18. August 2020 / 10:00 Uhr

Champions-League-Halbfinale: Michael Rummenigge checkt FC Bayern, RB Leipzig, Lyon und PSG

Champions-League-Halbfinale: Michael Rummenigge checkt FC Bayern, RB Leipzig, Lyon und PSG

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Rummenigge nimmt die Halbfinalisten in der Champions League unter die Lupe.
Michael Rummenigge nimmt die Halbfinalisten in der Champions League unter die Lupe. © Getty Images (Montage)
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Michael Rummenigge analysiert in seiner SPORTBUZZER-Kolumne die Champions-League-Halbfinalisten. Den FC Bayern warnt er vor Olympique Lyon. RB Leipzig räumt er gegen Paris St. Germain Chancen ein. 

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Das Halbfinale der Champions League steht vor der Tür, aber so ganz kommt man auch heute noch nicht an den Viertelfinalspielen vorbei. Mich beschäftigen dabei vor allem zwei Dinge: Selbstverständlich das 8:2 des FC Bayern gegen den FC Barcelona – es war unglaublich zu beobachten, wie die Maschine der Münchner nach einer eigentlich ausgeglichenen Anfangsphase ins Rollen gekommen ist. Und dann war da auch noch das unerwartete Aus von Manchester City und Pep Guardiola gegen den nächsten Bayern-Gegner Olympique Lyon.

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Hier muss man ganz klar sagen: Guardiola hat sich vercoacht. Warum wirft er für ein Spiel sein Konzept über Bord, stellt das System um und orientiert sich so stark am Gegner? Er wollte unbedingt etwas Besonderes machen und hat seine Spieler überfordert. Das war schon in großen Spielen beim FC Bayern so. Pep ist ein Weltklasse-Trainer, aber er hat die Champions League seit 2011 nicht mehr gewonnen. Warum? Weil er es in entscheidenden Phasen immer mit seinen taktischen Vorgaben übertrieben hat. Das ist falsch, völliger Unsinn und hat wahrscheinlich auch etwas mit Eitelkeit zu tun.

Lyon kann dem FC Bayern gefährlich werden

Aber kommen wir zu den Mannschaften, die noch vom Henkelpott träumen können und beginnen mit Olympique Lyon. Die Franzosen sind für die Bayern der vielleicht leichtere Gegner als City – extrem unangenehm sind aber auch sie. Olympique spielt sehr clever, überbrückt schnell das Mittelfeld und sucht den Weg nach vorn über die Flügel. Im Abschluss sind sie dann sehr effektiv. Ihr für mich bester Mann ist Memphis Depay – auch wenn Moussa Dembélé mit seinem Doppelpack im Viertelfinale jetzt vielleicht etwas mehr im Fokus steht. Würde es Hin- und Rückspiel geben, kämen die Bayern sicher weiter. In nur einer Begegnung kann Lyon aber gefährlich werden.

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Eine Auswahl der Titelträger in der Champions League: Stefan Effenberg mit dem FC Bayern im Jahr 2001 (l.), Ronaldinho mit dem FC Barcelona im Jahr 2006 und Mohamed Salah mit dem FC Liverpool im Jahr 2019.  Zur Galerie
Eine Auswahl der Titelträger in der Champions League: Stefan Effenberg mit dem FC Bayern im Jahr 2001 (l.), Ronaldinho mit dem FC Barcelona im Jahr 2006 und Mohamed Salah mit dem FC Liverpool im Jahr 2019.  ©

Dennoch geht der FC Bayern natürlich als Favorit in die Partie. Die größte Herausforderung wird es sein, die Spannung und die Motivation nach der Gala gegen Barcelona hochzuhalten. Aber wenn ich Hansi Flick und die Spieler reden höre, mache ich mir da eigentlich gar keine Gedanken. Es ist großartig, was der Trainer aus dieser Mannschaft gemacht hat und wie empathisch er die Spieler führt. Zudem verhalf er Thomas Müller zu alter Stärke. Dieser ist derzeit der wichtigste Spieler der Bayern und in dieser Form eigentlich auch für die Nationalmannschaft unverzichtbar. Im Vergleich zu Lyon ist der deutsche Meister auf allen Positionen besser besetzt – der entscheidende Faktor wird die Konzentration sein.

RB Leipzig ist gegen PSG kein Außenseiter

Mit RB Leipzig hat die Bundesliga noch ein zweites heißes Eisen im Feuer. Was sich bei diesem Klub in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, ist wirklich unfassbar. Eigentlich bin ich ein Freund von Tradition, aber man muss schon sagen: Was als Marketingmaßnahme begann, ist jetzt auch sportlich eine Riesennummer. Es gibt bei RB nicht den einen wirklich überragenden Spieler – Timo Werner wird sich nach seinem Wechsel zu Chelsea und dem Verzicht auf die Champions League gerade in den Hintern beißen -, aber im Kollektiv sind sie bärenstark. Dazu haben sie mit Julian Nagelsmann einen jungen Trainer, der taktisch auf alle Maßnahmen des Gegners reagieren kann. Somit sind sie für mich im Halbfinale auch kein Außenseiter.

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Denn: Paris St. Germain hat zwar überragende Einzelspieler, ist mannschaftlich aber nicht so geschlossen. Das macht die Partie gegen Leipzig zu einem 50:50-Spiel. Zumal mich die Franzosen im Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo nicht überzeugen konnten und eigentlich hätten ausscheiden müssen. Sie haben in der Abwehr ihre Probleme, nach vorn aber überragende Individualisten. Neymar ist zwar manchmal ein Zirkuspferd, aber eben auch ein glänzender Fußballer. Kylian Mbappé schaue ich noch ein wenig lieber zu. Leipzig muss zu jeder Zeit klar sein: Dieses Duo kann das Spiel allein entscheiden.