11. Oktober 2019 / 16:15 Uhr

Früher 3. Liga, jetzt Woltwiesche

Früher 3. Liga, jetzt Woltwiesche

Lars Lorenz
Peiner Allgemeine Zeitung
Hüseyin Dogan (rechts) kann hier den Schuss von Groß Lafferdes Kevin Harms nicht verhindern. Mit Ruhe am Ball und viel Übersicht verstärkt er aber die Woltwiescher.
Hüseyin Dogan (rechts) kann hier den Schuss von Groß Lafferdes Kevin Harms nicht verhindern. Mit Ruhe am Ball und viel Übersicht verstärkt er aber die Woltwiescher. © Ralf Büchler
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Nach dem verpatzten Saisonstart mit drei Niederlagen ohne ein einziges Tor leitete der Fußball-Bezirksligist Viktoria Woltwiesche die Wende ein. Mitgeholfen hat dabei ein ganz Erfahrener: Hüseyin Dogan, Zwillingsbruder von Ex-Eintracht-Profi Deniz Dogan, spielte schon für den SV Meppen, Holstein Kiel und den VfB Lübeck in der 3. Liga.

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Der 39-jährige Spielgestalter ist eine echte Verstärkung, freut sich Viktoria-Coach Thomas Mühl.

61 Minuten waren am 4. Oktober 2003 gespielt, als der damalige Drittligist Holstein Kiel im Heimspiel gegen Preußen Münster mit 2:1 in Führung ging. Der Torschütze: Hüseyin Dogan. Es war bereits die zweite Torbeteiligung des Mittelfeldstrategen. Schon beim 1:1 durch Daniel Teixeira hatte er die Vorlage geliefert. „Wir lagen zwar 0:1 hinten, haben aber nicht aufgegeben und wurden dafür am Ende belohnt“, erinnert sich Dogan gerne zurück.

Rückblick ohne Wehmut

Ein Spiel, das sinnbildlich für den Verlauf der Karriere des heutigen 39-Jährigen steht, der durch Verletzungen oft zurückgeworfen wurde. „Ob Achillessehnenriss, Kreuzbandanriss oder mehrere Innenbandrisse, ich habe einiges mitgenommen.“ Und dennoch, Dogan kämpfte sich immer heran und blickt heute ohne Wehmut zurück. „Es war alles in Ordnung so. Ich habe sehr viel positive Erfahrungen gesammelt!“

Wie zum Beispiel die DFB-Pokalabende mit den Kielern gegen Bayer Leverkusen, als er gegen Dimitar Berbatov, Oliver Neuville oder Bernd Schneider spielte (1:3). Oder als er Seite an Seite mit ehemaligen Bundesligakickern wie André Trulsen oder Jens Dowe den VfL Bochum um Dariusz Wosz am Rande einer Niederlage hatte (1:2). „Das waren Spiele und Gegner, die uns zur Höchstleistung getrieben haben. Wir haben mit sehr viel Mut gespielt.“

Dogan sammelte Erfahrung, von der seine Mitspieler heute profitieren. Seit Mitte August kickt der in Braunschweig lebende Zwillingsbruder von Ex-Eintracht-Profi Deniz Dogan bei der Viktoria. Zustandekommen ist der Königstransfer der Viktoria über dessen Arbeitskollegen und aktuellen Trainer Thomas Mühl – Dogan arbeitet im Materialmanagement bei MAN. „Wir haben uns auf der Arbeit mehrere Male ausgetauscht, ich habe dann mittrainiert und zugesagt.“

Traumtor von der Mittellinie

Zwar verlief das Debüt beim Tabellenführer FSV Schöningen nicht nach Maß (0:5), doch im weiteren Saisonverlauf steigerten sich die Blau-Weißen. Gegen den MTV Salzdahlum (2:1), SC Rot-Weiß Volkmarode (3:1) und gegen den MTV Hondelage (3:1) ergatterte die Mannschaft von Trainer Thomas Mühl ihre ersten Punkte. Dogan selbst steuerte einen Treffer bei. Und was für einen! Gegen Volkmarode traf der Routinier von der Mittellinie zum zwischenzeitlichen 2:0.

„Hüseyin verfügt über enorme Qualitäten. Er kann in der Innenverteidigung, auf der Sechs oder der Zehn spielen. Ob Ballsicherheit, sein Passspiel, der Torabschluss oder auch seine Zweikampf- und Kopfballstärke – er hilft uns definitiv weiter“, schwärmt sein Trainer. „Und das Schöne ist, dass er in keinster Weise abgehoben oder arrogant auftritt. Im Gegenteil: Er motiviert die Jungs, gibt ihnen Tipps und mehr Sicherheit.“

Und genau das ist auch Dogans Ziel. „Ich sehe mich in der Rolle, den Jungs auf dem Platz zu helfen. Sie einzusetzen und für gewisse Automatismen in den Spielabläufen zu sorgen.“

Dass das funktioniert, habe man in dem einen oder anderen Spiel bereits erkennen können. „Wichtig ist mir, dass jeder mitzieht und Gas gibt.“ Und auch das sei der Fall gewesen. „Es gab keine Begegnung, in der jemand lustlos auftrat.“

Bis Winterpause zugesagt

Ob Hüseyin Dogan, der in der zurückliegenden Spielzeit noch als Co-Trainer der Reservemannschaft von Eintracht Braunschweig arbeitete, den Woltwieschern auch über das Jahr 2019 hinaus zur Verfügung stehen wird, bleibt abzuwarten. „Bis zur Winterpause habe ich zugesagt. Was dann passiert, muss man sehen.“

Jetzt stehe ohnehin die Viktoria im Fokus. Die Mühl-Elf gastiert am Sonntag beim TSV Schöppenstedt. Klar, dass Dogan den nächsten Sieg einfahren möchte, um aus dem Tabellenkeller herauszukommen. Vielleicht geht es ja ähnlich aus wie damals am 4. Oktober 2003 mit Holstein Kiel, als der Mittelfeldstratege maßgeblich zum 2:1-Sieg seiner Mannschaft beigetragen hat.

Hüseyin Dogans Spiel-Tipps

VfB Peine – Lehndorfer TSV 2:1. Der VfB ist heimstark und wird für eine Überraschung sorgen.

TSV Sickte – SV Teutonia Groß Lafferde 1:4. Wenn die Lafferder so eine Leistung zeigen wie gegen uns, dann werden sie gewinnen.

SV Arminia Vechelde – SC Rot-Weiß Volkmarode 3:0. Die Vechelder werden sich oben festbeißen und gewinnen.

MTV Schandelah-Gardessen – TSV Wendezelle 1:3. Wendezelle will unter den Top 5 der Liga bleiben.

TSV Schöppenstedt – SV Viktoria Woltwiesche 0:2. Wir lernen dazu und konzentrieren uns immer besser auf unsere Stärken. Daher werden wir auch gewinnen.