19. Mai 2020 / 15:48 Uhr

Eins, zwei, drei: Volley zum ersten Wolfsburger Hattrick in der Bundesliga

Eins, zwei, drei: Volley zum ersten Wolfsburger Hattrick in der Bundesliga

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wolfsburgs erster Hattrick in der Bundesliga: Edin Dzeko tritt am 2. Mai 2009 gegen Hoffenheim-Torwart Timo Hildebrand zum 1:0 (oben links), 2:0 (oben rechts) und 3:0 (großes Bild).
Wolfsburgs erster Hattrick in der Bundesliga: Edin Dzeko tritt am 2. Mai 2009 gegen Hoffenheim-Torwart Timo Hildebrand zum 1:0 (oben links), 2:0 (oben rechts) und 3:0 (großes Bild).
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75 Jahre wird der VfL Wolfsburg alt: Grund genug, um an besondere Fußball-Momente zu erinnern – und an wichtige, kuriose und spezielle Tore. In unserer Serie „Jeden Tag ein Tor“ stellen wir jeweils einen dieser Treffer vor und erzählen die Geschichte dahinter. Heute geht’s um den vielleicht wichtigsten Schritt auf dem Weg zur Meisterschaft 2009.

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Zart lupfte Grafite den Ball vom halblinks in den Strafraum, und als die Zuschauer sahen, wem die Hereingabe galt, durften sie schon zum Jubeln ansetzen. Denn Edin Dzeko traf in diesem Frühjahr 2009 gefühlt einfach immer. Auch diesmal: Volleyschuss, Tor, das Spiel war entschieden. Und nicht nur das: Dieser Treffer zum 3:0 gegen Hoffenheim am 2. Mai 2009 vollendete den ersten Hattrick des VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga.

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Wann ein Hattrick ein Hattrick ist, wird in verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sportarten unterschiedlich bewertet. Meistens reicht es, dreimal in einem Spiel zu treffen, in Deutschland ist man da etwas pingeliger. Die drei Tore müssen direkt nacheinander fallen, ohne dass es dazwischen einen weiteren Treffer oder eine Halbzeitpause gibt. Um klar zu machen, dass man die strenge Definition meint, wird dann gern von einem „lupenreinen“ Hattrick gesprochen.

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Spektakuläre Mehr-Tore-Schützen

Ursprünglich war der Hattrick ein Hat-Trick, also ein „Hut-Trick“, bei dem ein Zauberer etwas aus einem vermeintlich leeren Hut hervorholt. 108 davon gab es bisher in der Bundesliga-Geschichte – da zählen aber auch die Spieler mit, die mehr als dreimal nacheinander trafen, etwa Robert Lewandowski mit seinem Fünferpack 2015 für die Bayern gegen den VfL. Oder Jürgen Klinsmann mit vier Toren nacheinander 1986 für Stuttgart gegen Fortuna Düsseldorf mit dem heutigen VfL-Manager Jörg Schmadtke im Tor – 7:0 endete das Spiel damals, Michael Spies (jetzt Trainer beim MTV Gifhorn) machte in dieser Partie sein erstes Bundesliga-Tor.

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Nur Gerd Müller war besser als Dzeko

Dreierpacks in der klassischen Hattrick-Form gab es in Bundesliga-Spielen mit Wolfsburger Beteiligung genau drei – den ersten gegen den VfL: Claudio Pizarro traf im September 1999 beim 7:2-Sieg von Werder Bremen am Elsterweg nach der Pause zum 4:2, 5:2 und 6:2. Und acht Jahre nach Dzekos Wolfsburger Hattrick-Premiere schaffte Mario Gomez für den VfL dieses Kunststück, machte mit drei Toren beim Spiel in Leverkusen aus einem 0:2-Rückstand eine 3:2-Führung, ehe das Spiel doch noch 3:3 endete.


Die Premiere aber lieferte Dzeko, der auf dem Weg zur Meisterschaft 2009 sensationelle 21 Rückrunden-Tore erzielte – nur Gerd Müller gelangen in einer Halbserie mal mehr Treffer, 23 waren es 1972.

12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg

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Das VfL-Spiel gegen Hoffenheim endete 4:0 (nach dem Dzeko-Hattrick traf Grafite noch per Elfer), was deutlicher klingt, als es war. Denn vor der Pause spielte der VfL, der gerade in Cottbus verloren hatte, alles andere als gut. Und dass in einer Partie unter besonderen Vorzeichen. In der Woche vorm Spiel war der Abschied von Trainer-Manager Felix Magath in Richtung Schalke konkret geworden, unmittelbar vor dem Anpfiff gegen Hoffenheim gab er im TV-Interview erstmals das Ziel Meisterschaft aus.

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„Große Angst“ habe er gehabt, das gab Magath später zu, dass die Unruhe um seinen Abschied dem VfL die Titel-Chance nimmt. Das 4:0 gegen Hoffenheim sei darum „ein enorm wichtiger Sieg“ gewesen, für viele war es sogar der wichtigste überhaupt in der Saison – weil die VfL-Spieler anschließend selbst daran glaubten, dass sie trotz aller Widrigkeiten Meister werden können.

Dzeko beendete die Saison mit 26 Toren, Grafite kam auf 28. „Es war definitiv ein Konkurrenzkampf, die wollten schon beide Torschützenkönig werden. Edin war jung, ehrgeizig, manchmal auch verbissen und auf jeden Fall der Unruhigere“, so Magath. Grafite holte die Kanone, Dzeko bekam sie ein Jahr später, eher er im Januar 2011 Wolfsburg verließ. 2012 und 2014 wurde er mit Manchester City Meister, seit 2015 spielt er für die AS Rom – und ist der erste Spieler überhaupt, der in drei großen europäischen Ligen jeweils 50 Tore oder mehr schoss: 66 in Deutschland, 50 in England, 74 in Italien. In Rom ist er mittlerweile Kapitän, sein Vertrag läuft bis 2022. Für Wolfsburg war er einer der größten Spieler aller Zeiten – und der VfL für ihn die wichtigste Karriere-Stadion. „Denn dort“, so sagte es der 34-Jährige jetzt dem Klub-TV, „habe ich den entscheidenden Schritt gemacht“.