23. Oktober 2020 / 08:57 Uhr

Kenan Karaman vor Wiedersehen mit 96: "Hannover gehört immer zu den Favoriten" 

Kenan Karaman vor Wiedersehen mit 96: "Hannover gehört immer zu den Favoriten" 

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Spielte vier Jahre lang für Hannover 96: Düsseldorf-Profi Kenan Karaman. 
Spielte vier Jahre lang für Hannover 96: Düsseldorf-Profi Kenan Karaman.  © imago images
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Von 2014 bis 2018 kickte Kenan Karaman für Hannover 96, es folgte der Wechsel zu Fortuna Düsseldorf. Am Samstag kommt es zum Wiedersehen mit der alten Liebe. Wir haben uns vorab mit dem Stürmer unterhalten und über wichtige Derbytore, seine Zeit in Hannover und die Beziehung zu Linton Maina gesprochen. 

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Vier Jahre lang spielte Kenan Karaman (26) in Hannover, 2018 wechselte er nach Düsseldorf. Der Stürmer ist erfolgreich und gefragt. In der gerade beendeten Transferphase „war er heiß umworben, das weiß ich“, verriet sogar 96-Coach Kenan Kocak.

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Am Samstag kehrt Karaman mit der Fortuna zurück nach Hannover – und sprach mit uns vorab über seinen Ex-Schützling Linton Maina, den neuen Mitspieler Edgar Prib und das schönste Derbytor seiner Karriere. Das erzielte er nämlich für 96.

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Für 96 haben Sie mal in einem Derby gegen Braunschweig getroffen. 2016 war das, zum 2:2. Vor einem halben Jahr, kurz nach der Corona-Pause, haben Sie für Fortuna gegen Köln getroffen – auch dieses Spiel ging 2:2 aus. Sorry für die fiese Frage, aber: Welches Derbytor bedeutet Ihnen mehr?

Puh, wie soll man das denn beantworten?! Sehr schwierig. (lacht) Im Derby zu treffen ist immer etwas ganz Besonderes. Du bekommst direkt eine andere Beziehung zu den Fans, das spürst du sofort. Beim Spiel mit 96 damals in Braunschweig war die Stimmung extrem krass, das weiß ich noch. Das war das erste Derby seit langer Zeit. Wir Fußballer leben ja auch für diese Emotionen. In Köln haben wir ohne Fans gespielt. Das Tor war natürlich trotzdem sehr, sehr wichtig und schön. Aber die leeren Ränge sind schon ein Faktor, das fehlt natürlich.

Gratulation auch zu Ihrem Tor beim hart erkämpften 2:2 zuletzt gegen Regensburg. Da sind Sie vorher ja schön an drei, vier Leuten vorbeimarschiert. Haben Sie das bei 96 gelernt oder in Düsseldorf?

(lacht) Das war ganz gut. Auch, dass wir am Ende Charakter zeigen konnten und zurückgekommen sind. Daran müssen wir jetzt anknüpfen.

Der Saisonstart lief bisher trotzdem nicht rund für Ihre Fortuna: vier Punkte aus vier Spielen, Tabellenplatz zwölf. Wo hakt es?

Mich verwundert es nicht, dass wir einen holprigen Start hatten. Wir haben viele Verletzte, die Situation mit Corona ist auch sehr speziell und hat uns in der Vorbereitung erwischt, außerdem müssen wir die 2. Liga richtig annehmen. Da geht es schon einen Tick härter zur Sache. Aber ich glaube, dass wir uns in den nächsten Wochen stabilisieren werden.

Trotz des Holperstarts haben die Fortuna-Bosse vor ein paar Tagen den Aufstieg als Saisonziel ausgerufen. Ist das auch Ihr Selbstverständnis mit Düsseldorf – oder sorgt die offensive Zielsetzung eher für Druck?

