09. Mai 2020 / 15:55 Uhr

Saison in MV vorzeitig zu Ende: Jetzt drängen Aufstiegsaspiranten auf eine Wertung

Saison in MV vorzeitig zu Ende: Jetzt drängen Aufstiegsaspiranten auf eine Wertung

Johannes Weber/Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Der SV Teterow hätte nichts gegen einen Aufstieg in die Landesliga.
Der SV Teterow hätte nichts gegen einen Aufstieg in die Landesliga. © Ulf Lange
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Mit dem Aus für die laufende Saison hat der Landesfußballverband kürzlich die Leitplanken für die Planung der kommenden Spielzeit gesetzt. Nun warten die Mannschaften gespannt, wie über Auf- und Abstieg entschieden wird. 

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Der Landesfußballverband MV (LFV MV) hat entschieden: Die Saison 2019/20 wird nicht fortgeführt. Damit folgen die Funktionäre dem Stimmungsbild der Vereine aus dem Bundesland. Die hatten in der Umfrage des LFV MV mit großer Mehrheit klargemacht, dass ein sofortiges Ende der Spielzeit als die sinnvollste Lösung erscheint. Der Verband beschloss das vorzeitige Aus am Donnerstagabend offiziell. Unklar bleibt hingegen, wie diese Saison nun gewertet wird. Eine Entscheidung soll am 27. Mai fallen. Somit müssen sowohl die abstiegsbedrohten als auch die aufstiegswilligen Teams noch über zwei Wochen warten. Der SPORTBUZZER hat den Blick auf die oberen Tabellenregionen im Land gelegt. Wollen überhaupt alle Spitzenreiter und theoretisch möglichen Meister nach oben?

Verbandsliga: Zwei von vier wollen raus aus MV

Bereits im Winter hatten in der Verbandsliga mit dem FC Anker Wismar und 1. FC Neubrandenburg der aktuelle Spitzenreiter und Tabellendritte signalisiert, den Sprung in die Oberliga Nordost nicht in Angriff nehmen zu wollen. Lediglich der Rostocker FC (2. Platz) und der FC Mecklenburg Schwerin (4.) hatten aus der höchsten MV-Spielklasse Anfang März ihre Unterlagen beim Nordostdeutschen Fußballverband eingereicht.

Momentan wäre der RFC der erste Aufrücker in die Oberliga und würde sein Aufstiegsrecht nach aktuellem Stand auch wahrnehmen. Das bestätigte Rostocks Manager Andreas Murken. „Die Bedingungen würden wir erfüllen. Wir müssen jetzt aber auch schauen, wie unsere Sponsoren die Coronakrise überstehen“, erklärt der 46-Jährige.

Das sind die Tabellenstände von der Verbandsliga bis zur Landesklasse IV vor der Coronapause:

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Sollten die Rostocker ihre Überlegungen doch noch einmal überdenken und verzichten, stünde der FC Mecklenburg Schwerin bereit. Die Landeshauptstädter hatten aus formellen Gründen für die Oberliga gemeldet. Sie würden jedoch nicht „um jeden Preis aufsteigen“, wie FCM-Sportvorstand Björn Blechenberg vor einigen Wochen verlauten lassen hat. „Wenn wir in die Oberliga gehen, dann weil wir wirtschaftlich in der Lage sind und uns sportlich dafür qualifiziert haben", fügte Blechenberg hinzu. Schon vor zwei Monaten war ihm und den Schwerinern bewusst, dass es sehr schwer werden wird, den Neun-Punkte-Rückstand zum RFC noch aufzuholen.

Klare Sache in der Landesliga West

Eindeutig ist die Situation beim FC Schönberg in der Landesliga West. Als unangefochtener Spitzenreiter mit 18 Siegen in 19 Spielen steuern die Nordwestmecklenburgern die Rückkehr in die Verbandsliga an. Die 14 Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger FSV Bentwisch unterstreichen die Dominanz der Maurinekicker in der aktuellen Saison. Mit den Verpflichtungen von Dennis Wehrendt, Andreas Gomig und Nils Kjär, die für den VfB Lübeck zusammen über 380 Regionalliga-Partien absolviert haben, signalisieren die Schönberger eindeutig, dass sie mit aller Macht eine Etage höher wollen.

Bis zu sechs Ost-Teams im Aufstiegsrennen

Ganz anders sieht die Situation im Osten aus. Dort wäre der Meisterschaftskampf sicher bis zum regulären Saisonende ein heißer Tanz geworden. Platz eins und fünf liegen nur vier Zähler auseinander. Dementsprechend viele Aufstiegsaspiranten gibt es - theoretisch. In der Praxis sieht es aber anders aus. Bei allen Mannschaften an der Tabellenspitze steht noch ein großes Fragezeichen hinter der Aufstiegsfrage.

