01. Juli 2020 / 19:50 Uhr

Gelungene Premiere für 1. Digitalen Potsdamer Kanalsprint

Gelungene Premiere für 1. Digitalen Potsdamer Kanalsprint

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Sebastian Brendel (l.) im Zweikampf mit Conrad Scheibner.
Sebastian Brendel (l.) im Zweikampf mit Conrad Scheibner.
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Weil in diesem Jahr der Potsdamer Kanal-Sprint der Kanu-Asse wegen der Corona-Einschränkungen ausfällt, gab es nun eine digitale Ersatzvariante. Brendel und Co. legten sich am Mittwoch auf dem Ergometer mächtig ins Zeug.

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Das war auch für einen wie Dreifach-Olympiasieger Sebastian Brendel eine besondere Premiere. Weil der diesjährige Kanalsprint wegen der Corona-Einschränkungen abgesagt werden musste, kam am Mittwoch der 1. Digitale Potsdamer Kanalsprint zur Aufführung und Ausstrahlung im Livestream auf der Vereins-Homepage. Statt auf dem Wasser legten die Kanu-Asse auf dem Ergometer eine virtuelle Distanz von 200 Metern zurück. Wettkampfort war die Terrasse der Kanu-Scheune im Luftschiffhafen. Und Brendel gab zu: „Das ist eine wackelige Angelegenheit. Man muss sich technisch schon ein wenig umstellen, die Paddelschläge sind kürzer und der Rhythmus daher etwas anders.“ Doch am Ende setzte sich auch hier Klasse durch. Brendel siegte bei den Canadier-Herren vor seinem Vereinsgefährten Jan Vandrey.

Paddelbruch inklusive

Doch viel wichtiger war es dem Kanuclub Potsdam, sich auf digitalem Weg seinen Fans und Sponsoren zu präsentieren. Letztere hatten die Veranstaltung maßgeblich unterstützt. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse zum Beispiel brachte die Verlängerung des Sponsorings mit dem erfolgreichsten Kanuverein der Welt zur Unterschrift. „Dieses Event ist auch ein kleines Dankeschön an unsere Förderer“, sagte Ronald Rauhe. Der Olympiasieger erinnerte daran, dass er mit vielen anderen in diesen Tagen kurz vor der Abreise zu den Olympischen Spielen in Tokio gestanden hätte.

Nun wurden die Spiele um ein Jahr verschoben. Rauhe musste sich im Finale bei den Kajak-Herren Jacob Schopf geschlagen geben, allerdings begünstigt durch einen Paddelbruch. „In einem richtigen Rennen ist mir das noch nie passiert“, meinte Rauhe. Der 38-Jährige erzählte: „Natürlich ist es schmerzhaft, dass der Kanalsprint vor den vielen tausend Zuschauern in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Aber wir haben einen guten Weg gefunden, uns trotzdem zu zeigen. Auch für uns und für den Kanu-Nachwuchs ist es ganz wichtig, wenn wir in diesen Zeiten Möglichkeiten finden, unser Können zu zeigen. Das braucht man auch zur Motivation.“

Er räumte ein, kein Fan des Kanu-Ergometers zu sein. „Zum Glück haben wir ja unseren Gegenstromkanal, wo wir im Winter viel trainieren können. Trotzdem ist das Ergometer im Winter ein gängiges Trainingsmittel.“ Brendel, dessen Spezialstrecke ja die 1000 Meter sind, verwies zudem darauf, dass er nicht gerade der Sprintspezialist sei. „Aber ich versuche, das Beste daraus zu machen.“ Gesagt, getan.

Digitale Trockenübung

Während bei den Canadier-Damen Isabelle Zanin vor Annika Loske gewann, behauptete sich bei den Kajak-Damen Katharina Diederichs vor Hannah Blechschmidt.

Jacob Schopf hatte bereits Erfahrungen von einem Ergometer-Wettkampf. „Ich hatte im Winter an einem solchen Wettkampf in Dresden teilgenommen. Das ist dort auch auf positive Resonanz gestoßen. Dank des Livestreams konnten uns alle sehen. Das ist doch ein positives Signal, dass in diesen Corona-Zeiten von unserem Sport ausgeht. Wir wollen schließlich nicht in Vergessenheit geraten.“

Das sah auch Jürgen Eschert so. Der Ehrenvorsitzende des Fördervereins und Erfinder des Kanalsprints erläuterte noch mal die Beweggründe für die digitale Trockenübung: „Die ganze Saison ist für die Sportler doch völlig anders als geplant. Daher finde ich es eine gute Geschichte, wenn wir hier diesen Höhepunkt schaffen. Hauptsache die Sportler haben dabei ein bisschen Spaß. Das Ereignis stärkt auch die Gemeinschaft des Vereins.“ Auch Rauhe resümierte: „ Corona-Zeiten erfordern eben besondere Maßnahmen.“ Und vielleicht könnte es ja eine Fortsetzung des digitalen Kanusprints im kommenden Winter in der MBS-Arena geben – dann möglichst mit vielen Zuschauern.