Druck spüre ich deshalb persönlich nicht. Ich habe immer hohe Ansprüche an mich selbst, natürlich ist der Aufstieg auch mein persönliches Ziel. Ich denke, dass wir viele Spieler in unseren Reihen haben, denen es genauso geht. Deswegen finde ich so eine klare Orientierung gar nicht schlecht. Das heißt auch, dass wir Spieler jetzt mehr Verantwortung übernehmen und das auf dem Platz zeigen müssen.

Sehen Sie sich selbst in einer Führungsrolle?

Ja, definitiv. Ich bin mittlerweile ein erfahrener Spieler, will die Jungs mitziehen. Das sage ich so auch immer in der Kabine. Ich will einer sein, der vorneweg marschiert.

Sie haben in 102 Erstligapartien gespielt, etwas mehr als die Hälfte für 96. Fühlt sich der Weg am Wochenende ein bisschen an, als würden Sie mal wieder nach Hause kommen?

Hannover wird für mich immer in besonderer Erinnerung bleiben, alte Heimat trifft es wahrscheinlich am besten. Ich hatte vier schöne Jahre bei 96, habe unheimlich viel erlebt. Ich bin sehr, sehr gern in Hannover und freue mich auf jeden Fall auch darauf, bekannte Gesichter wiederzusehen.


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Kennen Sie überhaupt noch Jungs aus dem Team? Der Umbruch zuletzt war ja groß bei 96.

Da ist schon einiges neu. Aber Linton (Maina) war damals zum Beispiel schon da, Duckschi kenne ich aus Düsseldorfer Zeiten.

Schreibt man sich vor so einem Spiel erst recht mal Nachrichten, um sich anzustacheln, oder ruht die Freundschaft für die Woche?

Der Linton kriegt schon eine Nachricht von mir, das habe ich mir fest vorgenommen. (lacht) Ich verstehe mich gut mit dem Jungen! Damals habe ich so ein bisschen auf ihn aufgepasst, da war er ja noch jung. Okay, er ist immer noch jung – aber damals noch jünger! Das Verhältnis ist gut geblieben.

Wie viele Karaman-Tore kündigen Sie ihm an fürs Spiel?

Tore werde ich ihm erst mal nicht prophezeien, da muss er sich überraschen lassen.

Und wie beurteilen Sie die Entwicklung von Linton Maina in den vergangenen Jahren?

Ich habe Lintons Weg natürlich verfolgt, er hat eine enorme Entwicklung genommen. Ich bin überzeugt, dass er mit seinen Qualitäten und seinem Ehrgeiz seinen Weg gehen wird. Für ihn ist es wichtig, dass er klar im Kopf bleibt. Das habe ich ihm selbst auch gesagt. Und vor allem muss er verletzungsfrei bleiben, da ist er ein bisschen anfällig.

Sehen Sie 96 als Konkurrenten um die Aufstiegsplätze?

Definitiv! Der Verein gehört in der 2. Liga immer mit zu den Favoriten, das wurde bei 96 so ja auch klar kommuniziert. Aber 96 muss sich wie wir noch stabilisieren. Deshalb ist das Spiel für beide Mannschaften sehr, sehr wichtig.

Bei der Fortuna gibt es ja eine kleine Hannover-Connection mit Ihnen, Andre Hoffmann und nun Edgar Prib. Haben Sie ihn überredet, in Düsseldorf zu unterschreiben?

Das mit Eddy habe ich erst sehr spät mitbekommen, er hat sich vorher gar nicht gemeldet. Das habe ich ihm auch gesagt, dass ich da enttäuscht war. (lacht) Ich war bei der Nationalmannschaft, als ich das gelesen habe. Das hat mich überrascht – und mega gefreut! Mit Eddy hatte ich immer eine Superbeziehung, wir waren Nachbarn in Hannover. Er ist ein toller Spieler mit einem Supercharakter, passt super in unsere Mannschaft und wird uns auf jeden Fall noch weiterhelfen.