12. Januar 2021 / 17:25 Uhr

Dem VfB Stuttgart winken Millionen: Wie sich Gonzalez, Sosa und Co. in den Fokus von Top-Klubs spielen

Dem VfB Stuttgart winken Millionen: Wie sich Gonzalez, Sosa und Co. in den Fokus von Top-Klubs spielen

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nicolas Gonzalez (von links), Silas Wamangituka und Borna Sosa zählen zu den Top-Talenten des VfB Stuttgart.
Nicolas Gonzalez (von links), Silas Wamangituka und Borna Sosa zählen zu den Top-Talenten des VfB Stuttgart. © Getty Images/Montage
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Sven Mislintat galt schon bei Borussia Dortmund als Mann mit einem besonders guten Blick für Talente. Als Sportdirektor des VfB Stuttgart hat er nun eine Mannschaft zusammengestellt, die sportlich überzeugt und deren Protagonisten dem Klub kurz- bis mittelfristig Millionen in die Kasse spülen könnten. Ein Blick auf die größten VfB-Juwelen.

Kevin Kuranyi, Timo Hildebrand, Timo Wenzel, Alexander Hleb, Ioannis Amanatidis, Andreas Hinkel und Christian Tiffert - die jungen Wilden des VfB Stuttgart mischten Anfang der 2000er Jahre die Bundesliga auf. Das Besondere: Die Talente kamen aus dem eigenen Nachwuchs. Inzwischen ist die Durchlässigkeit zwischen Jugend- und Profi-Abteilung bei den Schwaben nicht mehr ganz so groß, dafür verfügt man über andere Qualitäten. Sportdirektor Sven Mislintat stellte seit seinem Amtsantritt im April 2019 ein Team zusammen, das sich hinter der Generation um Kuranyi & Co. nicht verstecken muss. Mit bekannt gutem Auge lotste der ehemalige Chefscout von Borussia Dortmund ein junges und hochqualifiziertes Personal zum VfB.

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Die Folgen: Sportlicher Erfolg und Begehrlichkeiten anderer Klubs. "Wir sind schon extrem attraktiv gerade", sagte der VfB-Manager zuletzt und weiß, dass dem Verein zeitnah wohl das eine oder andere lukrative Transferangebot ins Haus flattern wird. Scheinbar unbeeindruckt vom Machtkampf zwischen Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt in der Führungsetage sind die neuen jungen Wilden des VfB nach zwei Niederlagen in Serie in die Erfolgsspur zurückgekehrt und in der Auswärtstabelle der Bundesliga an die Spitze geklettert - dank Nicolas Gonzales, Silas Wamangituka und Co. Droht bald der Ausverkauf? Immerhin besitzen die jungen Profis langfristige Verträge und könnten nicht ablösefrei wechseln. Die großen Talente des VfB Stuttgart in der Übersicht.

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Nicolas Gonzalez: Der Argentinier traf beim 4:1 am vergangenen Wochenende in Augsburg erst wie gewohnt souverän per Elfmeter, dann fast noch per Fallrückzieher. Zudem bereitete er mit einer schönen Flanke das Tor von Kapitän Gonzalo Castro vor. Mislintat freut sich darüber, wie es dem VfB und Trainer Pellegrino Matarazzo "gelungen ist, Nico wieder zu aktivieren". Von der tragischen Figur des Abstiegs 2019 zum Protagonisten des Wiederaufstiegs und der großen Sturmhoffnung in der Bundesliga: Gonzalez hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Der 22 Jahre alte Stürmer gilt aktuell als der wertvollste Spieler im Kader der Schwaben - und in jeder Transferperiode als potenzieller Wechselkandidat. Laut The Athletic sollen sich Juventus Turin und Tottenham Hotspur für ihn interessieren. Er könne "nicht sagen, was jetzt im Winter passiert", sagte Mislintat. Gonzalez hat beim VfB einen Vertrag bis 2024. Sein Marktwert liegt laut Transfermarkt.de bei 16 Millionen Euro - ein Verkauf dürfte Stuttgart aber deutlich mehr einbringen.

Silas Wamangituka: Auch dieser Stürmer wird immer besser - und in seinen Aktionen präziser. Mit bislang acht Liga-Treffern ist er derzeit erfolgreichster Schütze beim VfB. Die gewisse Unbeholfenheit, die so manches seiner Dribblings in der zweiten Liga noch begleitete, hat der pfeilschnelle 21-Jährige längst abgelegt. 2019 verpflichteten ihn die Schwaben für acht Millionen Euro aus der zweiten französischen Liga vom Paris FC und statteten ihn mit einem Vertrag bis 2024 aus. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) verpasste dem Flügelspieler bereits zweimal die Auszeichnung "Rookie des Monats". Mit 35,42 Kilometern pro Stunde gehört Wamangituka zu den schnellsten Spielern der Bundesliga. Mit seinem provokanten Treffer in Bremen sorgte er aber auch schon für Negativ-Schlagzeilen. "Wer ihn kennt, weiß, dass er ein schüchterner Junge und keineswegs arrogant ist“, sagte VfB-Trainer Matarazzo.

