21. Oktober 2019 / 17:04 Uhr

Enis Djerlek zu Gast im AOK-SPORTBUZZER-Talk: "Da brennt der Baum – auch auf dem Schulhof"

Enis Djerlek zu Gast im AOK-SPORTBUZZER-Talk: "Da brennt der Baum – auch auf dem Schulhof"

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Enis Djerlek (M.) zu Gast beim AOK-SPORTBUZZER-Talk mit Christoph Brandhorst (r.) und Mirko Jablonowski.
Enis Djerlek (M.) zu Gast beim AOK-SPORTBUZZER-Talk mit Christoph Brandhorst (r.) und Mirko Jablonowski. © Tom Siegert
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Brandenburgliga: Der Trainer des Oranienburger FC Eintracht spricht nach dem 1:1 gegen den TuS Sachsenhausen über die Bedeutung des Stadtderbys, seinen Trainer-Ziehvater Hans Oertwig und seine Leidenschaft für Roter Stern Belgrad.

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Der Oranienburger FC Eintracht spielte in der Fußball-Brandenburgliga am Sonntag gegen den TuS 1896 Sachsenhausen den Schlussakkord. Das späte 1:1 des Gastgebers bescherte beiden Teams das erste Remis in einem Stadtderby überhaupt. Im AOK-SPORTBUZZER-Talk am gestrigen Montag in Potsdam sprach OFC-Trainer Enis Djerlek über das Duell mit dem ewigen Rivalen, Torschütze Tim Kretschmann und seine Liebe zu Roter Stern Belgrad.

Herr Djerlek, wie ist die Gemütslage eine Nacht nach dem späten Ausgleichstreffer im Stadtderby?
Enis Djerlek: Derby bedeutet viel Emotionen, viel Leidenschaft, enorm viel Herzblut auf beiden Seiten, viele Zuschauer – es ist auf dieser Ebene ein einzigartiges Spiel in Brandenburg. Für uns ist es dann auch mehr als ein Punkt, wenn man mit dem letzten Ballkontakt das Tor macht. Das fühlt sich dann wie ein Sieg an und für den Stadtrivalen wie eine Niederlage.

AOK-SPORTBUZZER-Talk mit Trainer Enis Djerlek vom Oranienburger FC

Welche Bedeutung hat ein Derby auf diesem Niveau für die Stadt Oranienburg?
Das Spiel spielt in der Region eine große Rolle. Es ist toll, dass es zwei Teams gibt, die sich gegenseitig pushen und es schaffen, die Kader über die Jahre immer besser aufzustellen. Als Herr Oertwig und ich damals beim OFC begonnen haben, waren wir noch eine Etage tiefer. Wir sind dann aufgestiegen, haben gegen eine Top-Mannschaft aus Sachsenhausen aber erstmal viel Lehrgeld bezahlt. Wir haben von Jahr zu Jahr sehnsüchtig erwartet, uns zu revanchieren. Das ging nicht so schnell. Jetzt haben wir aus den letzten fünf Derbys drei Siege und ein Unentschieden – das hört sich schon sehr gut an.

Es war die erste Punkteteilung der jüngeren Geschichte. Wie nah liegen beide Teams vom Leistungsniveau her beieinander?
Wenn man die Tore sieht, die wir schießen, und die, die wir hinten reinbekommen, dann sieht man, dass es Nuancen sind. Aber Fußball ist nicht immer logisch. Ich finde, dass wir am Sonntag ein besseres Spiel gemacht haben als im März, als wir durch das sensationelle Tor von Miguel Unger 1:0 gewinnen. Da hätten wir nach 20 Minuten 0:3, 0:4 zurückliegen müssen. Am Sonntag hat der Gegner eine enorm defensive Haltung eingenommen und von der ersten Minute an nur darauf gewartet, dass wir Fehlpässe spielen. Wir haben sehr viele Fehlpässe gespielt. Wir haben zwei, drei Kontersituationen in der ersten Halbzeit. Auch in der zweiten Halbzeit geht das Spiel so weiter. Da hat TuS es nicht so gut gemacht, weil sie in dieser Phase nicht das zweite Tor nachgelegt haben.

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Sie haben den Torschützen Tim Kretschmann nach dem Spiel als besten Mann auf dem Platz bezeichnet. Er lebt dieses Derby wie kaum ein Zweiter. Haben Sie sich für ihn nach seinem Ausgleichstreffer besonders gefreut?
Wir haben ja zwei Kretschmänner, Tim und Randy. Die sind eine interessante Spezies, manchmal frage ich mich, von welchem Planeten sie kommen (lacht). Seine Art, Fußball zu spielen, ist das, was ich mit Fußball verkörpere: unglaubliche Leidenschaft, unglaublicher Wille, Zielstrebigkeit, Entschlossenheit – alles Attribute, die man braucht, um erfolgreich Fußball zu spielen. Bitte nicht vergessen: Der Junge hat eine der schwersten Verletzungen gehabt, die man haben kann. Und er ist zurückgekommen. Ich freue mich riesig für ihn, er hat sich das einfach verdient.

Sie haben den Trainerposten in Oranienburg im vorigen Jahr von Hans Oertwig übernommen. Waren vorher fast zwei Jahrzehnte als Co-Trainer an seiner Seite. Wie hat er Sie geprägt?
Hans Oertwig ist eine Ikone im Berliner und Brandenburger Fußball. Er wollte mich als Spieler immer haben, ich habe mich ein paar Mal gegen ihn entschieden. Ich war damals beim Spandauer SV in der 3. Liga. Aber nach meinem Kreuzbandriss schien es schon so, dass die Karriere nicht mehr weiter ging. In dem Moment kam Hans Oertwig. Wir sind dann den Weg im Trainerbereich gegangen. Er hat mir damals erstmal eine Probezeit gegeben (lacht). Ich dachte, ich höre nicht richtig, ich kenne doch den Fußball. Aber nach ein paar Tagen wusste ich, dass ich gar nichts weiß. Fußballer und Trainer, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

In Bildern: Stadtderby: Oranienburger FC und TuS Sachsenhausen teilen die Punkte.

<b>Oranienburger FC Eintracht – TuS Sachsenhausen 1:1 (0:0).</b> Tore: 0:1 Machut (70.), 1:1 T. Kretschmann (90.). Zur Galerie
Oranienburger FC Eintracht – TuS Sachsenhausen 1:1 (0:0). Tore: 0:1 Machut (70.), 1:1 T. Kretschmann (90.). © Christoph Brandhorst
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Sie sind glühender Fan von Roter Stern Belgrad, das am Dienstagabend in der Champions League bei Tottenham Hotspur spielt. Wie entstand diese Leidenschaft?
In Serbien ist es so: Wenn du geboren wirst, bist du entweder ein Rot-Weißer oder ein Schwarz-Weißer. Roter Stern oder Partizan. Da wird man als Kind schon mit Trikots bestückt und ich hatte ein Rot-Weißes. Jeden Tag habe ich mit meinen Freunden dieses Derby nachgespielt. Da brennt der Baum – auch auf dem Schulhof.

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