16. Juli 2019 / 22:19 Uhr

Mbappé-Show beim Fußballfest: Dynamo Dresden verliert gegen Paris Saint-Germain mit 1:6

Mbappé-Show beim Fußballfest: Dynamo Dresden verliert gegen Paris Saint-Germain mit 1:6

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
PSG-Superstar Kylian Mbappé hat gegen Dynamo Dresden eine wahre Tor-Show gefeiert.
PSG-Superstar Kylian Mbappé hat gegen Dynamo Dresden eine wahre Tor-Show gefeiert. © dpa-Zentralbild
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Fußballherz, was willst du mehr? Dynamo Dresden hat am Dienstagabend vor 30.003 Zuschauern im annähernd ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion ein großes Fußballfest gegen Paris Saint-Germain gefeiert.

Dresden. Gegen den französischen Meister Paris Saint-Germain hieß es am Ende 1:6 für Zweitligist Dynamo Dresden. Doch das deutliche Ergebnis in diesem Testspiel war zu erwarten. Im Mittelpunkt stand vor allem das Erlebnis für die Dynamos, sich einmal mit absoluten Weltklasse-Kickern zu messen.

Tuchel von PSG-Leistung überzeugt

Superstar Kylian Mbappé hatte den haushohen Favoriten standesgemäß in Führung gebracht (6.), der deutsche Nationalspieler Julian Draxler erhöhte (18.), erneut Mbappé stellte den 0:3-Halbzeitstand her (34.). In Halbzeit zwei stellten Arthur Zagre (48.), Virgiliu Postolachi (61.) und Adil Aouchiche (71.) auf 0:6, bevor Moussa Koné in der 76. Minute per Elfmeter den Dresdner Ehrentreffer herstellen konnte.

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Dynamo Dresden verliert das Testspiel gegen Paris Saint-Germain mit 1:6. Zur Galerie
Dynamo Dresden verliert das Testspiel gegen Paris Saint-Germain mit 1:6. ©

"Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir haben es gut gemacht. Wir haben in der ersten Halbzeit gesehen, dass die Mannschaft so schon zusammengespielt hat. Mbappé freut sich auch im Training, wenn er trifft. Er ist extrem hungrig auf Tore", sagte Paris-Trainer Thomas Tuchel, der ohne Superstar Neymar und BVB-Neuzugang Abdou Diallo angereist war, nach dem Spiel und lobte die Gastgeber: "Es war nicht einfach, weil Dynamo nächste Woche schon anfängt und wir erst neun Tage im Training sind. Es war eine Herausforderung und der Rahmen war sensationell."

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Mbappé zum Ersten

Der PSG-Coach war mit einigen Stars in die sächsische Landeshauptstadt gereist, darunter neben Mbappé und Draxler auch Italiens Nationalspieler Marco Verratti, Belgiens Thomas Meunier, Deutschlands Thilo Kehrer und der spanische Ex-Bayern-München-Profi Juan Bernat. Das Spiel begann mit einer Schweigeminute zu Ehren Jörg Stübners. Das einstige Dresdner Mittelfeld-Ass war Ende Juni im Alter von nur 53 Jahren verstorben. Dynamo-Präsident Holger Scholze ehrte ihn mit einer kurzen Rede. Abschließend gab es Applaus von den Rängen für das frühere Vereinsidol.

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<b>5. April 1984:</b> Dynamo Dresden trifft im Rahmen eines Testspiels auf Waldhof Mannheim. Hier wird 
Günter Sebert (Mannheim, li.) von Jörg Stübner (Dresden) verfolgt. Zur Galerie
5. April 1984: Dynamo Dresden trifft im Rahmen eines Testspiels auf Waldhof Mannheim. Hier wird Günter Sebert (Mannheim, li.) von Jörg Stübner (Dresden) verfolgt. ©

Gleich zu Beginn des Aufeinandertreffens mit dem Champions-League-Teilnehmer zeigte Kylian Mbappé, dass er auch nur ein Mensch ist und mit Wasser kocht, als er unbedrängt bei einer scharfen Hereingabe von rechts ein Luftloch schlug (3.). Doch schon der nächste Angriff saß: Dzenis Burnic leistete sich einen Fehlpass und schon war der 20-jährige Flitzer auf und davon. Dynamos U19-Talent Kevin Ehlers bekam nur noch Mbappés Hacken zu sehen, der allein im Strafraum ganz cool Kevin Broll zum 0:1 überlupfte.

