21. April 2020 / 12:14 Uhr

FC Eilenburg zwischen Pokalschmerz und Solidarität

FC Eilenburg zwischen Pokalschmerz und Solidarität

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Präsident Steffen Tänzer sieht Geisterspiele kritisch. „Der FC Eilenburg hätte hohe Ausgaben aber keinerlei Einnahmen.“
Präsident Steffen Tänzer sieht Geisterspiele kritisch. „Der FC Eilenburg hätte hohe Ausgaben aber keinerlei Einnahmen.“ © FC Eilenburg
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Die Coronakrise hält auch Oberligist FC Eilenburg in einem „Würgegriff“ gefangen. Präsident Steffen Tänzer sieht Geisterspiele – ohne Einnahmen – extrem kritisch. Dafür verzichten Spieler und Trainer auf Geld.

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Eilenburg. Seit gut fünf Wochen herrscht auch beim FC Eilenburg Stillstand. Keiner kann aktuell sagen, ob die Oberliga-Saison zu Ende gespielt werden wird. Bei einer Konferenz mit dem Nordostdeutschen Fußballverband sprach sich die Mehrheit der Vereine aus der 5. Liga gegen Geisterspiele aus. Auch FCE-Präsident Steffen Tänzer sieht Spiele ohne Zuschauer extrem kritisch. „Das wäre unwirtschaftlich. Man hat bei solchen Spielen keinerlei Einnahmen, aber hohe Ausgaben. Allein die Schiedsrichter kosten in der Oberliga pro Spiel zwischen 350 und 500 Euro“, so Tänzer.

Dazu müssen auch bei Geisterspielen Ordnungskräfte vor Ort sein, um ungebetene „Gäste“, die es aufgrund des Fußballentzugs wohl geben wird, zu kontrollieren. Eintrittsgelder und Cateringeinnahmen fallen dagegen komplett weg. Vielleicht gibt es für kleinere Vereine auch eine „Zwischenlösung“. Im Schnitt kommen zu den Heimspielen in Eilenburg 150 bis 200 Zuschauer, im Frühling und Sommer an lauen Freitagabenden manchmal auch mehr. Das Ilburg-Stadion hat Kapazitäten für 3000 Besucher. Auch ohne eine Eins in Mathe lässt sich schnell sagen: 1,5 Meter Abstand wären kein Problem...

Durchklicken: Die Bilder vom Heimsieg des FCE gegen Union Sandersdorf

Der FC Eilenburg konnte Union Sandersdorf in der Oberliga (Staffel Süd) mit 3:0 bezwingen. Zur Galerie
Der FC Eilenburg konnte Union Sandersdorf in der Oberliga (Staffel Süd) mit 3:0 bezwingen. ©

Laut Regierungsbeschluss sind „Großveranstaltungen“ bis Ende August verboten, ab welcher Anzahl jene „Großevents“ beginnen, ist noch nicht definiert worden. Für die Eilenburger ist dieser Punkt nicht nur in Sachen Oberliga-Saison spannend. Erstmals in der Vereinsgeschichte hat der FCE das Halbfinale im Sachsenpokal erreicht. Das Spiel gegen Lok Leipzig steht noch aus und soll laut Sächsischem Fußballverband über die Bühne gebracht werden.

Im Sachsenpokal gegen Lok Leipzig

Der SFV ist sich einig, dass von allen Wettbewerben beim Sachsenpokal die höchste Wahrscheinlichkeit gegeben ist, den Wettbewerb regulär auszuspielen. Nur so könnte ein sächsischer Vertreter in der neuen Saison am DFB-Pokal teilnehmen. Ganz Eilenburg hat sich wochenlang auf das Spiel gefreut, doch dann kam die Corona-Pandemie und mit ihr die Sorgen. Ein Spiel ohne Fans ist sehr wahrscheinlich und „funktioniert ohne finanzielle Unterstützung vom SFV nicht“, macht Tänzer klar.

Solange die Sportstätten vom Land gesperrt sind, ist sowieso nicht an Fußballspiele zu denken. Kapitän Sebastian Heidel hält sich beim Joggen fit und darf seit gestern endlich auch offiziell zumindest wieder mit einem Teamkollegen Runden im Leipziger Clara-Zetkin-Park drehen. „Das Face to Face fehlt einem schon. Mittlerweile würde ich einen Luftsprung machen, wenn wir wieder in Kleingruppen trainieren könnten“, sagte der künftige Berufsschullehrer.

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Dabei sind sich die Oberligafußballer auch finanziell der Situation und der Verantwortung gegenüber dem Verein bewusst. „Zwar ist der eine oder andere durchaus auch auf kleinere Beträge angewiesen. Wir haben uns aber abgestimmt und werden dem Verein entgegenkommen“, versicherte Heidel. Auch die Nachwuchstrainer verzichten nahezu geschlossen auf ihre Spesen. „Es ist ein tolles Zeichen der Solidarität“, freute sich der Koordinator des Kleinfeldes, Mike Trybusch.

Fußballern fehltFace to Face

Wie alle Fußballvereine steht auch der FCE mit seinen gut 400 Mitgliedern vor einer völlig neuen Situation. Nicht alle geplanten Einnahmen gibt es und Tänzer hat vollstes Verständnis, dass der Verein aktuell bei den Sponsoren und Unterstützern nicht an allererster Stelle steht.

Der größte Fußballverein Nordsachsens wird von vielen kleinen Geschäften unterstützt, die selbst durch ungewisse Zeiten steuern. Dennoch sind die Signale, die den Verein zuletzt erreichten, eher positiv. „Viele unserer Unterstützer wissen um all die sportlichen und sozialen Anstrengungen, die wir in den vergangenen Jahren beim FCE im Ehrenamt unternommen haben. Insoweit überwiegt auch der Wunsch, dass der Verein gut durch diese Zeit kommt und danach vernünftig weiterarbeiten kann. Ich hoffe, wir sehen uns bald gesund auf dem Fußballplatz wieder“, sagt Tänzer und schiebt noch hinterher: „Ich war schon immer ein optimistischer Mensch. Daran wird auch Corona nichts ändern.“