01. April 2020 / 07:42 Uhr

Anteil nur für die Mitarbeiter: Der lange Weg zum Gehaltsverzicht der 96-Profis

Anteil nur für die Mitarbeiter: Der lange Weg zum Gehaltsverzicht der 96-Profis

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Profis von Hannover 96 verzichten auf Teile ihres Gehalts.
Die Profis von Hannover 96 verzichten auf Teile ihres Gehalts. © imago images/Zink/Schöning
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Es hat eine ganze Weile gedauert, am Montag haben sich Verantwortliche und Spieler von Hannover 96 jedoch auf einen Gehaltsverzicht geeinigt. Auf welchen Anteil ihres Salärs die Profis verzichten, bleibt geheim. Klar ist aber, dass er zweckgebunden ist und den Angestellten des Vereins zugutekommt.

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Felipe war der erste Spieler, schon um 13.45 Uhr parkte der 32-Jährige vor der Geschäftsstelle von Hannover 96 in der Robert-Enke-Straße. Es folgten Waldemar Anton, Ron-Robert Zieler, Marvin Ba­ka­lorz und als Letzter um 14 Uhr Edgar Prib – damit war der Mannschaftsrat kom­plett.

"Ich sage nichts"

Sie waren gekommen, um über einen Gehaltsverzicht zu verhandeln – im Besprechungsraum der Geschäftsstelle waren Gerhard Zuber und auch Martin Kind dabei. Der 96-Profichef hatte zuvor aus der Geschäftsstelle an der DFL-Videokonferenz teilgenommen.

Kind verließ um 16.06 Uhr die Geschäftsstelle, um 17 Uhr stand ein weiterer wichtiger Termin für den 75-Jährigen an. Die Spieler feilten danach noch mit 96-Medienchef Heiko Rehberg an einer Pressemitteilung. Um 17.20 Uhr verließ der Spielerrat gemeinsam die Ge­schäfts­stel­le, nicht mehr so gut gelaunt wie bei der Ankunft knapp dreieinhalb Stunden vorher. Prib wollte sich auf Nachfrage nicht äußern, wie keiner der Profis: „Ich sage nichts.“

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Zuber hatte zuvor über ei­ne Woche lang versucht, bei den Spielern die Bereitschaft zum Gehaltsverzicht zu er­kun­den, Trainer Kenan Kocak schon vor zehn Tagen ein Zeichen gesetzt. „Es ist eine be­son­de­re Situation, da dürfen wir nicht nur an uns selbst denken“, sagte der 39-Jährige, „jetzt ist solidarisches Han­deln gefragt, gerade im Interesse unserer Mitarbeiter im Verein. Da trage ich gern meinen Teil dazu bei und verzichte auf Teile meines Gehalts.“

Zweckgebundener Verzicht

Die Spieler wollten ihrem Trainer lange nicht so recht folgen. Kocak soll über das Zögern nicht besonders er­baut gewesen sein.

Um 17.45 Uhr dann die Mitteilung, dass die Profis auf Gehalt verzichten. Allerdings handelten sie Bedingungen aus. Ihr Anteil soll „zweckgebunden“ verwendet werden. Das Team wolle so „einen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze der Klubmitarbeiter beisteuern“. Das bei den Spielern eingesparte Gehalt soll den 96-Angestellten zugutekommen.

Die Vertragslaufzeiten der Spieler von Hannover 96

Hendrik Weydandt (im Team seit 2018): Vertrag <b>läuft zum Saisonende aus</b> Zur Galerie
Hendrik Weydandt (im Team seit 2018): Vertrag läuft zum Saisonende aus ©

Im Umkehrschluss heißt das: Wenn 96 Einnahmen fehlen und der Klub als Ganzes in Not geraten könnte, tragen sie nichts dazu bei. Ein Rettungsfond der Spieler wäre da die Lösung.

Zuber lobt "großen Beitrag der Mannschaft"

„Es war uns ein großes Bedürfnis, uns solidarisch mit den vielen Mitarbeitern zu zeigen“, erklärte Kapitän Bakalorz, „wir haben in der Mannschaft mehrere Ideen und Modelle diskutiert und uns dann gemeinsam mit der Klubführung, Gerry Zuber und Kenan Kocak für diese Lösung entschieden.“

Zuber würdigte das Zugeständnis jedenfalls als „großen Beitrag der Mannschaft, der zeigt, dass die 96-Familie zusammenhält – und zwar nicht nur in guten, sondern auch in schwierigen Zeiten“.

Das ist der komplette Kader von Hannover 96 in der Saison 2019/20

Tor: 
Martin Hansen (Rückennummer 25) Zur Galerie
Tor: Martin Hansen (Rückennummer 25) ©

Wie das nun in der Praxis aussehen soll und wie groß der Beitrag der zum Teil 70 000 Euro monatlich kassierenden Profis nun wirklich ist, bleibt unklar. Sicher ist aber, dass ne­ben Kocak auch Zuber auf Gehalt verzichtet.

96 stockt das Kurzarbeitergeld der Mitarbeiter von 60 oder 67 Prozent des Gehalts im ersten Monat auf 95 Prozent auf, im zweiten auf 75 Prozent, im dritten bleibt es bei 60 oder 67 Prozent. Zahlen die Profis die Aufstockung? Oder wie wird ihr Anteil berechnet? Die Frage bleibt unbeantwortet.