Dynamo aussichtsreich

Doch auch die Dynamos, diesmal ganz in Weiß in den neuen Auswärtstrikots, versteckten sich nicht. Haris Duljevic, einziger A-Nationalspieler im Dresdner Kader (Paris hat deren 17), fasste sich ein Herz und ließ auf dem Weg von der Mittellinie zum gegnerischen Strafraum unnachahmlich gleich mal fünf verdutzte Pariser stehen. Sein Abschluss ging dann allerdings knapp links nebens Tor der Kicker von der Seine, das diesmal Frankreichs Nationaltorwart Alphonse Aréola hütete. Der Ex-Frankfurter Kevin Trapp saß zunächst nur auf der Bank.


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Die klareren Aktionen hatten aber auch weiterhin die Franzosen. In der 14. konnte Mbappé erneut Ehlers kurz entwischen, diesmal klatschte der Ball aus spitzem Winkel aber vom Außenpfosten ins Aus. Glück für die SGD. Kurz darauf erarbeiteten sich aber auch die Schwarz-Gelben eine aussichtsreiche Chance per Standard. Kapitän Niklas Kreuzer fand Abwehrmann Jannis Nikolaou, der mit der Fußspitze an den Ball kam, den Aréola aber vor Lucas Röser klären konnte (16.).

Mbappé am Boden

Dann allerdings wusch PSG nach. Julian Draxler war im Strafraum plötzlich total frei, als Dresdens Abwehrkette wohl auf Abseits spekulierte und stehen blieb. Kevin Ehlers hob es auf. Der deutsche Nationalspieler, einst in Diensten von Schalke 04, hatte keine Mühe, den Ball an Kevin Broll vorbei zum 0:2 ins Tor einzuschieben (18.). Dann endlich bekam Dynamos Torwart-Neuzugang bei seinem ersten Auftritt im Rudolf-Harbig-Stadion aber auch seine Gelegenheit, sich auszuzeichnen: Bei der scharfen Hereingabe von Rodriguez auf Thomas Meunier verkürzte er geschickt den Winkel und ermöglichte sogar einen Konter, der erst per Foul an Duljevic gestoppt werden konnte.

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Nach einer knappen halben Stunde dann eine Schrecksekunde: Kylian Mbappé blieb nach einem Zweikampf mit Jannis Nikolaou liegen, musste behandelt werden. Doch als er wieder aufstand, erhielt er warmen Applaus aus dem Dresdner Publikum – das kurz darauf seine Dynamos zweimal gefährlich vorm Pariser Tor sah, doch die Schüsse des 18-jährigen Neuzugangs Matthäus Taferner aus Österreich wurden einmal durch Thomas Meunier zur Ecke geblockt bzw. gingen dann daneben (31./32.).

Schnelle Dynamo-Vorstöße

Danach bekam Dynamo aufgezeigt, wie tödlich eine Schlafeinlage gegen ein Spitzenteam ist: Marco Verratti führte einen Freistoß blitzschnell aus, als er einen Freistoß über die Abwehrkette hob. Dort tauchte wieder Kylian Mbappé mutterseelenallein vor Kevin Broll auf. Der flache, platzierte Schuss ging durch die Beine des Dresdner Schlussmanns zum 0:3 ins Netz (34.). Das klare Ergebnis war Beleg dafür, dass die Franzosen dem Zweitligisten aus Elbflorenz in allen Belangen überlegen waren.

Doch auch bei den motivierten Dynamos lief einiges zusammen: Sehenswert war die im Trainingslager in Österreich einstudierte Variante mit dem Kombinieren aus der Abwehr heraus (40.), als mehrere Pariser ins Leere liefen und nach vorn die Post abging. Thilo Kehrer konnte Duljevic bei dem blitzschnellen Vorstoß mit Mühe an der Außenlinie stellen (40.). Dennoch: Solche Angriffsszenen sah SGD-Chefcoach Cristian Fiel natürlich gern.