Beim aktuellen Spitzenreiter FSV Malchin wurde sich über Möglichkeit auf eine sofortige Rückkehr in die Verbandsliga „noch nicht im Detail verständigt“, sagt Trainer Marcus Budniak. „Wir finden es nicht fair, jetzt zu sagen, wir wollen aufsteigen oder nicht. Die aktuelle Tabelle ist nicht aussagekräftig.“ So würden die Malchiner bei Wertung der Hinrunde auf Rang fünf „abrutschen“. Daher will der FSV erst die Entscheidung des Verbandes abwarten, bevor der Verein über einen eventuellen Aufstieg nachdenkt.

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Gleiches gilt beim Greifswalder FC II. Zwar steht die Oberliga-Reserve bei Abbruch nur auf Platz vier, hätte bei einer Wertung der Hinrunde als Herbstmeister wohl aber das Vorrecht auf den Platz in der Verbandsliga. Mit Eventualitäten will sich der GFC aber nicht beschäftigen. „Hätte, wenn, könnte – sich jetzt mit dem Aufstieg zu beschäftigen, wäre verschenkte Zeit. Noch sind zu viele Fragen offen. Erst mal muss der Verband entscheiden und auf uns zukommen“, sagt Reserve-Trainer Mathias Raths.

Alle anderen Teams, die für einen Aufstieg aus der Landesliga Ost infrage kommen könnten, warten ebenso ab. „Wir müssen auf eine Entscheidung vom Verband warten und dann gegebenenfalls sehen, wie unsere Kadersituation ist", bestätigt Onni Berner vom SV Waren (2.). Im Aufstiegsrennen sind noch VFC Anklam (3.), TSV 1860 Stralsund (5.) und SV Siedenbollentin (6.).

Bentwisch II darf nicht, Teterow ist bereit

In der Landesklasse I wird der aktuelle Spitzenreiter definitiv nicht aufsteigen, denn er darf nicht. FSV Bentwisch II kann nicht in die Landesliga, da schon die „Erste“ in der Weststaffel vertreten ist. So steckt Verfolger SV Teterow in den Startlöchern. „Wir würden aufsteigen!“, formuliert Detlef Blehk klar. Der Vereinsvorsitzende ist für die Wertung der Hinrunde, vor allem wünscht er sich aber endlich eine Entscheidung. „Es muss etwas passieren, es ist viel zu ruhig.“

Als aktueller Tabellendritter hat der SV Barth noch ein Hinrundenspiel offen und sich mit einer eventuellen Aufstiegsfrage noch nicht befasst. „Wenn die Jungs Bock drauf haben, würden wir es bestimmt machen. Aber da müssen wir erst mit dem Team und dem Vorstand sprechen", sagt Vereinsboss Marco Schwarz.

Zögern im Südosten, Klarheit in der LK III und IV

Offen ist, ob der TSV Friedland den Durchmarsch von der Kreisoberliga in die Landesliga machen will. Als Aufsteiger führen die Kicker vom Hagedorn die Landesklasse II mit zwei Punkten Vorsprung vor dem Torgelower FC Greif II an. TSV-Trainer Heinz Dahms betonte, dass aktuell noch keine Entscheidung getroffen worden sei. „Wenn die Regelungen weiter gelockert werden sollten, können wir uns demnächst mit der Mannschaft zusammensetzen und das Thema bereden“, meint der 63-Jährige.

Offensiver geht der SFV Nossentiner-Hütte mit dem Thema Aufstieg um. Der Tabellenführer der Landesklasse III bestätigt, im Erfolgsfall den Sprung in die Landesliga wagen zu wollen. Momentan haben die Kicker von der Mecklenburgischen Seenplatte sechs Zähler Vorsprung vor dem Tabellenzweiten FSV Kritzmow.

Der Aufstieg des SFV wäre nur die logische Folge der positiven Entwicklung, die die Mannschaft genommen hat. Trainer Henning Muske: „Als ich zur Saison 2018/19 mein Amt antrat, haben wir das Team verjüngt und sind gleich Dritter geworden. Dass wir ein Jahr später seit mehreren Monaten Spitzenreiter sind, damit war nicht zu rechnen.“

Zur Saison 2020/21: Diese Transfers stehen schon fest (Stand: 28. August 2020)

Ex-Drittliga-Kicker Sascha Schünemann wechselt von den Hansa-Amateuren zum Greifswalder FC Zur Galerie
Ex-Drittliga-Kicker Sascha Schünemann wechselt von den Hansa-Amateuren zum Greifswalder FC ©

Muske erzählt, dass der Staffelwechsel im vergangenen Sommer seinem Team zugutekam. Statt nach Neubrandenburg und ins tiefste Vorpommern, ging es für die SFV-Kicker fortan in die Region Rostock und Umland. „Es liegt uns, dass die Rostocker Mannschaften vor allem über das Spielerische kommen.“

Auch der vierte Spitzenreiter einer Landesklasse, die SG Ludwigslust/Grabow, ist bereit für die höhere Liga. Das hatte Frank Engel, Spielleiter der Männer und A-Junioren, bereits Ende April bestätigt.