19. August 2020 / 11:48 Uhr

Jeddeloh-Coach Oliver Reck über Gehälter in der Kreisliga, Folgen der Corona-Krise und die Fan-Rückkehr 

Jeddeloh-Coach Oliver Reck über Gehälter in der Kreisliga, Folgen der Corona-Krise und die Fan-Rückkehr 

Jan Jüttner
Oliver Reck spricht im #GABFAF-Interview über Geld im Amateurfußball und die Rückkehr der Fans in die Stadien. 
Oliver Reck spricht im #GABFAF-Interview über Geld im Amateurfußball und die Rückkehr der Fans in die Stadien.  © imago/Montage
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Als ehemaliger Bundesliga-Torwart kennt Oliver Reck die Vorzüge des Profifußballs. Aktuell arbeitet er als Coach beim Viertligisten SSV Jeddeloh II. Mit #GABFAF spricht er über die Schwierigkeiten, die die Corona-Krise den kleinen Klubs bereitet, und übt Kritik an Gehaltszahlungen im Amateurfußball. 

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Insgesamt 471 Bundesliga-Spiele absolvierte Oliver Reck als Torwart für die Kickers Offenbach, Werder Bremen und Schalke 04. Nach seinem Karriereende stieg er ins Trainergeschäft ein. Er arbeitete unter anderem als Co-Trainer beim FC Schalke und als Chefcoach bei Fortuna Düsseldorf und den Kickers Offenbach. Seit Dezember 2019 ist er als Trainer des Regionalligisten SSV Jeddeloh II tätig.

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Im #GABFAF-Interview spricht er unter anderem über die schwierige Vorbereitung unter den Corona-Bedingungen und über Gehälter im Amateurbereich. Zudem bedauert er, dass aufgrund der Pandemie keine Testspiele gegen große Klubs möglich sind.

Herr Reck, wie schwer ist die Vorbereitung auf die Regionalliga-Saison unter den aktuellen Corona-Bedingungen?

Die Situation ist für alle sehr schwierig. Sie betrifft nicht nur den Sport, sondern alle Menschen. Wir müssen uns einschränken und die Gefahr sehen und auch dementsprechend handeln. Der Amateurfußball wird nur dann wieder funktionieren, wenn wir die Zuschauer langsam wieder in die Stadien bekommen. Das ist ein Prozess, dem wir uns mit Vorsichtsmaßnahmen annähern. Wenn es Mitte September wieder losgehen sollte, dann hoffen wir, vor Zuschauern spielen zu können.


Die Regionalliga Nord, in der auch ihr Klub spielt, wird wegen Corona in zwei Staffeln ausgespielt. Was halten Sie davon?

Durch die Aufteilung in zwei Staffeln wird es viele regionale Duelle geben. Dies wird der Liga sehr guttun, und wir hoffen auf mehr Zuschauer. Wir fahren natürlich lieber nach Rheden, Delmenhorst oder Oldenburg als nach Lübeck. Wir sparen dadurch viele Fahrtkosten. Für uns als kleinen Verein ist das natürlich ein großer Vorteil.

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Sie haben zuletzt in einem Podcast den Profifußball kritisiert. Inwiefern hat dieser sich vom Amateurfußball entfernt?

Ich will keine Grenze zwischen dem Amateurfußball und dem Profifußball ziehen. Es gibt jedoch Situationen, die man einfach hinterfragen muss, damit der Amateurfußball nicht ausstirbt. Da geht es beispielsweise um die mangelnde Präsenz des Amateurfußballs im Fernsehen. Der DFB versucht, dem Amateurfußball zu helfen, aber es ist gerade in der jetzigen Situation noch schwieriger.

Inwiefern schwieriger?

In den letzten Jahren war es ja immer möglich, dass große Klubs bei kleineren Klubs in Testspielen angetreten sind. Das ist zurzeit aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht möglich. Dabei haben gerade diese Testspiele gezeigt, dass die großen Klubs bereit sind, den kleinen Vereinen zu helfen. Da geht es auch um die Botschaft: Die Großen haben die Kleinen nicht vergessen. Es sind natürlich echte Highlights, wenn die großen Spieler auf den Anlagen der Oberligisten oder Regionalligisten vorspielen. Es ist sehr schade, dass dies im Moment nicht möglich ist.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF wurde am 15. März 2019 ins Leben gerufen. Hier zehn besondere Momente aus dem ersten Jahr:

Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. Zur Galerie
Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. ©

Immer wieder wird der zunehmende Kommerz im Profifußball kritisiert. Teilweise werden aber auch in der Kreisliga bereits Gehälter gezahlt. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Das ist nicht gut. Schlussendlich wollen alle etwas vom Kuchen abhaben. Aber Amateurfußball sollte Amateurfußball bleiben. Klar, Ausgaben wie Fahrtkosten oder Bekleidung muss vielleicht der Verein sponsern. Doch wenn es um Gehälter oder Ausgleichszahlungen im Amateursport geht, ist das schon sehr schwierig. Doch das wird es immer wieder geben, gerade wenn manche Klubs zahlungskräftige Sponsoren in der Hinterhand haben.

Apropos Geld: In der Regionalliga West kommen einst erfolgreiche Klubs wie Alemannia Aachen oder auch ihr Ex-Verein Kickers Offenbach sportlich wie finanziell nicht mehr auf die Beine. Woran liegt das?

Das liegt immer an den handelnden Personen, die die Entscheidungen treffen. Wenn man sich an den verfügbaren Etat hält, wird es keine Probleme geben. Aber in dem Moment, wo ich den Etat aufstocken will, wird es Probleme geben. Ich kann nur das ausgeben, was ich auch einnehme. Klar will man manchmal mit aller Macht die Liga halten oder auch aufsteigen. Aber es gibt auch andere Fälle, wie das Beispiel TuS Haltern zeigt. Der Klub geht mit jungen eigenen Spielern einen anderen Weg. Sie sind nun sogar eine Liga runtergegangen, um dann schlussendlich mit den eigenen Jungs aus der Region etwas Langfristiges aufzubauen. Ich hoffe, dass dieses Konzept aufgeht.