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Der Kader der SG Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Neuverpflichtungen zur Saison 2019/20 stehen bereits fest. ©

0:4 direkt nach Wiederanpfiff

Kurz vorm Pausenpfiff dann doch noch eine Chance für die SGD: Nach einem Ballverlust von Mbappé war plötzlich Florian Ballas im gegnerischen Strafraum am Ball und legte quer auf Niklas Kreuzer, dessen Schuss Kehrer zur Ecke abwehrte, die aber nichts mehr einbrachte. Pause und Feierabend für die deutschen Nationalspieler Draxler und Kehrer sowie für Keeper Aréola, für den Kevin Trapp ins Tor rückte. Cristian Fiel wechselte wie angekündigt sein Team munter durch, einzig Florian Ballas spielte weiter.

Der zur Pause gekommene Tim Boss musste schon nach knapp drei Minuten hinter sich greifen, als der ebenfalls eingewechselte Arthur Zagre sich Ball und Gegner zurechtlegte und trocken zum 0:4 vollendete (48.). Hier zeigten die Dresdner zu wenig Gegenwehr. Im Gegenzug scheiterte dann aber Moussa Koné bei seinem Sturmlauf von der rechten Außenlinie bis ins Zentrum aus spitzem Winkel an Trapp (49.).

Atilgan mit gefährlichen Aktionen

Die volle Hand besorgte in der 61. Minute Virgiliu Postolachi, der in der Luft nach Hereingabe von Mbappé vor allem Tim Boss irritierte, aber eben auch am Ball war. Hier gab es jedoch Pfiffe von den Rängen, weil Koné zuvor nach einem Zweikampf liegenblieb und die Franzosen einfach weiterspielten. Kurz darauf war Feierabend für Doppeltorschütze und 200-Millionen-Euro-Marktwert-Mann Mbappé, der zum Abschluss noch mal viel Applaus bekam.

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Nach 67 Minuten forderte das ganze Stadion Freistoß nach vermeintlichem Foul an René Klingenburg nahe der Strafraumgrenze, doch die Pfeife von Schiedsrichter Nicolas Winter blieb stumm. Unmittelbar danach kam Klingenburg jedoch erneut an den Ball und legte quer, Atilgan war bei seinem Abschluss aber zu überrascht. Doch der Deutsch-Türke wusste in Halbzeit zwei mit mehreren gefährlichen Aktionen (63., 67.) zu überzeugen.

Testspiel für Dynamo, PSG und den VAR

Erneut knipsten jedoch die Franzosen – diesmal Adil Aouchiche (71.), der mit seinem Abschluss ins kurze Eck den kurz zuvor eingewechselten Patrick Wiegers im Dresdner Tor übertölpelte und auf 0:6 erhöhte. Dann jedoch schlug Dynamos Stündlein: Mbe Soh attackierte Moussa Koné im Strafraum und der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß (75.). Diese Gelegenheit ließ sich der Senegalese nicht nehmen und verwandelte vom Elfmeterpunkt gegen Kevin Trapp zum 1:6 – das Ehrentor der wacker kämpfenden Dynamos. Kurz darauf musste Koné verletzt raus, für ihn kam Max Kulke (80.). Patrick Möschl hatte noch eine starke Aktion, als der Österreicher in Minute 83 nach innen zog und im letzten Moment geblockt wurde. Da waren aber natürlich längst alle Messen gelesen.

Die Partie war auch ein Testlauf für den Videoassistenten, der ab dieser Spielzeit in der 2. Bundesliga zum Einsatz kommt. Er machte allerdings keine offensichtlichen Probleme und kam nur bei einer kurzen Überprüfung des Pariser Tors zum 0:6 zum Einsatz – ohne Beanstandungen.

Dynamo 1. Halbzeit: Broll – Ballas, Ehlers, Nikolaou – Kreuzer, Taferner, Burnic, Atik, C. Löwe – Röser, Duljevic

Dynamo 2. Halbzeit: Boss (69. Wiegers) – Müller, Ballas (69. J. Löwe), Hamalainen – Wahlqvist, Horvath, Ebert, Klingenburg, Möschl – Atilgan, Koné (80. Kulke)