21. Oktober 2019 / 16:24 Uhr

Lea Friedrich: Vom Siegertreppchen zurück auf die Schulbank

Lea Friedrich: Vom Siegertreppchen zurück auf die Schulbank

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Kraftvoll und fokussiert: Lea Sophie Friedrich (19) räumte bei der Europameisterschaft im niederländischen Apeldoorn ab.
Kraftvoll und fokussiert: Lea Sophie Friedrich (19) räumte bei der Europameisterschaft im niederländischen Apeldoorn ab. © Vincent Jannink/ANP Photo
Anzeige

Lea Sophie Friedrich aus Dassow hat bei den Bahnrad-Europameisterschaften in den Niederlanden drei Medaillen abgeräumt und ist damit die beste deutsche Starterin. Seit Montag widmet sich die 19-Jährige wieder ihrer Ausbildung bei der Bundespolizei im brandenburgischen Kienbaum. Schon im November warten die nächsten internationalen Herausforderungen auf die Mecklenburgerin. 

Anzeige
Anzeige

Gerne hätte Ronald Grimm Lea Sophie Friedrich nach ihrer EM-Gala in die Arme geschlossen und ihr persönlich gratuliert, doch dafür blieb keine Zeit. Mit zwei silbernen und einer Bronzemedaille im Gepäck reiste die 19-jährige Dassowerin noch am Sonntagabend aus Apeldoorn (Niederlande) ab ins brandenburgische Kienbaum, wo die angehende Polizeimeisterin am Montag schon wieder die Schulbank drückte. Abstecher zu ihrem Trainer nach Schwerin oder zu ihren Eltern in Dassow waren da nicht drin. Erst am Abend war Zeit für ein Telefonat mit ihrem Coach, „um zusammen die Schwerpunkte für die nächsten Tage und Wochen festzulegen“, erklärt Ronald Grimm.

Die bemerkenswerten Auftritte seines Schützlings verfolgte der 60-Jährige dieses Mal aus der Ferne. „Im Training war zu sehen, dass sie gut drauf war, ihre Schnelligkeit war top. Deshalb war ich optimistisch, dass sie konkurrenzfähig sein würde, aber dass es bei ihrer ersten Europameisterschaft im Elitebereich gleich so gut läuft, war nicht unbedingt zu erwarten“, staunt der Trainer selbst ein wenig über den deutschen EM-Shootingstar, der seit 2012 bei Grimm am Bundesstützpunkt in Schwerin trainiert. „Mit zwölf Jahren ist sie zu uns gekommen, seitdem haben wir kontinuierlich immer was draufpacken können. Ich hoffe, dass wir das so beibehalten können.“

Wertvolle Tipps von Olympiasiegerin Kristina Vogel

Nach dem tragischen Karriere-Aus von Kristina Vogel im vergangenen Jahr und dem überraschenden Rücktritt von Miriam Welte im September wurde Lea Friedrich früher als geplant „ins Haifischbecken“ (Grimm) geworfen und glänzte bei den kontinentalen Titelkämpfen als beste Deutsche mit Silber im Teamsprint und Keirin sowie der Bronzemedaille im Sprint. „Das war nicht zu erwarten, dass ausgerechnet sie als Jüngste so in die Bresche springt. Es wäre vermessen gewesen, wenn man vorher damit gerechnet hätte“, sagte Bundestrainer Detlef Uibel in der ARD.

Dass Lea Friedrich das Erbe der langjährigen Listungsträgerinnen Vogel/Welte antreten soll, belaste sie nicht: „Ich mache mir keinen Druck, ich nehme das als Ansporn, was sie erreicht haben. Vielleicht komme ich da auch irgendwann mal hin.“ Sie ist jedenfalls auf einem guten Weg und bekommt dabei wertvolle Unterstützung von der zweifachen Olympiasiegerin Kristina Vogel, die seit ihrem Trainingsunfall im vergangenen Jahr querschnittsgelähmt ist: „Sie gibt mir sehr viele Tipps. Sie kennt die Gegner in- und auswendig und weiß, wie sie fahren.“

Minsk, Glasgow, Hongkong – drei Weltcups im November

Die nächsten Kräftemessen mit der Weltelite stehen schon in wenigen Tagen an. Der Wettkampfkalender im November ist mit Weltcups in Minsk, Glasgow und Hongkong prall vollgepackt. „Ich muss jetzt viel mehr fahren als eigentlich geplant war, das ist schon eine Umstellung für mich“, sagt Lea Friedrich mit Blick auf den unerwarteten Rücktritt der routinierten Miriam Welte. Ein straffes Wettkampfprogramm für die Mecklenburgerin, die im vergangenen Jahr als vierfache Junioren-Weltmeisterin für Furore gesorgt hatte. „Man darf nicht überziehen und muss dem Körper auch Ruhepausen gönnen“, mahnt Grimm, der schon mit dem Schweriner Stefan Nimke große Erfolge auf der Bahn feierte (Olympiasieger, vierfacher Weltmeister). „Anders als Stefan, den man ab und zu schon mal kräftig in den Hintern treten musste, muss man Lea eher bremsen. Sie will eigentlich immer noch mehr machen. Mal zwei Tage ohne Training sind ihr schon zu viel“, sagt Grimm.

Friedrichs Verbleib in Schwerin bis Olympia 2020 sicher

Seine Trainingspläne setzt die 19-Jährige vier Monate im Jahr bei der Sportfördergruppe der Bundespolizei in Kienbaum um. Ab dem 21. Dezember trainiert Lea Friedrich dann wieder überwiegend am Bundesstützpunkt in Schwerin. Sieben bis zu zwölf Einheiten pro Woche, verteilt auf sechs Tage, schreibt Grimm seiner Vorzeigeathletin in den Übungsplan. Nach einem Trainingslager mit den Schwerinern in Frankfurt/Oder (27.-31.12) geht es nach Israel. In Tel Aviv bereitet Lea Friedrich sich mit der Nationalmannschaft auf den vorolympischen Saisonhöhepunkt vor: die Bahnrad-Weltmeisterschaften in Berlin (26. Februar bis 1. März).

Bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wird das Top-Bahntalent des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) definitiv weiter am Bundesstützpunkt in Schwerin bleiben. Wie es mit Lea Friedrich danach weitergeht, ist angesichts der noch immer fehlenden Hallen-Radrennbahn indes offen, betont Ronald Grimm: „Wenn sich die Dinge nicht ändern, kann es schon passieren, dass Lea sagt: ,Ich gehe da hin, wo es für mich günstiger ist.’“

Hier #GABFAF-Supporter werden

Wir kämpfen für den Amateurfußball! Trage Dich kostenlos ein und Du bekommst unseren exklusiven Newsletter mit allem, was den Amateurfußball in Deutschland bewegt. Außerdem kannst Du jeden Monat 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein gewinnen und entscheidest mit, wofür #GABFAF sich als nächstes einsetzt.

ANZEIGE: 50% auf dein Jako Herbst-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN