14. November 2019 / 17:56 Uhr

Oberhavel/Barnim: Lange Sperre und Geldstrafe nach Attacke auf Schiedsrichter

Oberhavel/Barnim: Lange Sperre und Geldstrafe nach Attacke auf Schiedsrichter

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Das Essener Sportgericht hat fast einer kompletten Kreisliga-Mannschaft die Rote Karte gezeigt - für mindestens ein Jahr lang.
Der Oranienburger Spieler wird bis zum Saisonende gesperrt. © imago images/Laci Perenyi
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Ü35-Kreisliga Oberhavel/Barnim: Altherren-Akteur des Oranienburger FC Eintracht wird bis zum Saisonende gesperrt, nachdem er den Referee im Pokalspiel gegen Mildenberg umgecheckt hatte.

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Eine Sperre im Spielbetrieb bis zum 30. Juni 2020 sowie eine Geldstrafe von 150 Euro: Mit diesen harten Konsequenzen muss ein Spieler der Ü35-Fußballer des Oranienburger FC Eintracht (Name ist der Redaktion bekannt) nun leben, der im Pokalspiel Mitte Oktober dieses Jahres gegen die SG Mildenberg (8:7 n.E.) den Unparteiischen tätlich angegangen ist. Darüber informierte nun der Fußballkreis Oberhavel/Barnim. „Wehret den Anfängen“, sagt FK-Chef Michael Reichert. „Wir wollen konsequent gegen so ein Fehlverhalten vorgehen. Es soll ein Einzelfall bleiben.“

Denn in Zeiten, in denen bundesweit die Attacken gegen die Unparteiischen vermehrt und heftiger zunehmen sowie die Zahl der ehrenamtlichen Referees sinkt – seit 2011 gibt es den Verlust von fast 22 000 Schiedsrichtern in gut acht Jahren –, wollen die Verantwortlichen schnell handeln. „Hoffentlich zeigen die Maßnahmen erzieherische Wirkung, damit so etwas nicht noch einmal passiert“, sagt Reichert. Im Vergleich der 16 Bundesländer bilden Attacken gegen die Unparteiischen in Brandenburg eher die Ausnahme und „sind nichts im Vergleich mit den Vorfällen in Berlin oder Hessen“, wie Heinz Rothe, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB), erst kürzlich feststellte.

Was war aber vor rund vier Wochen in Oranienburg auf dem Kunstrasenplatz an diesem Freitagabend passiert? In der 100. Spielminute der Pokalpartie zwischen dem Oranienburger FC Eintracht und der SG Mildenberg erhielt der bereits gelb-verwarnte OFC-Spieler nach einem weiteren Foulspiel die Gelb-Rote Karte. „In Folge dessen nahm der Spieler aus zirka sechs bis sieben Metern Anlauf auf den Schiedsrichter und gab diesem mit seinem Körper frontal einen heftigen Check“, teilte Michael Reichert zu der besagten Situation mit. „Seine Mitspieler reagierten sehr besonnen und haben ihn sofort vor weiteren Handlungen zurückgehalten.“ In der Folgezeit forderte der Unparteiische mehrmals den OFC-Akteur auf, das Spielfeld zu verlassen, damit die Partie fortgesetzt werden konnte. Am Ende gewannen die Oranienburger das Match mit 8:7 nach Elfmeterschießen.

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Aber: Gibt es nach so einem Vorgehen überhaupt einen Sieger und hat der Fußballsport im Allgemeinen dadurch verloren? „Grundlegend darf so etwas auf dem Platz nicht passieren. Ich erwarte von allen Spielern, dass die Unparteiischen in Ruhe gelassen werden“, sagt Lars Köhler, Verantwortlicher und Spieler der Oldies des OFC. „Der besagte Spieler hat sich entschuldigt und wird Teil des Teams bleiben.“ Köhler findet, dass die nun verhängte Strafe „vertretbar“ sei. Diese wurde jüngst beim Sportgerichtsverfahren in Eberswalde gesprochen. Dort war der Beteiligte OFC-Akteur aber nicht persönlich anwesend, wie Reichert berichtet: „Ein Vertreter des OFC räumte das absolute Fehlverhalten des Spielers umfänglich ein.“ Dieser nutzte zudem die Gelegenheit, um in seinen Abschlussworten noch einmal zu bekräftigen, „sich gegen alle Formen von Hass, Diskriminierung und Tätlichkeiten im Sport und im Besonderen auf allen Fußballplätzen auszusprechen“, wie Reichert schildert. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, da der OFC-Vereinsvertreter dieses nach der Verkündung annahm.

Nach diesen Turbulenzen will man sich bei den OFC-Oldies aber wieder auf das Wesentliche, den Fußball, konzentrieren. Denn bereits am heutigen Freitagabend steht in der Kreisliga Oberhavel/Barnim das nächste Spiel auf dem Programm. Es geht gegen den FC 98 Hennigsdorf – ohne besagten Akteur, der sich in den nächsten Monaten Gedanken abseits des Fußballsports über seinen tätlichen Angriff und die Konsequenzen machen kann.

Fälle von Gewalt an Schiedsrichtern in Oberhavel

August 2019: In der Kreisoberliga-Partie zwischen Sachsenhausen II und Eberswalde II wurde Ronny Schabanowski, gerade erst zum Schiedsrichter des Jahres gewählt, von einem Eberswalder Spieler angespuckt. Die Folge: Sperre bis Juni 2020.

September 2013: Im Derby der 1. Kreisklasse zwischen dem SV Zehdenick II und Einheit Krewelin landete Schiedsrichter Bernd Trojanowski nach einer Tätlichkeit des Kreweliner Kapitäns Tino Wienecke am Boden. Er erhielt ein halbes Jahr Sperre (bis zum 30. April 2014).

Juni 2012: Referee Bernd Trojanowski, damals noch Fußballkreis-Chef in Oberhavel, wurde in einer Partie der 1. Kreisklasse vom Mildenberger Björn Becker per Kopfstoß niedergestreckt. Der Kicker erhielt eine zehnmonatige Sperre.

Oktober 2009: Falko Martischewski vom FC 98 Hennigsdorf II schubste Michael Wendorf in der Kreisliga-Partie gegen Kremmen mit beiden Händen. „Ich erkenne jede Strafe an“, sagte der einsichtige Kicker, der gut zwei Monate pausieren musste.

März 2007: Sascha Kater, Torhüter vom SV Rot-Weiß Flatow, versetzte dem damaligen Schiedsrichter Dietmar Jung im Landesklassen-Spiel gegen Ketzin/Falkenrehde einen Kopfstoß übers Auge. Erst Ende Mai 2007 gab es ein Urteil: Kater wurde für ein ganzes Jahr (bis 30. Juni 2008) gesperrt.

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