18. Oktober 2020 / 15:47 Uhr

0:1 in Paderborn: 96 kann Derbysieg-Euphorie gegen bissige Ostwestfalen nicht nutzen

0:1 in Paderborn: 96 kann Derbysieg-Euphorie gegen bissige Ostwestfalen nicht nutzen

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Valmir Sulejmani (links) und Marco Terrazzino gehen nach einem Zweikampf zu Boden.
Valmir Sulejmani (links) und Marco Terrazzino gehen nach einem Zweikampf zu Boden. © Friso Gentsch/dpa
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Hannover 96 hat gegen den SC Paderborn mit 0:1 verloren. Den vorausgegangenen Derbysieg gegen Eintracht Braunschweig konnten die Roten somit nicht in weitere Punkte ummünzen. Kenan Kocak sah einen über weite Strecken müden und unengagierten Auftritt seiner Mannschaft. 

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Da standen die 96-Spieler nach dem Abpfiff, mit schön viel Abstand voneinander, die Hände in die Hüfte gestemmt. An ihren hängenden Köpfen war das enttäuschende Ergebnis abzulesen. 0:1 verloren - dabei die erste Hälfte völlig vergurkt - und in der zweiten an der Abschlussschwäche gescheitert.

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Damit ist mal wieder alles anders gekommen als erwartet. Paderborn hatte saisonübergreifend in 18 Partien in Folge nicht gewonnen und stand massiv unter Druck. Schon wurde Trainer Steffen Baumgart infrage gestellt. 96 kam mit der Empfehlung des Derbysiegs. Von dem erhofften Rückenwind durch das 4:1 gegen Braunschweig war allerdings nichts übrig - es gab fast nur Gegenwind in der ersten Hälfte. „Da haben wir nicht das Gesicht gezeigt, das uns ausmacht. So wollten wir nicht spielen“, ärgerte sich Trainer Kenan Kocak „Vielleicht war der Jubel nach dem Derbysieg zu groß.“

Bilder zur Partie der 2. Bundesliga zwischen dem SC Paderborn und Hannover 96

Die Zuschauer in der Paderborner Benteler-Arena müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Zur Galerie
Die Zuschauer in der Paderborner Benteler-Arena müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. ©

Paderborns Pressing bringt 96 in Probleme

96 ließ sich immer wieder von den Paderbornern erpressen. Mit dem frühen Pressing kam die Mannschaft überhaupt nicht klar. Paderborn setzte die 96-Spieler früh unter Druck, provozierte immer wieder Fehler. Es gelang der Mannschaft kaum mal, den Ball aus dem Strafraum sauber nach vorn zu spielen. „Mut und Tiefgang haben uns gefehlt“, meinte Kocak.

So fiel die Führung der Gastgeber auch nach einem Zweikampfgestocher, das die Paderborner vor dem 96-Strafraum gewannen. Von rechts wackelte Johannes Dörfler dann erst Niklas Hult aus und drehte die Kugel schön ins Netz. Genki Haraguchi und Simon Falette bei seiner 96-Premiere verweigerten die Hilfestellung. Ein typisches und verdientes Tor für die Paderborner, weil sie bissiger im Zweikampf agierten als die 96-Spieler.

Dreifach-Wechsel sorgt für Besserung

Ein Fehler im 96-System war dabei diesmal, dass Spielmacher Haraguchi als Linksaußen im Mittelfeld zu sehr aus dem Spiel gedrängt wurde. Eine Umstellung vom im Mittelfeld außenlastigen 4-4-2 war zwingend geboten. Kocak baute auch zur zweiten Hälfte auf Mittelfeldraute um, setzte dann mit einem Dreierschlag beim Wechseln ein weiteres Zeichen. Die Mannschaft schien das Signal mit Verzögerung verstanden zu haben. „Ab der 55. Minute haben wir ein gutes Spiel gemacht“, lobte Kocak.

Bis dahin hatten die Paderborner noch zwei Großchancen (Dennis Srbeny, 46. und Julian Justvan (49.). Wäre das 0:2 gefallen, wäre es eine Parallele zur letzten Auswärtsniederlage in Osnabrück (1:2) gewesen und vermutlich die frühzeitige Entscheidung. Hendrik Weydandt zog nachher auch den Vergleich zur Osnabrück-Pleite. „Beide Male haben wir die Prinzipien, die uns im Derby stark gemacht haben, nicht auf den Platz bekommen.“

Stärkeres Ende bleibt unbelohnt

Dennoch kam 96 mit dem nun mittiger agierenden Haraguchi besser ins Spiel, fing an zu kämpfen, erarbeitete sich ein Übergewicht und diverse Torchancen. Dabei stellte sich vor allem Marvin Ducksch aber nicht wie ein Torjäger an - er verdaddelte auch die besten Gelegenheiten - besonders in der 62. und 94. Minute. Frei lief Ducksch da aufs Tor zu und verzog - das hätte der Ausgleich in letzter Sekunde sein können - oder sogar müssen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Paderborn zwischendurch gute Chancen aufs 2:0 vergab (Svante Ingelsson, 80.).

Für 96 bleibt: Hinten raus unglücklich, aber auch verdientermaßen verloren, wie Weydandt richtig zugab. Man habe sich gegenseitig vorher noch gewarnt, „dass wir wieder diese Galligkeit und Gier an den Tagen legen müssen“, erläuterte Weydandt. „Das haben wir nicht gemacht, und deswegen verlieren wir dieses Spiel.“