16. Juli 2020 / 16:23 Uhr

Heimlich beim VfL verlängert: "Ich bin nicht der Typ, der es braucht, alles öffentlich zu machen"

Heimlich beim VfL verlängert: "Ich bin nicht der Typ, der es braucht, alles öffentlich zu machen"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Inter pervan
Für immer VfL Wolfsburg? Pavao Pervan.
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Der VfL Wolfsburg hat bereits im vergangenen Jahr still und heimlich den Vertrag von Ersatztorwart Pavao Pervan um ein weiteres Jahr bis 2022 verlängert. „Ich finde es nicht dramatisch, so etwas nicht bekannt zu geben“, hatte VfL-Manager Jörg Schmadtke gegenüber Bild gesagt. Wie es zur Vertragsverlängerung von Pervan kam, erzählt der Österreicher im Interview.

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Der VfL hat bereits im vergangenen Jahr still und heimlich den Vertrag von Ersatztorwart Pavao Pervan um ein weiteres Jahr bis 2022 verlängert. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Schlussmann des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten über den Zeitpunkt der Verlängerung, das Leben als Papa, Corona, die EM 2021 mit Österreich und über ein mögliches Karriere-Ende beim VfL.

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Trainer aus Österreich in der deutschen Bundesliga ©

Wenn ein Klub den Vertrag mit einem seiner Spieler verlängert, wird das danach meist öffentlich gemacht. Bei Ihnen ist das geheim geblieben, als Sie bereits im Sommer 2019 vorzeitig bis 2022 verlängert haben. Erst jetzt ist das öffentlich geworden. Wollten Sie das damals nicht?
Ich bin nicht der Typ, der es braucht, alles öffentlich zu machen. Gemeinsam mit den sportlich Verantwortlichen des VfL haben wir uns dann für diesen Weg entschieden. Jörg Schmadtke wusste von Anfang an, dass ich mich immer gern länger an einen Verein binde, was man ja auch an meinem letzten Verein sehen kann. Und die Gespräche mit ihm waren von Anfang an offen und ehrlich, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Bei Ihrem Ex-Verein Linz waren Sie acht Jahre lang...
...ich identifiziere mich mit dem Klub, bei dem ich spiele, möchte die Werte, für die der Klub steht, auch verkörpern. Das habe ich dem VfL mitgeteilt, zum Ende der letzten Saison haben wir dann die Spielzeit Revue passieren lassen und dann habe ich Jörg Schmadtke meinen Wunsch, hier noch länger bleiben zu wollen, noch mal gesagt. Wir waren uns dann sehr schnell einig darüber, dass mein Vertrag verlängert wird.

Haben Sie Schmadtke dann gesagt, dass sie nicht möchten, dass die Vertragsverlängerung öffentlich wird?
Nein, ich habe mir ehrlich gesagt darüber auch gar keinen Kopf gemacht. Ich war froh, dass ich länger hierbleiben darf, und der Rest ist dann Sache des Vereins. Wie gesagt, wir haben gemeinsam so entschieden – und ich stehe voll und ganz hinter dieser Entscheidung. Wir im Verein wissen, was Sache ist – und das reicht mir persönlich dann auch.

So präsentiert der VfL Wolfsburg den neuen Look

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Maximilian Arnold ©

Sie sind jetzt 32 Jahre alt – können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere in Wolfsburg zu beenden?
Ja, das kann ich mir definitiv vorstellen, weil ich einfach sehe, was hier alles möglich ist. Wir haben hier noch so viel Potenzial, was nicht ausgeschöpft ist. Und so lange das der Fall ist, sehe ich auch gar keinen Grund, zu einem anderen Verein zu wechseln, außer es kommt etwas total Außergewöhnliches. Aber meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl, ich bekomme die Wertschätzung des Klubs und habe mit Pascal Formann einen Torwarttrainer, bei dem ich merke, dass ich mich kontinuierlich weiterentwickele.

Was ist denn noch möglich mit dem VfL, wenn Sie an kurzfristige Ziele denken?
Es geht jetzt darum, das, was wir in den vergangenen beiden Jahren erreicht haben, nämlich international zu spielen, zu bestätigen. Wir wollen da eine feste Größe werden, mit der zu rechnen ist. Und dann darf man natürlich auch immer wieder von einem Platz etwas weiter oben träumen. Wir sind alle im Klub dafür bereit, man darf sich Hoffnung auf mehr machen.

Sie sind hinter Koen Casteels die Nummer 2 beim VfL, haben gezeigt, dass Sie ihn würdig vertreten können – welche Ziele haben Sie persönlich noch?
Ich möchte täglich besser werden. Und wenn man sieht, wie viele Spiele (32, Anmerkung der Redaktion) ich in den vergangenen zwei Jahren gemacht habe, ergibt sich alles andere automatisch. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich hier noch lange nicht alles erreicht habe, was ich mir vorgenommen habe – und auf dieses Bauchgefühl vertraue ich stets.

Pokal, Europa-League-Quali, Liga – auf den VfL warten viele Spiele innerhalb kürzester Zeit: Hoffen Sie darauf, da auch mal spielen zu dürfen?
Ja, natürlich. Jedes Mal, wenn ich auf den Platz gehe, um zu trainieren, habe ich die Hoffnung, beim nächsten Pflichtspiel im Tor stehen zu dürfen. Das pusht mich, diese Hoffnung lasse ich mir auch nicht nehmen.

Sie sind im Februar Papa geworden – hat Ihr Sohn Leo dafür gesorgt, dass Sie zwischen den Pfosten noch mehr Ruhe ausstrahlen können?
Ich bin geduldiger geworden. Unser Junge ist jetzt vier Monate alt – er tut uns beiden gut. Die Nächte sind ruhig, es passt alles (schmunzelnd).

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Wie lange wollen Sie noch spielen?
Ich spiele so lange, bis mein Körper sagt: Jetzt ist genug. Wenn ich nicht mehr bereit bin, mich zu quälen, höre ich auf. Ich muss einfach immer hundert Prozent geben können. Ich bin nicht ich, wenn das nicht geht. Ich hoffe, dass ich hier noch eine erfolgreiche Geschichte zusammen mit dem Klub schreiben kann. Was danach kommt, weiß ich nicht. Aber es wäre schön, wenn ich nach meiner aktiven Laufbahn im Torhüter-Bereich etwas machen könnte. Das wäre ein Traum von mir.

Wie bitter ist es für Sie, dass die EM verschoben wurde?
Klar ist das bitter, ich hatte mich schon sehr darauf gefreut. Aber in diesen Zeiten mit Corona gibt es Menschen, die es viel schlimmer getroffen hat als mich jetzt mit dieser EM. Das ist ein Luxusproblem. Das Turnier ist ja nur verschoben worden aufs nächste Jahr. Ich werde alles dafür tun, dabei sein zu können. Das ist zumindest ein großes Ziel von mir.