21. November 2019 / 11:44 Uhr

Großer Faktencheck: Hier muss Kenan Kocak Hannover 96 besser machen

Großer Faktencheck: Hier muss Kenan Kocak Hannover 96 besser machen

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hat viel zu tun bei und mit Hannover 96: Neu-Trainer Kenan Kocak.
Hat viel zu tun bei und mit Hannover 96: Neu-Trainer Kenan Kocak. © Florian Petrow
Anzeige

Laufleistung, Ballbesitz, Trefferquote - die Tugenden der einzelnen Teams in der 2. Bundesliga sagen nicht alles, aber einiges über Stärken und Schwächen der Mannschaften aus. Der Faktencheck hilft auch dem neuen Trainer Kenan Kocak, Hannover 96 zu verbessern. Nicht in jeder Statistik liegen die Roten übrigens im unteren Drittel.

Anzeige

Nach Punkten und Toren steckt Hannover 96 im Abstiegskampf. Die Kernaufgabe des neuen Trainers Kenan Kocak wird sein, die Mannschaft zu stabilisieren. Acht Kern-Werte lassen auf Stärken und Schwächen der Mannschaft schließen, dazu Statistiken von Einzelspielern. Wer ist top, wer ein Flop in der Liga.

Interessanterweise ist nicht alles schlecht an dieser 96-Saison. Da kann Kocak was draus machen.

Bei ihm landet der Ball am häfigsten: Marcel Franke.
Bei ihm landet der Ball am häfigsten: Marcel Franke. © 2019 Getty Images

Ballbesitz

In den acht Kern-Werten Laufdistanz, Sprints, Ecken, Flanken, Torschüssen, gewonnene Zweikämpfe, Passquote und Ballbesitz liegt 96 nur in einer Disziplin ganz vorne: beim Ballbesitz. Der VfB Stuttgart (10 053) liegt in der Tabelle klar an der Spitze. Es folgen Hannover 96 (8671), Dresden, Hamburg und Bielefeld.

Demnach kommen alle drei Topteams der Liga (Bielefeld, Hamburg, Stuttgart) über Ballbesitz zum Erfolg. Das spricht für Spielkontrolle. Aber der Ball ist nicht immer der Freund aller Spieler. Hannover ist 15., Dresden sogar auf dem vorletzten Platz. Das bedeutet, 96 will zwar den Ball haben, weiß aber bisher zu wenig damit anzufangen.

Das kann Kocak tun: Die Mannschaft braucht einen Plan, um in Ballbesitzphasen zielstrebig nach vorne zu spielen. 96 ließ den Ball oft hinten herum laufen. Ein Indiz dafür gibt erneut die Statistik: Innnenverteidiger Marcel Franke ist der Spieler mit den zweitmeisten Ballkontakten in der Liga. Heißt: wenn 96 den Ball hat, dann meistens hinten. Optimalerweise sollte aber ein Mittelfeldspieler die meisten Aktionen im Spiel haben. Kocak trainierte in der vergangenen Woche die 10-Sekunden-Regel bei Kontern. Bei Ball-Kombinationen ließ er mit Pass-Klatsch-Übungen das direkte und schnelle Passspiel üben. Das kann ein Weg sein, effektiver mit Ballbesitz umzugehen.

Emil Hansson (im Team seit 2019): Vertrag <b>bis 2022</b> (bis Saisonende an RKC Waalwijk verliehen)
Emil Hansson (im Team seit 2019): Vertrag bis 2022 (bis Saisonende an RKC Waalwijk verliehen) © Florian Petrow

Laufdistanz

Es gibt zwei Meinungen zur Statistik der Gesamtkilometerzahl in einem Spiel. Oft nehmen Trainer nach Siegen die Kilometerleistung als Beleg für hervorragende Arbeit und den Fleiß der Spieler. Diese Statistik war auch ein Grund, warum Iver Fossum bei den meisten 96-Trainern durchweg geschätzt war. Bei Niederlagen weisen die Fußballlehrer allerdings gerne darauf hin, dass es auf die Qualität (Richtung, Tempo) der Läufe ankomme, nicht auf die Quantität. Beides stimmt. Gerade bei 96 kommt der Punkt Ballbesitz hinzu. Grundsätzlich rennt eine Ballbesitz-Mannschaft (wie beispielsweise die Bayern) etwas weniger. Auf der Fleißskala jedenfalls steht 96 auf dem vorletzten Platz der Liga-Tabelle.

Mehr über Hannover 96

Der Spieler mit der höchsten Laufleistung im Schnitt pro Spiel ist erstaunlicherweise der Schwede Emil Hansson (12.17 km). Es folgen zwei Profis, mit denen man aufgrund fehlender Vorbereitung oder Spielpraxis eigentllich gar nicht rechnet: Dennis Aogo und Marc Stendera. Besonders laufstarke Spieler kommen bei 96 demnach gar nicht in die Position, viel zu laufen. Waldemar Anton zum Beispiel wurde erst spät in der Saison ins Mittelfeld gestellt. Hendrik Weydandt machte seine stärksten Spiele, wenn er nicht als reiner Strafraumspieler eingesetzt wurde. Übrigens hatte Mirko Slomka die beiden Probleme irgendwann erkannt, Anton auf die "Sechs" gestellt und Weydandt nach rechts außen beordert.

Das kann Kocak tun: Auf den ersten Blick bedenklich: Nur Kocaks frühere Mannschaft Sandhausen ist bei den Laufwerten noch sparsamer unterwegs als 96. Allerdings stand Sandhausen beispielsweise in der Saison 2017/2018 unter Kocak wesentlich besser da - auf Platz neun statt jetzt auf Platz 18. Laufwerte sind außerdem ein Signal dafür, wie sehr die Spieler sich untereinder unterstützen. An den Fitnesswerten soll es angeblich nicht liegen. Im Training deutete Kocak an, dass er Mannschaft formen möchte, die nicht nur laufen kann, sondern auch laufen will.

Kopfsache? Marvin Ducksch vergab nach Statistik fünf Großchancen für 96, traf aber auch viermal udn bereitete vier Tore vor. Damit war er an über der Hälfte der 96-Tore direkt beteiligt.
Kopfsache? Marvin Ducksch vergab nach Statistik fünf Großchancen für 96, traf aber auch viermal udn bereitete vier Tore vor. Damit war er an über der Hälfte der 96-Tore direkt beteiligt. © dpa (Archiv)

Das ist der komplette Kader von Hannover 96 in der Saison 2019/20

Tor: 
Martin Hansen (Rückennummer 25) Zur Galerie
Tor: Martin Hansen (Rückennummer 25) ©

Effektivität

Hier ist Hannover 96 abgeschlagen Letzter. 58 Torschüsse hat 96 abgefeuert, nur Nürnberg schießt häufiger aufs Tor (64). Aber keine andere Mannschaft hat eine derart schwache Trefferquote wie Hannover (24,1 Prozent). Stellvertretend dafür führt Marvin Ducksch die Tabelle der vergebenen Großchancen in der Liga an - er versiebte fünf klare Chancen.

Das kann Kocak tun: Genauigkeit, Konzentration - Dinge, die sich nicht so leicht trainieren lassen. Im Zweifel muss Kocak auf Spieler zurückgreifen, die jeweils die stärksten Abschlussquoten haben. Bei Ducksch hängt die Trefferquote auch immer vom Vertrauen des Trainers ab. Spürt Ducksch das Vertrauen Kocaks, kann es durchaus besser werden.