26. Januar 2022 / 12:19 Uhr

96-Boss Kind hofft auf 25-Prozent-Regelung: "Wünsche ich mir auch für uns"

96-Boss Kind hofft auf 25-Prozent-Regelung: "Wünsche ich mir auch für uns"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Boss Kind fordert bei den erlaubten Zuschauern eine einheitliche Regelung.
96-Boss Kind fordert bei den erlaubten Zuschauern eine einheitliche Regelung. © Florian Petrow/Christian Behrens
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Die aktuell stark von einander abweichende erlaubte Auslastung der Stadien ist für Martin Kind "nicht nachvollziehbar". Der 96-Boss hofft darauf, dass - wie künftig in Bayern - 25 Prozent der Sitzplätze genutzt werden dürfen. "Diese Regelung wünsche ich mir auch für uns."

Mit Corona-Leugnern hat der 96-Chef nichts am Hut. „Wir sollten in der Krise den Fachleuten vertrauen, die haben die höchste Kompetenz“, sagt Martin Kind. „Schwieriger wird’s aber mit der Politik, weil da nach anderen Gesichtspunkten entschieden wird.“ Und zwar von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In der niedersächsischen Kapitale Hannover durften am vergangenen Sonntag nur 500 Zuschauer das Zweitligaspiel gegen Dresden sehen. Das entspricht einer Auslastung von einem Prozent im Stadion, das 49 000 Plätze hat.

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150 Kilometer entfernt, in Magdeburg, gilt das Recht von Sachsen-Anhalt. 13 500 Fans sahen das Drittligaspiel gegen Havelse, das entspricht einer Auslastung von knapp 50 Prozent. „Dieser Flickenteppich ist nicht nachvollziehbar“ für Kind. Er fordert: „Wir brauchen endlich bundeseinheitliche Regelungen, die Politik muss über ihren Schatten springen.“

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Bayern geht den ersten Schritt und holt die Fans zurück in die Stadien. Nach dem Kabinettsbeschluss am Dienstag gilt ab Donnerstag die neue Obergrenze von 10 000 Zuschauern. Maximal dürfen 25 Prozent der Sitzplätze genutzt werden. „Diese Regelung finde ich gut und wünsche ich mir auch für uns“, meint Kind. „Das kann man für alle Stadien gleich welcher Größe, umsetzen und gut nachvollziehen.“

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Die niedersächsische Landesregierung von Ministerpräsident Stephan Weil – im Ehrenamt auch langjähriger 96-Fan – spielt jedoch nicht mit. „Bei uns bleibt es dabei, dass Veranstaltungen nur mit bis zu 500 Personen zulässig sind“, stellte eine Regierungssprecherin am Dienstag klar.

Wehrle schimpft: "Würfeln die eigentlich?"

Der aufgestaute Ärger entlädt sich, auch unter dem großen wirtschaftlichen Druck der Vereine. Die Einnahmeverluste bei den Geisterspielen sind immens. 96 verliert pro Heimspiel eine halbe Million.

Alexander Wehrle, Geschäftsführer beim 1. FC Köln, nennt Beispiele. „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wenn in der Elbphilharmonie in Hamburg von 2100 möglichen Zuschauern 2000 in einem geschlossenen Raum sind und ein paar Kilometer weiter im Hamburger Stadion auch 2000, weil das eben die Grenze ist“, schimpft Wehrle. „Wer hat denn die 2000 in Hamburg festgelegt? Und wer die 750 in Köln? Und wer die 1000 in Mainz? Würfeln die eigentlich?“

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Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schließt nun auch juristische Schritte nicht mehr aus. „Wir werden uns die Beschlüsse des Landes NRW genau anschauen und prüfen, ob wir sie im Eilverfahren kontrollieren lassen.“ Für 96 „ist eine Klage kein Thema“, sagt Kind. Watzke schmollt weiter: „Wir lassen in Innenräumen teilweise fast 90 Prozent der Kapazität zu und in Freiluftstadien nur 750 Menschen. Unter freiem Himmel werden die Leute ausgesperrt“, sagte er. „Das ist nicht verhältnismäßig, das ist auch keine Wissenschaft, das versteht kein Mensch mehr.“

Ob das so bleibt, wird sich am 9. Februar zeigen. Dann sollen die Länderchefs eine einheitliche Regelung für überregionale Großveranstaltungen vereinbaren. Das wäre rechtzeitig vor dem nächsten 96-Heimspiel am 13. Februar gegen Tabellenführer Darmstadt. Zurzeit plant Kind „mit drei Szenarien“ für die restlichen sieben Rückrundenspiele. Mit 5000, 10 000 oder 20 000 Fans. „Wir wollen kein Hotspot sein und beweisen, dass wir die Vorgaben der Politik seriös umsetzen“, erklärt Kind. „Aber die müssen auch sinnvoll sein.“