16. August 2020 / 12:28 Uhr

Elfmeterkrimi in Falkensee: Alt-Ruppin-Keeper Daniel Borrmann wird zum Helden (mit Galerie)

Elfmeterkrimi in Falkensee: Alt-Ruppin-Keeper Daniel Borrmann wird zum Helden (mit Galerie)

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Auf Keeper Daniel Borrmann konnte sich die Alt Ruppiner Eintracht am Sonnabend verlassen.
Auf Keeper Daniel Borrmann konnte sich die Alt Ruppiner Eintracht am Sonnabend verlassen. © Marius Böttcher
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AOK-Landespokal: Nach torlosen 120 Minuten jubelt die Eintracht bei Blau-Gelb Falkensee.

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Ende gut, alles gut – so in etwa könnte man das Weiterkommen des SV Eintracht Alt Ruppin im Fußball-Landespokal beschreiben. Freude bereitete die Mannschaft von Trainer Daniel Kraatz, immerhin Aufsteiger in die Landesliga Nord, aber weder über 90 noch über 120 Minuten, nach denen die 125 Zuschauer auf dem Sportplatz an der Straße der Einheit vergeblich auf Tore warteten. Erst im Elfmeterschießen machte die Eintracht bei Blau-Gelb Falkensee, Aufsteiger in die Landesklasse West und Kreispokalsieger im Havelland, so richtig Spaß. Mit 3:1 behielt man bei der knappsten aller Entscheidungen die Oberhand, Nervenstärke zeigte dabei vor allem einer: Daniel Borrmann.

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Von den vier Falkenseer Versuchen entschärfte der Alt Ruppiner Schlussmann gleich zwei, ein weiterer ging über den Kasten. Nur der Versuch von Blau-Gelb-Torjäger Benjamin Baur fand den Weg an Borrmann vorbei ins Netz. „Der war zu gut geschossen, da hatte ich keine Chance“, sagte der 33-Jährige nach Spielschluss. Weil seine Teamkollegen Dominik Dargelis, Jan-Paul Platte und Martin Brandt – Steven Goetsch und Enrico Pfefferle mussten gar nicht mehr antreten – aber cool blieben, konnten die Gäste den Einzug in die 3. Runde des Landespokals bejubeln. Auch sehr zur Freude ihres Elfmeterkillers: „Wir haben das Spiel als Generalprobe für den Saisonstart in der Landesliga nächste Woche gesehen. Aber klar, man besitzt trotzdem genug Ehrgeiz und wollte diese Partie gerne gewinnen.“

In Bildern: Eintracht Alt Ruppin siegt bei Blau-Gelb Falkensee mit 3:1 vom Elfmeterpunkt.

Im Duell zweier Aufsteiger behielt die Eintracht (schwarze Trikots) nach 120 torlosen Minuten auf dem Blau-Gelb-Sportplatz die Nerven. Torwart Daniel Borrmann entschärfte gleich zwei Elfmeter der Hausherren und beförderte seine Alt Ruppiner damit in die nächste Pokalrunde. Zur Galerie
Im Duell zweier Aufsteiger behielt die Eintracht (schwarze Trikots) nach 120 torlosen Minuten auf dem Blau-Gelb-Sportplatz die Nerven. Torwart Daniel Borrmann entschärfte gleich zwei Elfmeter der Hausherren und beförderte seine Alt Ruppiner damit in die nächste Pokalrunde. © Marius Böttcher

Dass der in Potsdam lebende Borrmann dabei die Hauptrolle zwischen den Pfosten spielen würde, daran war vor einigen Jahren noch nicht zu denken. Jahrelang war der Metallbauer als Außenspieler aktiv, in der Jugend für Wachow/Tremmen und Groß Behnitz, im Männerbereich dann auch für den TSV Perwenitz. „Ich bin meistens Daniel Kraatz gefolgt, so wie es 2018 auch nach Alt Ruppin der Fall war“, verrät Daniel Borrmann, der eines Tages von seinem Trainer die harschen Worte „Du bist zu dick, für draußen reicht es nicht mehr. Du gehst jetzt ins Tor“ an den Kopf geworfen bekam. Auf der neuen Position entpuppte er sich aber schnell als echte Verstärkung – und bewies dies bei der Hitzeschlacht in Falkensee.

„Es war eine schwere Partie, damit hatten wir auch gerechnet. Der Gegner war ein starker und auch mit dem kleinen Platz sind wir nicht so klar gekommen“, resümierte der Torwart-Hexer, der im ersten Durchgang einmal wackelte, seinen Fehler aber selbst ausbügelte. Ansonsten spielte sich das Geschehen meist zwischen den Strafräumen ab, Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware. Gegen 17.45 Uhr schlug am frühen Samstagabend dann aber die Stunde des Daniel Borrmann: „Das war auch für mich das erste Elfmeterschießen überhaupt. Ich habe mir über die Jahre Videos bei YouTube angeschaut, vielleicht habe ich davon profitiert. Eigentlich habe ich mich aber jedes Mal spontan entschieden.“ Erst war der zweifache Familienvater halbhoch rechts, danach halbhoch links zur Stelle. Dankbare Bälle demnach für einen Torhüter? „Nein, nein. Man muss da auch schon hinspringen“, betont Borrmann, der von der Erfahrung von Torwarttrainer Daniel Schirrmeister profitiert.

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Um in solchen Momenten mit dem richtigen Händchen belohnt zu werden, opfert er eine Menge Zeit: „Viermal pro Woche bin ich für den Fußball unterwegs, die Wege aus Potsdam nach Alt Ruppin sind ja nicht die kürzesten. Da bin ich meiner Frau Janine extrem dankbar, dass sie mir immer dem Rücken frei hält.“ Nach dem Krimi, welcher erst spät einer wurde, wünscht man sich im Eintracht-Lager in der nächsten Runde einen Zuschauermagneten im Waldstadion. „So habe ich das jedenfalls von meinen Mitspielern vernommen“, sagt „Putter“, der auch seinen Spitznamen Daniel Kraatz zu verdanken hat: „Das war noch zu Wachower Zeiten als ich draußen gespielt habe. Da bin ich auf das Tor zugelaufen und hätte nur über den Keeper putten müssen. Ich habe mich aber für einen Vollspannschuss entschieden, der sein Ziel weit verfehlte. Seitdem werde ich so genannt.“

Ob Putter, Hexer oder einfach nur Daniel – Keeper Borrmann ist bereit, wenn es in der nächsten Pokalrunde wieder zur Entscheidung vom Punkt kommt.