09. März 2020 / 13:04 Uhr

Geisterspiele wegen des Coronavirus: Wer entschädigt die Fans - und wie?

Geisterspiele wegen des Coronavirus: Wer entschädigt die Fans - und wie?

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Fans, die ihre Mannschaft aufgrund von Geisterspielen nicht unterstützen können, müssen entschädigt werden - oder nicht?
Die Fans, die ihre Mannschaft aufgrund von Geisterspielen nicht unterstützen können, müssen entschädigt werden - oder nicht? © imago/Team 2/PhotoAlto/Matthias Koch/Montage RND
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Der Bundesliga drohen mehrere Geisterspiele. Unter anderem sollen das Rhein-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, sowie das Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 ohne Zuschauer stattfinden. Aber wer entschädigt die Fans, die bereits Karten gekauft haben?

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Bleiben die Fans jetzt auf ihren Kosten sitzen? Diese Frage stellen sich derzeit wohl viele Anhänger von Fußball-Vereinen in ganz Deutschland. Eine klare Antwort gibt es allerdings nicht. Zumindest rein rechtlich nicht.

Die Frage, die über allem schwebt, lautet: Ist es höhere Gewalt, wenn ein Spiel aufgrund des Coronavirus zu einem Geisterspiel wird? Dann sind die Vereine nämlich nicht erstattungspflichtig - ähnlich wie die Deutsche Bahn, wenn ein Sturm den Fahrplan durcheinander wirbelt.

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Der Dortmunder Rechtsanwalt Stefan Witte erklärte dem SPORTBUZZER, dass ein Zuschauerausschluss aufgrund des Coronavirus allerdings nicht unbedingt rechtlich als "höhere Gewalt" einzustufen sei. "Nach den bisherigen Aussagen der Verantwortlichen handelt es sich eher um eine präventive Maßnahme, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird", sagte Witte. Dies macht eine Beantwortung der Frage, wer nun eventuelle Entschädigungen zahlt, noch schwieriger.

Gesundheitsminister Spahn empfiehlt Absagen von Großveranstaltungen

Da der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Absage von Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern nur empfiehlt, sind die jeweiligen Landesminister in der Verantwortung. Der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wollte in der ARD-Talkshow Anne Will allerdings auch nur die Empfehlung weitergeben - an die jeweiligen Gesundheitsämter.

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Ob diese sich allerdings dazu durchringen können, eine solch schwerwiegende Entscheidung zu treffen, ist offen. Denn: Sollten die Gesundheitsämter ein Geisterspiel - oder gar eine Absage - anordnen, muss das Land auch Entschädigungszahlungen an die Veranstalter - also in dem Fall den Fußball-Verein - zahlen.

BVB hat eine Ausfallversicherung

Wenn die Gesundheitsämter allerdings keine Entscheidung treffen, hängt alles vom Veranstalter ab. "Der Veranstalter trägt das rechtliche Risiko", sagt Witte. Jegliche finanziellen Forderungen müssten sich dann an die betroffenen Vereine richten. So hat sich Borussia Dortmund gegen mögliche Spielabsagen mit einer Ausfallversicherung abgesichert.

Generell gilt: "Ausfälle von Spielen in der Fußball-Bundesliga können über eine Veranstaltungsausfall-Versicherung abgedeckt werden", teilte die Versicherung Signal Iduna dem SPORTBUZZER mit. "Versichert sind dann beispielsweise auch Ausfälle durch Beschlüsse der DFL (Zuschauerausschluss). Grundsätzlich nicht versichert sind Ausfälle wegen Seuchen und Epidemien – diese Deckung muss zusätzlich individuell verhandelt und eingeschlossen werden."

Die Fans vom BVB könnten also zumindest ihr Geld zurückbekommen, wenn das Revier-Derby gegen den FC Schalke 04 als Geisterspiel ausgetragen wird. Die Fans anderer Vereine - die keine Versicherung diesbezüglich abgeschlossen haben - müssen laut Witte dann allerdings auf die Kulanz der Vereine hoffen. Die BVB-Fans, die für das nun verkündete Geisterspiel bei Paris Saint-Germain Karten hatten, sollen die gezahlten Eintrittsgelder nach SPORTBUZZER-Informationen ebenfalls zurückerstattet bekommen.