23. März 2018 / 10:58 Uhr

Oberhavel: Immer weniger Teams im Fußball-Norden 

Oberhavel: Immer weniger Teams im Fußball-Norden 

Knut Hagedorn
Märkische Allgemeine Zeitung
Im Oberhavel-Norden gibt es immer weniger Mannschaften.
Im Oberhavel-Norden gibt es immer weniger Mannschaften. © MAZ
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Fußballkreis Oberhavel/Barnim: Immer mehr Mannschaften melden ab – vor allem der Frauenbereich kämpft.

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Seit vielen Jahren hat der Norden des Landkreises Oberhavel mit dem so genannten demografischen Wandel zu kämpfen. Vor allem die jüngere Bevölkerung zieht es mehr und mehr in die Ballungszentren, vor allem nach Berlin. Die Gemeinden werden kleiner und ihre Bewohner im Durchschnitt auch immer älter. Dieses Phänomen betrifft auch den Fußball, denn immer mehr Mannschaften kämpfen um das nackte Überleben. Vor zehn Jahren sah die Welt da noch deutlich entspannter aus. Zur Saison 2008/09 vermeldete der Fußballkreis Oberhavel 97 Mannschaften im Herren- und Frauenbereich. Ein Jahrzehnt später liegt die Zahl bei 80.

Vereine wie der SSV Lehnitz, der SVB Schmachtenhagen, Rot-Weiß Barsdorf sowie seit kurzem der SV Hammer sind überhaupt nicht mehr im laufenden Spielbetrieb zu finden. Gerade im Norden Oberhavels lichtet sich die Fußball-Landkarte zusehends: Hatten Vereine wie Krewelin, Bredereiche, Burgwall oder auch Gransee früher zwei gut bestückte Männermannschaften, ist man inzwischen froh, überhaupt noch eine Truppe für den Spielbetrieb stellen zu können.

Diese Teams sind nicht mehr im Spielbetrieb.
Diese Teams sind nicht mehr im Spielbetrieb. © MAZ
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Für Kenner der Fußballszene, gerade im Oberhavel-Nordkreis, kommt die Entwicklung nicht überraschend. Rene Boltze, viele Jahre in Gransee und Häsen als Spieler und Trainer aktiv, glaubt, dass der rückläufige Trend noch lange nicht beendet ist: „Der Verfall wird noch extremer werden. Viele junge Leute ziehen weg, weil ihnen natürlich auch beruflich die Perspektive fehlt. Gerade für den Norden wird das ein existenzielles Problem werden in den kommenden Jahren. Schon jetzt fehlt ja auch in vielen kleineren Gemeinden schlichtweg der Nachwuchs.“, so Boltze. „Ich glaube, es wird sich zukünftig auf vier, fünf Standorte im Norden belaufen, der Rest wird von der Landkarte verschwinden.“

Allerdings sieht Boltze, der momentan noch für die zweite Häsener Männermannschaft in der 1. Kreisklasse West aufläuft, auch ein Mentalitätsproblem: „Die heutige Generation an Spielern muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht mehr alles für den Fußball zu geben. Vieles andere ist wichtiger, man ist nicht mehr bereit, viel Zeit in sein Hobby zu investieren. Das war früher anders. Das ist vor allem im Altherrenbereich zu sehen, wo sich jetzt meine Generation an Spielern tummelt. Da gibt es kaum personelle Probleme und du musst echt um deinen Stammplatz bangen und kämpfen, weil die Fußballverrückten immer da sind“, so der 44-Jährige Häsener.

Zum Durchklicken: Die Kreismeister des Fußballkreises Oberhavel/Barnim (bis 2013/2014 FK Oberhavel)

2002/2003 - Rot-Weiß Flatow: Birkenwerder führte in der Tabelle schon deutlich, doch die Flatower nahmen dem BBC noch die Butter vom Brot. Am Ende jubelten die Männer von Trainer Mario Falkowski (obere Reihe, r.), der auch heute wieder das Sagen bei den Rot-Weißen hat. Birkenwerder verpasste zum dritten Mal in Folge den Staffelsieg knapp. Heute kämpft Flatow in der Kreisliga um Punkte. Zur Galerie
2002/2003 - Rot-Weiß Flatow: Birkenwerder führte in der Tabelle schon deutlich, doch die Flatower nahmen dem BBC noch die Butter vom Brot. Am Ende jubelten die Männer von Trainer Mario Falkowski (obere Reihe, r.), der auch heute wieder das Sagen bei den Rot-Weißen hat. Birkenwerder verpasste zum dritten Mal in Folge den Staffelsieg knapp. Heute kämpft Flatow in der Kreisliga um Punkte. ©

Einen beträchtliche Zäsur in den vergangenen zehn Jahren gab es vor allem im Frauenbereich. In der Saison 2008/09 bestand die Frauen-Kreisliga noch aus 16 Mannschaften – heute nicht mehr vorstellbar. Vereine wie Barsdorf, Flatow, Germendorf, Häsen, Liebenwalde, Mühlenbeck oder Zehdenick sind längst nicht mehr dabei. Die aktuelle Frauen-Kreisliga Oberhavel/Barnim besteht aus elf Mannschaften, wovon sieben aus dem Oberhavel-Kreis kommen.

Das Flaggschiff des Frauenfußballs war über viele Jahre Rot-Weiß Flatow. In der höchsten Landesspielklasse zählte der Club Jahr für Jahr zum Kreise der Titelanwärter, dazu gewannen die Flatowerinnen mehrfach den Landespokal und spielten im DFB-Pokal. 2015 endete mit der Abmeldung der letzten noch verbliebenen Frauenmannschaft diese Ära. „Uns hat einfach der Nachwuchs gefehlt. Irgendwann konnten wir die altersbedingten Abgänge nicht mehr kompensieren“, blickt der einstige Erfolgstrainer Helmut Nikoleit zurück. „In der ersten Zeit nach der Abmeldung war es sehr hart für mich, das zu akzeptieren, inzwischen geht es. Wir hatten dennoch tolle zwölf Jahre. Leider geht der Trend aber dahin, da ist der Frauenfußball keine Ausnahme.“

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