25. Oktober 2021 / 08:22 Uhr

Hoffmann und Frahn im Doppelinterview: "Werden nicht die weiße Fahne hissen"

Hoffmann und Frahn im Doppelinterview: "Werden nicht die weiße Fahne hissen"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Interview 20.10.2021
Interview mit Daniel Frahn und Marcus Hoffmann vom SV Babelsberg 03
im Bild: v.l. Marcus Hoffmann (SV Babelsberg 03) und Daniel Frahn (SV Babelsberg 03)
Interview 20.10.2021 Interview mit Daniel Frahn und Marcus Hoffmann vom SV Babelsberg 03 im Bild: v.l. Marcus Hoffmann (SV Babelsberg 03) und Daniel Frahn (SV Babelsberg 03) © Julius Frick
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DFB-Pokal: Am Dienstag treffen die beiden Routiniers Marcus Hoffmann und Daniel Frahn in der zweiten Runde auf ihren Ex-Verein RB Leipzig.

Spiel des Jahres für die Fußballer des SV Babelsberg 03: Der Viertligist empfängt am Dienstag (18.30 Uhr) im mit 6000 Zuschauern ausverkauften Karl-Liebknecht-Stadion in der zweiten Runde des DFB-Pokals die Champions-League-Kicker von RB Leipzig. Marcus Hoffmann und Daniel Frahn (beide 34) sprechen im Doppelinterview über das Duell mit ihrem Ex-Verein, den unterschiedlichen Umgang mit sozialen Medien und Potsdam als schönste Stadt der Welt.

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Hätten Sie sich im gesetzten Fußball-Alter von 34 noch einmal erträumen lassen, mit Babelsberg 03 ein Pflichtspiel gegen einen Champions-League-Vertreter zu bestreiten?
Daniel Frahn: Natürlich nicht. Wir haben uns schon nach dem Erstrundensieg (7:6 nach Elfmeterschießen gegen Greuther Fürth, Anm. d. Red.) in den Armen gelegen und darüber gefreut, dass wir noch einmal solch ein Highlight erleben dürfen. Dann noch Leipzig zugelost zu bekommen, war überragend.

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Zumindest sehen Sie das so?
Frahn: Insgesamt hielt sich die Freude bei der Mannschaft in Grenzen, das stimmt schon. Aber die große Ticketnachfrage zeigt ja, dass es nicht nur für mich ein super interessantes Los ist.

Anders als Daniel Frahn waren Sie nur zwei Jahre bei RB und haben nur wenige Pflichtspiele bestritten. Trotzdem ein Traumlos?
Hoffmann: Die Verbundenheit zwischen Frahni und RB und mir und RB kann man nicht vergleichen. Für mich wäre Hansa Rostock als ehemaliger Club deutlich emotionaler gewesen. Aber dennoch hatte ich in Leipzig eine schöne, sehr interessante Zeit, in der ich viel gelernt habe.

Aus der was vor allem hängen geblieben ist?
Hoffmann: Ich kam zwei Jahre nach der Gründung zu einem Regionalligisten, bei dem unter top professionellen Bedingungen gearbeitet wurde. Wir hatten eine richtig gute Mannschaft, ein top Umfeld und große Ambitionen. Wir sind sogar zu Regionalligazeiten vor jedem Spiel, selbst vor Heimspielen, in ein Hotel gegangen.
Frahn: Das war unfassbar nervig und braucht kein Mensch (lacht).

Es überrascht Sie also nicht, dass RB mittlerweile auf internationaler Bühne angekommen ist?
Hoffmann: Nein. Das wurde tagtäglich vorgelebt.
Frahn: Als ich 2010 zu RB ging, war das vom Umfeld noch mit Babelsberg zu vergleichen. Dann hat es sich Stück für Stück, Monat für Monat rasant entwickelt.


Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern.

Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern Zur Galerie
Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern ©

Warum hat man es in Leipzig anders als bei anderen Viertligavereinen mit viel Geld ganz nach oben geschafft?
Frahn: Weil so viel Geld da war, dass in das Umfeld und die Mannschaft investiert werden konnte. Das fing mit dem Aufbau des Trainingszentrums an und ging mit dem Mieten und späteren Kauf der Red-Bull-Arena weiter. Das Projekt hätte nur aus einem Grund scheitern können.

Wenn Sie nicht so zuverlässig getroffen hätten?
Frahn: Quatsch! Wenn Dietrich Mateschitz (österreichischer Unternehmer, Milliardär und Miteigentümer der Red Bull GmbH, Anm. d. Red.) sein Engagement zurückgezogen hätte. So war klar, dass der Weg nach ganz oben führt, weil ganzheitlich gedacht wurde und Leute mit viel Expertise am Werk waren und sind.

Hat sich Mateschitz mal in sportliche Belange eingemischt und eine Ansprache in der Kabine gehalten?
Frahn: Ich habe ihn in fünf Jahren zweimal gesehen. Vor dem entscheidenden Spiel um den Zweitligaaufstieg sollte er in der Kabine etwas sagen und hat das abgelehnt.
Hoffmann: Ich habe ihn einmal bei einem Trainingslager in Salzburg erlebt, als er zur Mannschaft gesprochen hat. Er ist schon eine Erscheinung und hat uns mit seinen Worten auf jeden Fall gepackt.