Vertrag mit Sosa bis 2025 verlängert

Borna Sosa: "Er hat ein brutales Spiel gemacht", sagte Mislintat über den wiederholt starken Auftritt des Kroaten in Augsburg. Der linke Verteidiger sei nach seinen durchwachsenen ersten beiden Spielzeiten in Stuttgart "schon als absoluter Fehleinkauf verschrien" gewesen, bedauerte Mislintat. In dieser Saison und im offensiv ausgerichteten System von Matarazzo blüht der flankenstarke 22-Jährige aber auf. In seiner jungen Karriere kann der U21-Nationalspieler bereits auf viele Titel zurückblicken - dreimal Meister und zweimal Pokalsieger mit Dinamo Zagreb. Vom kroatischen Top-Klub kam Sosa bereits im Sommer 2018 für zehn Millionen Euro zum VfB. Trainer Matarazzo setzt ihn auf der linken Bahn ein - defensiv aufgestellt mit Offensivdrang. Der Kroate ist für die Stuttgarter unverzichtbar. Erst vor knapp zwei Wochen folgte die Vertragsverlängerung bis Sommer 2025.

Orel Mangala: Der Belgier stand in 14 der bislang 15 Liga-Spiele in dieser Saison in der Startelf und überzeugte dabei fast durchgehend. An der Seite des Japaners Wataru Endo erobert und verteilt er die Bälle im Mittelfeld. In England oder Spanien würde er gerne mal spielen, verriet der 22-Jährige im Dezember der Bild. "Wenn Real Madrid kommt, wird's halt schwer", sagte Mislintat unabhängig von Mangala, sondern generell über mögliche Avancen für seine Youngster. "Aber dann ist es okay. Das ist Teil des Weges." Bei den Schwaben benötigte Mangala aber etwas Anlaufzeit. Nach dem Wechsel für 1,8 Millionen Euro im Sommer 2017 von RSC Anderlecht nach Stuttgart ging es ein Jahr später per Leihe weiter zum Hamburger SV. Und dort entwickelte sich der Belgier prächtig. Im Vergleich zu den anderen Talenten läuft Mangalas Vertrag "nur" bis Sommer 2023.


Die jüngsten Bundesliga-Debütanten der Geschichte

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Jamal Musiala (von links), Youssoufa Moukoko und Florian Wirtz zählen zu den jüngsten Bundesliga-Spielern der Geschichte. ©

Tanguy Coulibaly: Der Franzose verstärkte die Schwaben im Sommer 2019. Aus der Jugend von Paris Saint-Germain lotsten die VfB-Verantwortlichen den Flügelspieler ablösefrei nach Stuttgart. Nach einem eher schwierigen Start mit nur wenigen Einsätzen im Unterhaus ist Coulibaly inzwischen ein fester Bestandteil des VfB-Aufgebots. Besonders bei der 5:1-Gala gegen den BVB trumpfte der 19-Jährige mit einem Treffer auf. Der Vertrag von Coulibaly beim VfB läuft noch bis Sommer 2023. Kommt es vorher zu einem Verkauf? Borussia Dortmund ist laut France Football am Offensivspieler interessiert. Beim BVB könne er demnach Jadon Sancho im Falle eines Abgangs ersetzen.

Papa Diego über Sohn Mateo: "Absolut bewundernswert"

Gregor Kobel: Nach Stationen in der Bundesliga bei der TSG Hoffenheim und beim FC Augsburg schaffte der Schweizer beim VfB endgültig den Durchbruch. Wie auch seine Landsleute Yann Sommer bei Borussia Mönchengladbach und Roman Bürki bei Borussia Dortmund ist Kobel als Nummer eins gesetzt. In der Bundesliga gehört der 23-Jährige zu den talentiertesten Torhütern. Besonders gegen RB Leipzig stellte Kobel das unter Beweis. Nach der 0:1-Niederlage der Stuttgarter fand RB-Trainer Julian Nagelsmann lobende Worte: "Man muss Gregor Kobel ein Kompliment machen. Er hat vier super Bälle gehalten." Den Schweizer verpflichtete der VfB nach einer Leihe im vergangenen Sommer fest für vier Millionen Euro. Vertraglich ist Kobel noch bis Sommer 2024 an die Stuttgarter gebunden.

Mateo Klimowicz: Der Sohn von Diego Klimowicz erhält von Trainer Matarazzo immer wieder Einsatzzeiten. In 610-Bundesliga-Minuten kommt der Argentinier auf einen Treffer und drei Vorlagen. Sein Vater erklärte vor wenigen Wochen in einem Interview mit dem SPORTBUZZER, was für ein Spielertyp sein Sohn ist. "Wir sind schon sehr unterschiedliche Fußballer. Ich war reiner Mittelstürmer, Mateo ist dagegen mehr der Typ, der als Außenstürmer oder hängende Spitze agiert. Er kann hinter den Angreifern Spielmacher spielen – und er hat eine Geschwindigkeit im Spiel mit dem Ball, die für mich absolut bewundernswert ist", sagte der frühere Bundesliga-Profi des VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund und VfL Bochum. Klimowicz Junior kam im Sommer 2019 aus seiner Heimat Argentinien von Instituto AC zu den Schwaben - für 1,6 Millionen Euro. Der Vertrag des 20-Jährigen läuft noch bis Sommer 2024.