26. November 2019 / 09:00 Uhr

Die Lehre des Niklas Kreuzer: „Nur mit Punkten kommt Dynamo unten raus“

Die Lehre des Niklas Kreuzer: „Nur mit Punkten kommt Dynamo unten raus“

Caroline Grossmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Enttäuschung nach dem Abpfiff von Hamburger SV gegen SG Dynamo Dresden: Linus Wahlqvist, Niklas Kreuzer und Kevin Broll (von links) auf dem Rasen des Volksparksadions.
Enttäuschung nach dem Abpfiff von Hamburger SV gegen SG Dynamo Dresden: Linus Wahlqvist, Niklas Kreuzer und Kevin Broll (von links) auf dem Rasen des Volksparksadions. © imago images/Steffen Kuttner
Anzeige

Niklas Kreuzer führte Dynamo Dresden gegen den HSV aufs Feld und weiß, wie es mit Siegen klappen kann – auch da ihm etwas mit Seltenheitswert gelang.

Dresden. Damit, dass Dynamo Dresden auswärts dem Hamburger SV lange die Stirn bietet und fast noch einen Punkt mitnimmt, war nicht zu rechnen. Zwar hat es bei der 1:2-Niederlage am Ende nicht ganz für die Schwarz-Gelben gereicht, weil sie in der vierten Minute der Nachspielzeit noch einen Gegentreffer kassierten. Einer jedoch durfte sich über ein eher seltenes Erfolgserlebnis freuen: Niklas Kreuzer erzielte in seiner siebenten Saison im SGD-Trikot sein fünftes Pflichtspieltor für die Schwarz-Gelben. Der flankenartige Schlenzer vom Strafraumeck war Dresdens Führungstor und läutete im Volksparkstadion eine ereignisreiche zweite Halbzeit ein (47. min).

Anzeige

„Ich wäre glücklicher gewesen, wenn hier drei andere getroffen und wir gewonnen hätten. Im Training habe ich oft versucht, nach innen zu ziehen, Torabschlüsse zu suchen. Heute ist es mal sehr gut gelungen ins lange Eck“, sagte der 26-Jährige über sein erstes Zweitligator seit Oktober 2017, als er beim 2:0-Auswärtssieg in Heidenheim einen direkten Freistoß versenkt hatte.

DURCHKLICKEN: Bilder zur 1:2-Niederlage in Hamburg

Beim Hamburger SV macht die SG Dynamo Dresden Vieles richtig, unterliegt am Ende allerdings trotzdem mit 1:2. Zur Galerie
Beim Hamburger SV macht die SG Dynamo Dresden Vieles richtig, unterliegt am Ende allerdings trotzdem mit 1:2. ©

Trotz der Niederlage war auch Cristian Fiel glücklich über Kreuzers Treffer: „Ich freue mich, dass er sich belohnt hat. Im Training in dieser Woche haben wir eine Übung gemacht, wo wir genau diese Position hatten, wo man von außen nach innen dribbelt und das Ding dann ins lange Eck haut. Dass er so dann reingeht, da freu ich mich für den Jungen“, erklärte der SGD-Coach.

Dynamo muss Distanzschüsse zeigen

Kreuzer beherzigte mit dem Tor letztlich seine eigene Vorgabe. Vor der Partie an der Unterelbe hatte er gesagt, dass Dynamo Torabschlüsse suchen müsse. „Anders geht es nicht. Man hat es am Ende beim HSV gesehen. Das müssen wir uns vornehmen für die nächsten Spiele: schießen, schießen, schießen“, bekräftigte der gebürtige Münchner nach dem Spiel und zog aus der Vergangenheit eine Lehre: „Wir haben zu oft versucht, zu schön zu spielen, haben zu viel aufgewendet, um überhaupt zum Torschuss zu kommen. Diesmal haben wir gesehen, dass man vielleicht auch mal von etwas weiter weg schießen muss und das Ding reingeht. Wir haben ein paar ganz gute Distanzschützen dabei. Die müssen es nur zeigen.“

Wie Dynamo trotz seines Tors noch im letzten Moment verlor, bezeichnete Kreuzer als „sehr grausam. Das sind die bittersten Niederlagen. Wenn du vom Engagement, Kampf und Leidenschaft her ein sehr gutes Spiel machst, hier dagegenhältst und in Führung gehst, rechnest du dir natürlich mehr aus.“

Weitere Meldungen zu Dynamo Dresden

Genau das trifft auch auf ihn persönlich zu, der diese Saison eigentlich mehr erreichen wollte. In nur sechs der bisher 14 Zweitligapartien dieser Spielzeit stand Niklas Kreuzer auf dem Rasen. Vor vier Monaten als zweiter SGD-Kapitän präsentiert, führte er seine Mannschaft in Hamburg erst zum dritten Mal auf das Feld. Auch bei den anderen beiden Partien mit Kreuzer als Spielführer setzte es Niederlagen gegen Ex-Bundesligisten, was für „Kreuz“ nicht folgenlos blieb: Nach dem 0:1 zum Auftakt gegen Nürnberg konnte sich der Ex-Junioren-Nationalspieler nicht in Dynamos Stammelf etablieren. Und beim 0:2 gegen Hannover leistete er sich als Kapitän eine Tätlichkeit und sah die rote Karte. Die Folge: drei Spiele Sperre.


Kreuzer gibt alles für den Klassenerhalt

Erst im letzten Heimspiel, beim 1:0-Sieg gegen den SV Wehen, war er wieder mit dabei – und hat seither übrigens mehr Zweit- als Drittligaspiele in seiner Karriere aufzuweisen. Nunmehr 77-mal stand er seit dem Aufstieg 2016 im deutschen Fußball-Unterhaus für die SGD auf dem Rasen, nachdem er zwischen 2013 und 2016 für Rot-Weiß Erfurt und Dynamo 75 Drittligapartien absolviert hatte. Damit es nicht wieder eine Etage runtergeht, gibt Niklas Kreuzer alles für den Klassenerhalt.

Abstiegskampf hat er in den letzten beiden Spielzeiten bei Dynamo jedenfalls gelernt und fordert von seinen Mitspielern, sich auch auf die nächsten, vermeintlich leichteren Gegner zu fokussieren, die weniger große Namen haben als der einstige Bundesliga-Dino aus der Hansestadt. „Wenn du jetzt denkst, nächste Woche spielst du wieder zu Hause gegen Holstein Kiel und nicht vor 55 000 Leuten in Hamburg, dann wird es ganz schwer. Aber wir können auf dieser Leistung aufbauen“, schätzte Niklas Kreuzer ein und gibt eine klare Marschrichtung für die zwei anstehenden Heimspiele vor: „Wenn ich sagen würde, wir wollen gegen Kiel 1:1 spielen, wäre das Schwachsinn. Wir wollen gegen Kiel und Sandhausen gewinnen. Nur mit Punkten kommt man unten raus, mit Schönspielen nicht.“

Caroline Grossmann/Stefan Schramm