16. April 2021 / 10:43 Uhr

Durchhalten lohnt sich: Gleichens Kunstrasen-Plan nach elf Jahren auf der Zielgeraden

Durchhalten lohnt sich: Gleichens Kunstrasen-Plan nach elf Jahren auf der Zielgeraden

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Nach elf Jahren endlich am Ziel: Der FC Gleichen bekommt einen Kunstrasenplatz.
Nach elf Jahren endlich am Ziel: Der FC Gleichen bekommt einen Kunstrasenplatz. © Verein
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Über ein Jahrzehnt lang haben Vorstandssprecher Hans-Werner Lüther und der FC Gleichen für einen Kunstrasenplatz gekämpft. Nun soll er gebaut werden – und Ende 2021 in Betrieb gehen. Dabei spielt auch Crowdfunding eine wichtige Rolle.

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Elf Jahre hat es gedauert, bis die Idee eines Kunstrasenplatzes für die Gemeinde aus Süd-Niedersachsen kurz vor der Umsetzung steht. Einer, der unermüdlich hinter dem Projekt gestanden hat, ist Hans-Werner Lüther, Vorstandssprecher des FC Gleichen. Der 67-Jährige hofft auf den ersten Spatenstich im Mai.

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Der Weg hin zu einem Kunstrasenfeld in der Gemeinde Gleichen ist mit einem Marathonlauf zu vergleichen – überwog zunächst die Skepsis, dass ein solches Projekt zu stemmen sei, wurden später die Kräfte gebündelt, und kurz vor dem Ziel macht sich langsam Euphorie breit, dass man es doch noch geschafft hat. „Das Schlimmste war, ein Gelände zu finden“, sagt der Gleichener SPD-Ratsherr Lüther. „Dann gab es Probleme mit Grundstückseigentümern, Zweifler und Skeptiker meldeten sich zu Wort. Teilweise gab es starken Gegenwind, und es wurden uns Steine in den Weg gelegt.“ Am Ende bedanke er sich bei seiner eigenen Fraktion und den Freien Wählern Gleichen-Bürger statt Partei im Gemeinderat: „Ohne sie hätten wir schon längst aufgegeben.“

Bilder aus dem Fußball-Bezirkspokal: TSV Groß Schneen - FC Gleichen, 16. September 2020

Klare Angelegenheit: Der FC Gleichen siegt im Fußball-Bezirkspokal mit 5:0 (2:0) beim TSV Groß Schneen. Zur Galerie
Klare Angelegenheit: Der FC Gleichen siegt im Fußball-Bezirkspokal mit 5:0 (2:0) beim TSV Groß Schneen. © Jan-Helge Schneemann

Lüther hat elf Jahre lang für den Platz gekämpft

Er habe elf Jahre für den Platz gekämpft, sagt der ehemalige Bundeswehroffizier Lüther – aber eigentlich, so ging ihm beim Studium der Unterlagen auf, sei die Idee schon viel früher geboren worden: Auf der Versammlung des TSV Germania Diemarden war bereits 2006 vom „Bau eines neuen Sportplatzes“ die Rede.

Zwischendurch wurde 2008 in Diemarden ein vom DFB gesponsertes Mini-Spielfeld gebaut, gelegen in der Nähe der Sporthalle. Daneben sollte eigentlich der neue Bolzplatz gebaut werden, außerdem ein Trimmgarten mit Laufstrecke. Doch in letzter Minute sprach sich einer der Eigentümer entgegen seiner früheren Zusage dagegen aus, sein Grundstück zur Verfügung zu stellen.

Neuer Verein bringt Fußball-Abteilungen zusammen

Es musste umgeplant werden. Parallel dazu wurde ab 2010 über einen neuen Verein in der Gemeinde diskutiert, der schließlich als FC Gleichen 2014 entstand. Lüther: „Wir wollten die Fußball-Abteilungen der Gemeinde zusammenführen.“ Mit dabei sind heute Germania Diemarden, GSV Rittmarshausen/Waterloo, SG Bischhausen/Weißenborn, TSV Bremke/Ischenrode, TSV Klein Lengden, SSV Groß Lengden und VfB Sattenhausen mit Jugend- und Herrenmannschaften. Dazu kommt ein Frauenteam. Eigene Herrenteams unterhalten nur Klein Lengden und Sattenhausen.

Nun zogen mehrere Vereine an einem Strang, und es entstand die Idee, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Favorisiert wurde nach wie vor das Areal an der Sporthalle Diemarden, außerdem kamen Reinhausen und Kerstlingerode in Frage. Diemarden scheiterte erneut am Veto des Eigentümers, das Areal in Reinhausen lag im Überschwemmungsgebiet. Damit war der alte Fußballplatz in Kerstlingerode dazu auserkoren, zu einem Kunstrasenplatz umgebaut zu werden.

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Mit dem erste Bauantrag, datiert vom 8. Oktober 2019, befasst sich im folgenden Dezember der Rat und bewilligte 40.000 Euro Planungsmittel. Der zugehörige Sperrvermerk wird im August 2020 aufgehoben. Alles in allem trägt die Gemeinde Gleichen rund 310.000 Euro von etwa 670.000 Euro der Gesamtkosten. Der Haushalt wurde vom Rat im vergangenen Februar verabschiedet.

Damit ist die Planung für einen Kunstrasenplatz nach elf Jahren – oder sogar 15 Jahren, wenn man die Bolzplatz-Idee hinzunimmt – auf die Zielgerade eingebogen. Momentan bewegt man sich noch etwas im Kreis, denn eine Feldmarkinteressentenschaft muss noch unterschreiben, damit eine Baulast eingetragen wird und die Zufahrtsstraße in Kerstlingerode nutzbar ist. Dieser Eintrag ist Bedingung dafür, dass der Landkreis Göttingen die Baugenehmigung erteilt, woran wiederum die Fördermittel des Landessportbundes (LSB) in Höhe von 100.000 Euro hängen. An deren Bewilligung ist schließlich die Förderung des Landkreises in Höhe von 130.000 Euro aus dem Sportstättenförderprogramm gekoppelt.

Mit Crowdfundig 23.000 Euro gesammelt

Wenn einer den Überblick behält, dann ist das Lüther. Der FCG-Vorstandssprecher und seine Mitstreiter haben auch bereits einen Plan, wie die ausstehende Summe von etwa 135.000 Euro zusammenkommen soll – nämlich durch eine Crowdfunding-Spendenaktion. So konnten bereits 23.000 Euro gesammelt wurden. Außerdem gibt es einen symbolischen Verkauf von Quadratmeter-Stücken des Kunstrasenplatzes, der sich bereits in anderen Fällen bewährt hat.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der SV Blau-Weiß 50 Baabe gewinnt 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse Zur Galerie
Der SV Blau-Weiß 50 Baabe gewinnt 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse ©

„Wir wollen von Haus zu Haus gehen, wollen mit FC-Jugendlichen Handzettel verteilen und damit jeden Haushalt erreichen“, erläutert Lüther. „Wenn jede Gleichener Familie einen Quadratmeter kaufen würde, hätten wir es geschafft.“ Dann wäre ein elf Jahre altes, dickes Brett gebohrt, und ein Vorstandssprecher würde gemäß eigener Prognose heulen.

„Wenn alles optimal läuft, setzen wir im Mai den ersten Spatenstich, und die Jungs können spätestens im November das erste Mal auf dem Platz spielen“, sagt Lüther.