, die im Rahmen bleibt. Zudem gibt es zahlreiche weitere Teams auf Landes- und Kreisebene. „Mit einer derartigen Form des Protestes haben wir bisher keine Erfahrung gemacht. Es ist nicht angemessen, einzelne Menschen ins Fadenkreuz zu nehmen“, urteilte Ronny Erdmann, Manager beim SV Zehdenick, dessen Team oft von der „Pöbelkurve“ unterstützt wird. „Solche diffamierenden Schmähgesange und Plakate halten sich bei uns in Grenzen“, sagte Erdmann. „Natürlich haben wir auch darüber diskutiert.“

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Gesprächsthema Nummer eins waren die Schmähplakate bei Fortuna Glienicke nicht, „aber wir haben natürlich darüber gesprochen“, sagte Fußball-Abteilungsleiter Roland Kerst. „Ich habe für diese Aktionen einfach kein Verständnis. Das ist einfach unterste Schublade.“ Die Glienicker spielen mittlerweile in der Landesliga, haben solche großen Proteste selbst bei sich noch nicht erlebt. „Aufgrund unseres schnellen Aufstieges wurden wir auch immer Kritik ausgesetzt. Im Fußball in den unteren Ligen gibt es vor allem rassistische Gesänge, gegen die man vorgehen muss“, sagte Kerst, der sich zudem auch über mögliche Konsequenzen seine Gedanken macht. „Es musste jedenfalls mal ein Zeichen gesetzt werden.“ Verurteilt hat auch Torsten Thiel, Trainer von TuS Sachsenhausen, die Aktionen am vergangenen Wochenende. „Weder diese Plakate noch Rassismus oder Sexismus haben etwas im Stadion zu suchen. So etwas macht einfach unseren Sport kaputt und gehört sich nicht“, meinte Thiel, der vor allem die Maßnahmen der Spieler, des Schiedsrichters und der Verantwortlichen in Sinsheim lobte.

Kritisch sieht auch Philipp Holzhauer, Trainer des Kreisoberligisten TuS Sachsenhausen II, die Vorfälle am vergangenen Wochenende. „Wir haben bei uns in der Liga eher weniger mit Plakaten zu tun. Aber Schmähgesänge bekommt man schon am Rande mit, was so einfach nicht geht und man sich ganz klar dagegen positionieren muss", so Holzhauer. „Jeder Fan sollte eher seine eigene Mannschaft unterstützen, anstatt den Gegner zu diffamieren. Da darf auch kein Zuschauer daneben stehen und schweigen, wenn er so etwas mitbekommt. Da muss laut gegen aufgestanden werden.“

Ähnlich kritisch sehen die Verantwortlichen des Fußballkreises Oberhavel/Barnim die Proteste. Wie sich die Lage in den Stadien weiterentwickelt, wird man sehen. Denn schon heute stehen die ersten beiden Viertelfinalpartien im DFB-Pokal auf dem Programm.