Selten passte die Fußball-Floskel: „Wir haben keine Chance und die wollen wir nutzen“ so gut wie Dienstag. Warum freuen Sie sich auf das Spiel gegen die Millionentruppe, gegen die alles andere als eine klare Niederlage eine Überraschung wäre.
Frahn: Als Fußballer freut man sich auf einen attraktiven Gegner und viele Zuschauer. Zudem liegt der Fokus in der Berichterstattung auf diesem Spiel. Man bekommt es mit Leuten zu tun, die man sonst nur im Fernsehen sieht oder mit ihnen auf der Playstation spielt. Wir werden aber dennoch nicht schon vorher die weiße Fahne hissen. Wir sind eine eingeschworene Mannschaft, wollen es dem Gegner so schwer wie möglich machen und alles reinhauen. An so einem Tag braucht man auch Glück, einen guten Torwart, gute Verteidiger (blickt rüber zu Hoffmann und lacht) – daran könnte es schon scheitern....

Vor Ihnen als Verteidiger steht eine Menge Arbeit, auf wen freuen Sie sich am meisten?
Hoffmann: Auf Yussuf Poulsen, den ich in Leipzig mal kennengelernt habe. Ein super Typ, der trotz seiner Erfolge total auf dem Boden geblieben ist.

Sie beide haben schon auf vielen Stationen zusammengespielt, hat es zwischen Ihnen auch mal richtig Ärger gegeben.
Hoffmann: Einmal hat mich Frahni böse gefoult, als ich mit Plauen in Babelsberg gespielt habe. Ich habe keine Show draus gemacht, sonst wäre er vom Platz geflogen. So hat er fünf Minuten später das Siegtor geschossen, das nehme ich ihm immer noch übel (lacht).
Frahn: Ansonsten sind wir nicht nur Mitspieler, sondern auch Kumpels.

Interview 20.10.2021
Interview mit Daniel Frahn und Marcus Hoffmann vom SV Babelsberg 03
im Bild: Daniel Frahn (SV Babelsberg 03)
Bei einem Gespräch mit Marcus Hoffmann (l.) und Daniel Frahn gibt es immer viel zu lachen. © Julius Frick

Die welche Eigenschaft vom Gegenüber gerne hätten?
Hoffmann: Daniel ist ein Eisvogel, hat Nerven aus Drahtseilen.
Frahn: Hoffi ist ein schlauer Hund, auf dem Platz unheimlich clever und legt auch im Alter eine top professionelle Einstellung an den Tag. Da könnte ich mir durchaus noch eine Scheibe abschneiden.

Und welche Marotten hat der andere?
Hoffmann: Frahni ist schon ganz kompatibel. Nur das Gerede über Kickbase (ein virtuelles Fußball-Managerspiel, Anm. d. Red.) mit Tino Schmidt nervt.
Frahn: Er hat 100 Ticks, das ist echt anstrengend – aber verdammt lustig. Eineinhalb Stunden vor dem Spiel ist er nicht ansprechbar.

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Sie sagen selbst von sich, dass Sie eine Sprache sprechen, in vielen Dingen gleich ticken. Während Daniel Frahn in den sozialen Netzwerken aber sehr aktiv ist und Einblicke in sein Leben gibt, haben Sie gar keinen Instagram-Account, Herr Hoffmann. Warum?
Hoffmann: Ich denke, dass ich so schon genug Zeit am Handy verbringe. Das kann jeder machen wie er mag, ich brauche es aber nicht zum Glücklichsein.

Sie kennen beide Städte ziemlich gut: Potsdam oder Leipzig?
Frahn: Für mich ist Potsdam Heimat, Familie und Freunde. Und alleine deshalb natürlich die schönere Stadt. Aber nichtsdestotrotz war Leipzig für uns eine wunderschöne, lebenswerte Stadt, in der wir uns immer sehr wohlgefühlt haben. Aber Potsdam ist nun mal schönste Stadt der Welt.
Hoffmann: Potsdam ist und bleibt Heimat und hat damit einen klaren Vorteil. Leipzig mit seinen offenen, liebenswürdigen Menschen ist mir aber sehr positiv in Erinnerung geblieben.

Zusammen auf der Sportschule in Cottbus

Der gebürtige Potsdamer Daniel Frahn (34), der beim FV Turbine in der Landeshauptstadt mit dem Kicken begann, und der aus Pessin im Havelland stammende Marcus Hoffmann (34) spielten im Nachwuchs schon gemeinsam in der Kreisauswahl. Später besuchten sie zusammen die Sportschule des FC Energie Cottbus. Auch bei RB Leipzig, dem Chemnitzer FC und seit 2020 Babelsberg 03 standen beide in einem Team. Frahn spielte von 2010 bis 2015 bei RB Leipzig, war lange Kapitän des Teams und stieg mit den Messestädtern von der Regional- bis in die 2. Bundesliga auf. Mit 88 Toren in 154 Pflichtspielen ist er hinter Nationalstürmer Timo Werner noch immer der zweiterfolgreichste Torschütze des 2009 gegründeten Vereins.