05. März 2019 / 09:34 Uhr

Holstein Kiel: Masaya Okugawa wird für die Störche immer wichtiger

Holstein Kiel: Masaya Okugawa wird für die Störche immer wichtiger

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Masaya Okugawa umkurvt derzeit fast jeden Gegner. Auch wenn gegen Union Berlin und Ex-Storch Christopher Lenz (re.) zu oft der letzte Pass fehlte.
Masaya Okugawa umkurvt derzeit fast jeden Gegner. Auch wenn gegen Union Berlin und Ex-Storch Christopher Lenz (re.) zu oft der letzte Pass fehlte. © Uwe Paesler
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Über Kiel zieht ein Taifun auf. Auch wenn ihm am Freitag gegen Union Berlin ein wenig die Luft genommen wurde: Masaya Okugawa, Holstein Kiels Leihspieler aus Fernost, hat sich in den vergangenen Wochen in die Kategorie Wirbelwind gespielt. Mit seinen Dribblings rauscht der Japaner regelmäßig über seine Gegenspieler hinweg – Masaya Okugawa ist für die Störche derzeit so wertvoll wie nie seit seiner Verpflichtung im Sommer 2018.

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Montagnachmittag, vertauschte Rollen: In Projensdorf fegt ein Regensturm übers Trainingsgelände des Fußball-Zweitligisten hinweg. Und Okugawa ist im Gespräch still, fast schüchtern. Das hat sicherlich mit seiner asiatischen Bescheidenheit zu tun – aber auch mit der Sprache. Der 22-Jährige versteht sie zwar. Er lässt aber lieber Taten auf dem Platz für sich sprechen. „Dass ich jetzt spielen kann, gibt mir ein gutes Gefühl“, sagt er.

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Seit einigen Spieltagen gehört Okugawa, der anfangs nur auf Teilzeit-Einsätze gekommen war und sich mit Muskelverletzungen herumgeplagt hatte, zur ersten Elf von Trainer Tim Walter. Einerseits, weil die Verletzung von Kingsley Schindler die Tür zur Stammformation geöffnet hat. Andererseits, weil sich auch Okugawa weiterentwickelt hat. Das Vertrauen zahlte er zuletzt mehrmals zurück. Vor allem im Pokalspiel gegen den FC Augsburg (0:1) spielte er mit seinen Gegenspielern – wohlgemerkt Bundesliga-Profis – unentwegt Katz und Maus. „Das war mein bestes Spiel“, sagt er. Auch wenn es am Ende den bitteren Knockout gab.

Besser lief es dafür kürzlich in Bochum – mit einem exzellent aufgelegten Okugawa, der sich als perfekter, quirliger Sturmpartner für den eher statischen Janni Serra erwies. Und auch noch seinen ersten Treffer überhaupt für die KSV erzielte. „Über das Tor bin ich froh“, sagt der Japaner und beschreibt seinen derzeitgen sportlichen Ist-Zustand so: „In die Dribblings komme ich gut, nur der Abschluss muss noch besser werden. Und gegen körperlich starke Gegner ist es nicht leicht.“

Voller Einsatz in den Fluten des Mittelmeers: Masaya Okugawa schuf im Kieler Winter-Trainingslager im spanischen Oliva Nova die Grundlagen für seine aktuelle Verfassung.
Voller Einsatz in den Fluten des Mittelmeers: Masaya Okugawa schuf im Kieler Winter-Trainingslager im spanischen Oliva Nova die Grundlagen für seine aktuelle Verfassung. © Uwe Paesler

Es sind die wunden Punkte des Masaya Okugawa. Er ist ein atemberaubender Dribbler, einer, der es in seiner derzeitigen Form mit jedem in der Liga im Eins-gegen-Eins aufnehmen kann. Aber: der letzte Pass, der Abschluss – da krankt es. In Masaya Okugawa spiegelt sich das Dilemma einer ganzen Mannschaft. Einer Mannschaft, die an guten Tagen jeden Gegner an die Wand spielen kann. Die sich aber viel zu selten mit Zählbarem für ihren Aufwand belohnt.

Und so haben Okugawa und Co. nach der durchaus verdienten Niederlage gegen Union Berlin (0:2) einen klassischen Big Point verpasst. Stattdessen beträgt der Rückstand auf die begehrten Plätze aufwärts des Relegationsranges fünf Punkte. „Ich glaube noch an die Chance, dass wir oben herankommen können“, sagt Okugawa. Dafür fast schon Pflicht: ein Sieg in Darmstadt am Sonnabend (13 Uhr).

Klappt das, sieht es weiter gut aus. Tritt Okugawa zudem so überzeugend wie gegen Augsburg oder Bochum auf – und das über das Darmstadt-Spiel hinaus –, könnte für ihn noch ein anderer Traum in Erfüllung gehen. Ein Traum, für den er einst seine Heimat verlassen hatte: die japanische Nationalmannschaft. „Ich habe noch nichts vom Nationaltrainer gehört, aber die Hoffnung ist da“, sagt er.

Okugawa: „Ich weiß nicht, wie es im Sommer weitergeht. Hier habe ich gute Mitspieler, die Taktik gefällt mir."

Dafür muss er sich weiter mit seinen Leistungen ins Schaufenster stellen – nur wo wird er das in Zukunft tun? Sein Leihvertrag bei Holstein Kiel endet im Sommer, dann geht es eigentlich zurück zu Red Bull Salzburg nach Österreich. Eigentlich. „Ich weiß noch nicht, wie es im Sommer für mich weitergeht“, sagt Okugawa, der der sportlichen Führung in Kiel zumindest einen Wink gibt: „Hier habe ich gute Mitspieler. Die Taktik des Trainers gefällt mir.“

Und im Grundsatz gefällt Okugawa auch den Verantwortlichen. „Masaya hat bei uns einen großen Entwicklungssprung gemacht“, sagt KSV-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Das Interesse an einer Zukunft von und mit Okugawa an der Förde? Das ist definitiv da. „Inwieweit eine Weiterbeschäftigung bei uns möglich ist, wird aber maßgeblich in Salzburg festgelegt“, erklärt Wohlgemuth.

Aktuell sei es dafür noch zu früh. Die Zeit wird kommen. Bis dahin sind noch zehn Spiele zu spielen. Zehn Spiele, die über viel entscheiden. Masaya Okugawa dürfte sie nach derzeitigem Stand alle vom Spielfeld aus erleben.

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